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- 20. November 2012 2 Min.

Auf diese se Klobrille sollte man sich nicht einmal mit Papierunterlage setzen (Bild: PostDienst / flickr / by 2.0)
Die bakterielle Erkrankung wird überwiegend durch Anal- und Oralverkehr übertragen. In den ersten acht Wochen nach der Ansteckung sind Betroffene jedoch hochinfektiös.
Von Carsten Weidemann
Die Syphilis ist in Deutschland auf dem Vormarsch – besonders unter Schwulen aus Großstädten. Die Deutsche Aids-Hilfe und das Robert-Koch-Institut (RKI) rufen daher Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern dazu auf, sich auf Syphilis testen zu lassen.
Im Jahr 2011 gab es laut RKI insgesamt 3.698 Meldungen für Syphilis-Erkrankungen – ein Jahr zuvor waren es noch 3.033. In 84 Prozent der Fälle wurde Sex zwischen Männern als wahrscheinlicher Infektionsweg angegeben, nur in 16 Prozent der Fälle galten heterosexuelle Kontakte als Ansteckungsursache. "Den größten absoluten Zuwachs verzeichneten Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)", heißt es in dem im Juni 2012 veröffentlichten "Epidemiologischen Bulletin" des RKI. Der Anstieg gehe "in erster Linie auf MSM in Großstädten zurück". Von 2004 bis 2010 stagnierte die Zahl der Syphilis-Meldungen dagegen oder ging sogar zurück. Der diesjährige Anstieg sei deshalb "besorgniserregend".
Warum mehr Syphilis-Erkrankungen gemeldet werden, müssten weitere Untersuchungen zeigen. Inwiefern die Zahlen auf ein "geändertes sexuelles Verhalten" unter MSM hindeuten, könnte nur durch Verhaltensstudien geklärt werden, so das Institut in Berlin. Da Syphilis-Infektionen jedoch die Wahrscheinlichkeit eine HIV-Übertragung erheblich erhöhen, sei es wichtig, dass "MSM mit hohen Partnerzahlen" sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Infektionen untersuchen lassen.
Schmerzloses, aber hochinfektiöses Geschwür

Broschüre der Deutschen Aids-Hilfe
Syphilis ist eine bakterielle Erkrankung, die überwiegend bei Oral- oder Analsex übertragen wird. Über ein schmerzloses Geschwür, das vier Wochen nach der Infektion auftritt, verbreitet sich die Krankheit weiter – befindet sich das Geschwür in der Nähe des Darmausganges, bleibt es meist gänzlich unbemerkt. Auch ohne Behandlung heilt es ab – deshalb gehen viele Infizierte nicht zum Arzt. Nach einigen Monaten kommt es aber zu immer wiederkehrenden grippeartigen Beschwerden.
Besonders die austretende Flüssigkeit aus dem hochinfektiösen Geschwür ist bei direktem Hautkontakt äußerst ansteckend. Der Infizierte kann vor allem in den ersten acht Wochen nach der Infektion dutzende andere Menschen anstecken, theoretisch auch über Toilettendeckel, gemeinsam benutzte Bierflaschen oder Besteck.
Jahre nach der Infektion haben sich die Erreger über den ganzen Körper verteilt und greifen die inneren Organe an – Langzeitschäden sind die Folge, ohne Behandlung stirbt der Erkrankte. Wird Syphilis erkannt, kann die Krankheit in zwei bis drei Wochen mit Penicillin besiegt werden.
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die weltweite Zahl der Neuerkrankungen auf über 12 Millionen Fälle pro Jahr. Syphilis ist in Deutschland nichtnamentlich nach dem Infektionsschutzgesetz zu melden. Eine Meldepflicht besteht auch in der Schweiz und in Österreich.
Links zum Thema:
» Syphilis-Broschüre der Deutschen Aids-Hilfe als PDF













