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Diskriminierung
Argentinien will Blutspendeverbot für Schwule aufheben
- 03. Dezember 2012 2 Min.

Der Abgeordnete Roy Cortina hat den Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht: Er will damit die Bürgerrechte stärken
Die argentinische Abgeordnetenkammer hat in ihrer letzten Sitzung im Jahr 2012 ein neues Blutspendegesetz beschlossen, das Schwule nicht mehr wegen ihrer sexuellen Orientierung vom Spenden ausschließt.
Bislang dürfen homosexuelle Männer in dem südamerikanischen Land nur Blut spenden, wenn sie mindestens ein Jahr lang keinen Sex gehabt haben. Das Gesetz muss im kommenden Jahr noch von der anderen Parlamentskammer, dem Senat, behandelt und beschlossen werden.
Der Gesetzentwurf sieht vor, die Blutspender nicht mehr danach zu fragen, ob sie im letzten Jahr mit einem gleichgeschlechtlichen Partner Sex hatten. Der sozialistische Abgeordnete Roy Cortina, der den Antrag eingebracht hatte, sieht das neue Gesetz als Fortschritt bei den Bürgerrechten: "Einem schwulen Mann das Recht zu verweigern, Blut zu spenden, widerspricht dem verfassungsmäßigen Prinzip der Gleichbehandlung." Es sei inkonsequent, wenn der Staat Schwule zwar im Eherecht gleichstelle, aber noch eine letzte Restdiskriminierung beibehalten würde. Das südamerikanische Land hatte 2010 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet (queer.de berichtete).
Cortina widersprach konservativen Gegnern, die davor warnten, dass der Schritt das Risiko von HIV-kontaminiertem Blut erhöhe: "Risikoverhalten heißt, ungeschützten Sex zu haben, und hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun". Vielmehr führe die gegenwärtige Regelung dazu, dass sich Heterosexuelle zu sicher fühlten.
Argentinische LGBT-Gruppen argumentieren bereits seit Jahren, dass das Verbot diskriminierend sei. Die Frage nach homosexuellen Kontakten verletze die Privatsphäre.
Deutschland hält am Verbot fest

In den meisten Ländern dürfen selbst keusche Schwule nicht Blut spenden, sexuell aktive Heteros aber sehr wohl (Bild: Thirteen Of Clubs / flickr / by-sa 2.0)
In Deutschland – wie auch in den meisten anderen Ländern der Welt – dürfen Schwule wegen ihrer sexuellen Orientierung kein Blut spenden. Das Verbot stammt aus der Frühzeit der Aids-Epidemie, als es noch keine Testmöglichkeit gegen das Virus gab und sich später tatsächlich Menschen über Blutkonserven infizierten. Inzwischen werden alle Blutproben getestet, auch können sich Spender über ihren HIV-Antikörperstatus informieren.
Im letzten Jahr hat in der Europäischen Union eine Debatte begonnen, nachdem Großbritannien Schwulen nach einjähriger Keuschheit erlaubt hatte, Blut zu spenden. Daraufhin erklärte der damalige EU-Gesundheitskommissar John Dalli, dass in den EU-Richtlinien vom "sexuellen Verhalten" die Rede sei und dies nicht gleichbedeutend mit "sexueller Orientierung" sei. Er verwies darauf, dass Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in der Union verboten sei (queer.de berichtete). Dennoch beharrt die CDU in Deutschland darauf, das Verbot für Schwule aufrecht zu erhalten (queer.de berichtete). (dk)














