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"Offensive Junger Christen"
Hessen fördert "Homo-Heiler"
- 04. Dezember 2012 3 Min.

Zynisches Cover der von der "Offensive Junger Christen" herausgegebenen Zeitschrift "Salzkorn": Der angebissene Apfel ist ein Symbol für den wegen seiner Homosexualität verurteilten Mathematiker Alan Turing, der mit einem vergifteten Apfel Selbstmord verübte
Nach Kritik der Grünen will Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) die Zusammenarbeit mit dem Verein "Offensive Junger Christen" überprüfen.
Von Carsten Weidemann
Seit 2009 wurde die "Offensive Junger Christen", die durch ihr "Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft" die "Heilung" von Schwulen und Lesben propagiert, vom Land Hessen mit rund 13.000 Euro gefördert. Dies berichtete der Hessische Rundfunk. Grund für die Unterstützung mit Landesmitteln: Der evangelische Verein mit Sitz in Reichelsheim gehört zu den anerkannten Trägern für das Freiwillige Soziale Jahr in Hessen.
Nach einer Kleinen Anfrage des grünen Landtagsabgeordneten Kai Klose kündigte Sozialminister Stefan Grüttner an, die Zusammenarbeit mit den selbsternannten Homoheiler zu überprüfen. Solche Einstellungen gegenüber Schwulen und Lesben dürften keinen Einfluss auf Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr haben, stellte der CDU-Politiker klar. Homosexualität sei "keine Krankheit" und müsse daher auch nicht therapiert werden, betonte Grüttner in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage.
Die Evangelische Kirche sitzt das Problem aus

Will "gesellschaftliche Diskriminierungen" künftig ausschließen: Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) (Bild: Sozialministerium Hessen)
Um "gesellschaftliche Diskriminierungen auszuschließen", will der hessische Sozialminister die Mindeststandards überprüfen, nach denen die Träger des Freiwilligen Sozialen Jahrs in dem Bundesland arbeiten. Grüttner schränkte allerdings an, dass das Land nicht für die Zulassung des Vereins als Träger zuständig sei, da dieser zur Evangelischen Kirche gehöre.
Dort wiederum scheint man auf Zeit zu spielen. Bereits vor über einem Jahr hatte der Präsident des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in einem Brief an den grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck angekündigt, einen Ausschluss der "Offensive Junger Christen" zu prüfen (queer.de berichtete) – geschehen ist seitdem jedoch nichts.
Der grüne Landestagsabgeordnete Kai Klose forderte die Evangelische Kirche im aktuellen Fall zum Handeln auf. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die evangelische Kirche daran mitwirken will, dass Jugendliche ihr freiwilliges Soziales Jahr in Einrichtungen leisten, in denen solche kruden Geisteshaltungen propagiert werden", sagte der offen schwule Politiker.
Evangelikale Gegenbewegung zu den 68ern
Die "Offensive Junger Christen" wurde als Gegenbewegung zur Studentenbewegung von 1968 gegründet und hat heute etwa 100 Mitglieder. Zu der evangelikalen Vereinigung gehören u.a. das "Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft" sowie das "Bündnis für Ehe und Familie", die beide gleiche Rechte für Schwule und Lesben bekämpfen und für die "Therapierbarkeit" von Homosexuellen werben.
Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) fordert seit langem, dass Organisationen, die 'Umpolungstherapien' anbieten, die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. "Therapie- und Umpolungsangebote sind für Lesben und Schwule eine Beleidigung und eine Zumutung", erklärte LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz. "Sie sind nicht nur gefährlich oder antiquiert, sondern auch unwissenschaftlich."
Links zum Thema:
» Die Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen als PDF















Aber klar, bei Gruppen wie der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) oder der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sieht man es eben nicht so deutlich. Und dummerweise sind dann auch noch ex- oder pseudo-68er bei diesen weltlichen Gruppen, was die Sache dann erst recht schwierig macht, was? Und noch schlimmer wird es, dass sich homosexuelle und transsexuelle Menschen an der Weiterverbreitung der Widernatürlichkeits-Thesen beteiligt haben... Es wäre doch schön, wenn Menschen anerkennen könnten, dass die Welt kein Western ist und gut und böse nicht immer anhand der Farbe des Hutes zu unterscheiden ist.
Was für einen Grund gibt es denn, dass heute immer noch psychische Störungen wie "Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter" existieren und diese Ideologien in Hochschulen gelehrt werden? Und was ist der Grund dafür, warum heute noch behauptet werden kann, transsexuelle Mädchen seien als Jungs geboren? Und woher kommt das, das Homosexualität als "sexuelle Orientierung" verkauft und vermarktet wird, obwohl dieser Begriff ja behauptet, dass homosexuell zu sein in der Natur nicht vorkommt, sondern man sich später erst "orientiere"? Warum wird ein ideologisch besetzter Begriff, der ebenfalls aus der Widernatürlichkeitsecke geschlechtlicher Normabweichungen stammt, wie "Geschlechtsidentität" nicht lauter hinterfragt? Weil es sich nicht um seltsame christliche Gruppen handelt, von denen diese Widernatürlichkeitsthesen verbreitet werden?
Diese Einäugigkeit in der Betrachtung von homo- und transphoben Tendenzen in Deutschland ist schade, denn zu einer Umfassenden Bekämpfung von Homo- und Transsexuellenfeindlichkeit gehört es, einen umfassenden wachen Blick zu haben. Die Fixierung auf Gruppen, die ihre Ablehnung gegenüber geschlechtlichen Normabweichungen offen zur Schau stellen ist das eine, dem aber die Auseinandersetzung mit den nicht so offensichtlichen trans- und homophoben Ansichten - die auch von Teilen der Community getragen wird - folgen muss, wenn man wirklich etwas erreichen will.
Wenn die Sache zu den Kindern interessiert:
www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/028-014.html