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Einzelkommentar zu:
Sind die schwul-lesbischen Medien in Gefahr?


#8 A x e lAnonym
  • 07.12.2012, 20:55h
  • Printmedien haben es zunehmend schwer sich zu finanzieren, obwohl die Journalisten, die von ihrer Arbeit leben müssen, schon teilweise sehr schlecht bezahlt werden (z.B. bei der taz, die obwohl Genossenschaftsprojekt ihre Mitarbeiter weit unter Tarif bezahlt) und dadurch die Betriebskosten gesenkt werden.

    Allerdings hat Qualität ihren Preis und if you pay peanuts, you get monkeys wusste man schon vor Jahrzehnten.

    Dass Lohn-Verzicht der Journalisten die finanzielle Schieflage von Printmedien nicht dauerhaft beseitigen können, zeigen die Beispiele der Frankfurter Rundschau, die kürzlich in die Insolvenz ging und der Financial Times Deutschland, die heute ihr Erscheinen einstellt.

    Bei den deutschen Tageszeitungen finden wir inzwischen überwiegend konzern-gebundene Blätter, deren Redaktionen zusammengelegt wurden und die teilweise nur noch unterschiedliche Lokalteile aufweisen. Von Vielfalt und kritischem Journalismus ist bei den meisten Tageszeitungen aus den Verlagen Springer-Holtzbrinck-DuMont-Burda kaum noch etwas zu spüren (Ausnahme vielleicht derzeit noch die Süddeutsche Zeitung, der vom, inzwischen schwäbischen, Eigentümer so etwas, wie eine Flaggschiff-Funktion und damit ein höheres Budget zugestanden wird).

    Wochenzeitungen, wie DIE ZEIT oder der sehr viel kleinere Freitag (herausgegeben vom Sohn des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein, Jakob Augstein) haben noch eine gewisse Sonderstellung auf dem Zeitungsmarkt. Während DIE ZEIT gut verdient und ihre Auflage steigert (obwohl das Niveau der Artikel stark nachgelassen hat, so meine persönliche Einschätzung!) verpulvert Jakob Augstein seit Jahren sein ererbtes Millionenvermögen mit dem ambitionierten Projekt der Freitag, der einfach viel zu wenig Abonnenten und Käufer findet, um rentabel zu sein.

    ZEIT-Freitag-SPIEGEL haben aber jeweils ein starkes Online-Standbein und SPIEGEL-ONLINE verdient (allein durch Werbung, denn die Online-Lektüre ist kostenlos) sogar richtig Geld.

    Dass z.B. die taz derzeit dazu übergeht ihre Online-Artikel gegen Entgelt anzubieten (noch ist die Bezahlung freiwillig) könnte wohl böse ins Auge gehen

    Und wie sieht es bei den schwul-lesbischen Medien aus?

    Als ich mein Coming-Out hatte, war ich sehr frustriert darüber, dass ich keine wirklich intelligent geschriebenen schwul-lesbischen Print-Medien vorfand, mit denen ich mich identifizieren konnte. him und Du & Ich fand ich dermaßen dilettantisch gemacht, dass es mir peinlich war, sie überhaupt zu lesen - aber was sollte ich machen, ich war 16 Jahre alt und suchte dringend Identifikationsmöglichkeiten, also kaufte ich sie trotzdem.

    Später tauchten dann die werbe-finanzierten Kostenlos-Blätter auf und hier gab es deutliche Qualitätsunterschiede. Während Box u.a. mir - wie schon him und Du & Ich peinlich waren, überzeugte mich die ambitioniert und interessant geschriebene Rosa Zone auf Anhieb. Damals arbeitete ich in einem großen Düsseldorfer Lesben- und Schwulenzentrum (Café Rosa Mond) ehrenamtlich und wir legten monatlich alle Kostenlos-Magazine aus. Die Rosa Zone von Micha Schulze und Christian Scheuß ins Leben gerufen, habe ich immer sofort gelesen, die anderen eher nicht

    Aus der Rosa Zone wurde Queer und hielt das hohe Niveau. Schließlich verlegte sich Queer ganz in den Online-Bereich und mutierte zu Queer.de

    Seit einigen Jahren schreibe ich Blogs und Kommentare in diversen Internet-Portalen, wie ZEIT-ONLINE, der Freitag und TELEPOLIS und ich verlinke dort regelmäßig zu Queer.de-Artikeln, weil sie meist gut recherchiert und geschrieben sind.

    Natürlich habe ich, als Nicht-Journalist, keine Patentlösung für die dauerhafte Finanzierung von schwul-lesbischen Medien, meine aber, dass eine Misch-Finanzierung (Werbung zusammen mit kostenpflichtigen Zusatz-Angeboten und der Subventionierung, finanziert durch weitere Standbeine im Markt - welche auch immer ) wohl der einzige Weg sind, um als ambitioniertes Projekt zu überleben.

    Queer.de wäre sicher von heute auf morgen offline, wenn man sich entschließen würde, die Artikel (wie es die taz gerade testet) kostenpflichtig zu machen. Diese Möglichkeit scheidet also aus. Ich fürchte allerdings auch, wenn charismatische Personen, wie Schulze, Scheuß, Klein, Blech u.a. plötzlich keine Lust mehr hätten, wäre das auch das Ende dieses inzwischen wichtig gewordenen Online-Portals für Schwule und Lesben.

    PS
    Ich habe übrigens schon seit Jahren kein Geld mehr für schwule Magazine, wie Männer ausgegeben und suche mir die entsprechenden Inhalte stattdessen fast immer im Internet. Das wird wohl bei vielen Schwulen und Lesben inzwischen ähnlich sein.
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