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Kommentare zu:
Schwule Stadtmagazine haben sich überlebt


#1 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 14.12.2012, 08:11h
  • Was mich an den BLSJ-Thesen stört, ist lediglich der Umstand, dass sie isoliert dem LGBT-Printangebot zugeordnet worden sind. Aber ohne Online- ist auch Print nicht mehr als Gratis-Produkt denkbar. Anders als mein BLSJ-Vorstand bin ich zudem der festen Überzeugung, das ein werbefinanziertes Angebot durchaus sauberen Journalismus bieten kann und auch tut. Wobei es auch gar kein Problem darstellt, die mit Kunden abgesprochene Inhalte als Werbung- , Anzeige- oder Produktinfo etc. zu kennzeichnen. Selbst Werbung, die als "Advetorials" daherkommt, kann zumindest unterhaltend und informierend aufgemacht sein, so, dass es der Leserschaft gar nicht als unangenehm, aber durchaus als Sponsoring aus der Privatwirtschaft auffällt. Bis auf die queeren Siegessäule, L-Mag, Du & Ich und Queer.de fällt mir momentan keins der lesbisch-schwulen deutschen Medien ein, das hier kreativ und nicht plump daherkommt. Leider wird selbst bei schwulen Magazinen, die gar nicht mal billig am Bahnhof zu kaufen sind, der Trennung von Anzeigen und Redaktion nicht besonders viel Aufmerksam gewidmet. Schlimmer noch, die redaktionellen Teile dürfen dem Anzeigenkunden nicht missfallen. Von daher halte ich den Passus innerhalb der BLSJ-Thesen für überflüssig, der besagt, dass die Verleger über neue Bezahlmodelle nachdenken sollten. Wichtiger, und das sollte deutlich hervorgehoben werden, ist die Frage, ob sie gewissen moralischen Ansprüchen, die ein Verleger meiner Meinung nach folgen muss, gerecht werden. Dass es im schwul-lesbischen Segment schwieriger ist, Qualitätsjournalismus konstant zu liefern, ist natürlich klar. Denn der Markt ist nicht nur kleiner als der "Mainstream", der ja auch noch zusätzlich von LGBTs mitgetragen wird, sondern auch nach wie vor härteren Bedingungen ausgesetzt. Viele Kunden schalten noch immer nicht in Gay-Blättern, oder machen lieber eigene Werbe-Produkte, wo sich dann durch die ganze Reise-Postille hinweg, die am Traumstrand gezeigten Homodarsteller nicht einmal "berühren" (!!!) dürfen. Gern wird da tunlichst das L-Wort vermieden. Ist doch ekelig, oder nicht? Dann vielleicht doch lieber mal die Blu durchblättern - find ich!
    Was es bedarf ist, wie etwa bei der von Lesern unterstützten tageszeitung (taz), ein starke Solidarisierung der LGBT-Mediennutzern mit den Verlegern, die sich für diese zumeist undankbare "Community" trotzdem den Arsch aufreißen, um nicht auf den Guten Willen der Großen angewiesen zu sein. Von daher stimmt selbst Beeses Schlussfolgerung ein wenig, dass es besser ist, als Artikel getarnte Anzeigen zu schlucken als den "Familien- und christlichen Werten" verpflichtenden Massenmedien um ausgewogene Berichterstattung anzuwinseln.
    Ausgedient haben LGBT-Medien aber noch lange nicht. Im Gegenteil: Sie sind notwendig!
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#2 NicoAnonym
  • 14.12.2012, 08:28h
  • Typischer Fall einer selbsterfüllenden Prophezeiung:
    wenn die Magazine schon selbst behaupten, sie hätten sich überlebt, dann glauben das die Leser natürlich. Und in der Folge haben sie sich dann tatsächlich überlebt.

    Hier werden medial Fakten geschaffen, die es sonst gar nicht gäbe.

    Wenn die verschwinden, dann ist das zu 99,9% selbst verschuldet. Da brauchen die gar keine anderen Schuldigen zu suchen.
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#3 reiserobbyEhemaliges Profil
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 A x e lAnonym
  • 14.12.2012, 10:36h
  • Die Medienwelt ist generell stark im Wandel begriffen (eine Wertung, ob es zum Besseren oder zum Schlechteren gehen wird, erspare ich mir) und die schwierige wirtschaftliche Situation von Printmedien ist wohl innerhalb der Branche DAS Thema von Gegenwart und Zukunft.

    Dass alles eine Zeit hat und man die nicht zurückdrehen kann ..., eine Binse.

    Wenn ich mit sehr subjektivem Blick (wie anders kann ein Einzelner die Situation auch beurteilen?) in die "schwul-lesbische Szene" schaue, komme ich zu folgender Einschätzung:

    1.) Schwul-lesbische Zentren (gemeinnützig strukturiert, durch unbezahlte ehrenamtlich tätige Mitarbeiter/innen am Leben gehalten) haben sich überlebt. Nicht nur finden sich kaum noch Ehrenamtler, die bereit und in der Lage sind ggf. neben ihrem Fulltime-Job, sich mehrmals pro Woche die Abende und Nächte um die Ohren zu hauen, um ein Angebot für Schwule und Lesben zu bieten, das als nichtkommerzielles Gegengewicht zur marktwirtschaftlich orientierten Club-, Saunen- und Kneipen-Szene, angenommen würde.

    2.) Vor der wirklichen Akzeptanz und flächendeckenden Verbreitung des Internets, hatten die schwul-lesbischen Stadtmagazine ihre Berechtigung und Funktion (Identifikationsmöglichkeiten, Information über Themen, die in den Mainstreammedien nicht oder nur am Rande behandelt wurden, Veranstaltungshinweise - auch über nichtkommerzielle Events - usw.). Diese Zeit ging zuende, als das Internet nicht nur den Tages- und Wochenzeitungen die Leser/innen abspenstig machte, sondern auch den Szene-Magazinen und werbefinanzierten Kostenlos-Blättchen.

    3.) Wer heute noch, über den kommerziellen Aspekt hinaus, Ambitionen hat für Schwule und Lesben Ínformationen und Szene-Interna anbieten zu wollen, "muss" das im Internet machen (sie sind dort nicht nur aktueller und schneller verfügbar), es ist wohl bald auch das einzige Medium, dass überhaupt noch gelesen wird.

    4.) Problem: Finanzierung. Ich habe dafür keine tragfähigen Vorschläge oder Ideen beizusteuern, denn das Problem, dass hochgezogene Paywalls (wie demnächst bei diversen Tageszeitungen) dazu führen, dass die Angebote dann überhaupt nicht mehr angeklickt und gelesen werden, sehe ich durchaus. Aber ..., ich bin auch weder Herausgeber, noch Journalist, vielleicht muss ich daher gar keine Lösung anbieten können?
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#6 A x e lAnonym
  • 14.12.2012, 10:48h
  • Nachtrag: Im ersten Absatz meines Kommentars, ging der 2. Teil verloren

    Es muss heißen '... Nicht nur ..., die Zielgruppe nimmt diese nichtkommerziellen Angebot auch immer seltener an.'
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#7 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 14.12.2012, 11:13h
  • Plattform ist von Nöten, Solidarität mit LGBT-Mags ist gefragt, ich habe keinen Bock, den Mainstream um ausgewogenen und kritische Berichterstattung anzuwinseln. Nun müssen die LGBT-Verleger es auch leisten. Wer nur auf Kohle schielt, sollte gemieden, die anderen gefördert werden.
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#8 seb1983
  • 14.12.2012, 13:37h
  • Antwort auf #7 von reiserobby
  • Geld muss jeder verdienen. Selbst wenn am Ende Überschüsse an die "Community" gespendet würden (lol) muss das Geld erstmal reinkommen.

    Nun haben wir nicht mehr 1960, sowohl Medienlandschaft als auch Schwule haben sich verändert.
    Die Szene wie auch die schwulen Magazine dagegen kaum. Szeneclubs machen zu, Zeitschriften werden eingestellt. Manches kommt da von außen, vieles von innen.
    So kann ich als Schwuler heute in der Regel auch locker im Hetero Club weggeben und finde schwule Themen in FAZ, Spiegel und Co, gleichzeitig nerven schwule Clubs und Zeitschriften mit unterirdischer Qualität zu überirdischen Preisen. Das machen viele Junge nicht mit die die harten 60er nicht mehr kennen.

    Wer kennt es nicht dass man eine schwule Zeitschrift in der Hand hält und mal wieder denkt: Oh man wie schlecht ist das denn, und dann zu dem Preis, wenn da nicht schwul drauf stünde hätte ich es nie gekauft.

    Früher konnte man Schwulen eben fast alles andrehen, man hat "spezielle" Angebote für sich dankbar aufgesaugt.
    "Die Schwuppen kommen schon von selbst, sonst gibts ja nichts." Die Zeiten sind vorbei.
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#9 chillandAnonym
  • 14.12.2012, 14:32h
  • Antwort auf #7 von reiserobby
  • Kritische Berichterstattung, in schwulen Print-Medien, wohl kaum. Dazu gab es, in den letzten Jahren, immer mehr Werbung. Und die Zeitungen waren uninteressant. Das Verhältnis Info-Werbung passte nicht mehr. Party-Fotos haben mich absolut nicht interessiert und aktuelle Themen standen erst in der folgenden Ausgabe. Das schlimmste Blatt ist "Blu". Langweilige schöne Menschen, von der ersten bis zur letzten Seite. Kritisches gabs kaum. Aber so ist nun mal die Entwicklung. Alle Print-Medien haben es schwer. "Frankfurter Rundschau" , "Financial Times", insolvent. Bei "taz-online" erscheint ein schwarzer Balken, mit der Aufforderung doch bitte zu zahlen. "welt-online" hat auch so etwas angekündigt. Und das sind keine Printmedien. So ist nun mal die Entwicklung. Und Nischen-Produkte triffts zuerst, die noch dazu frei waren. Ich bedauere das nicht. Was mich interessiert, suche ich mir eben jetzt selber. Das einzigste was ich bedaure, das Arbeitsplätzte verloren gehen.
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#10 alexander
  • 14.12.2012, 21:11h
  • [Nur in Berlin ist der Markt groß genug, um ein anzeigenfinanziertes queeres Stadtmagazin erfolgreich zu betreiben]
    DAS WUNDERT MICH JETZT ABER DOCH ?
    angeblich ist doch köln die schwulenmetropole ?
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#11 Axel KaiserAnonym
  • 15.12.2012, 09:44h
  • Als guter Anzeigenkunde wurde ich von dem Anzeigenvertreter der "neuen" Siegessäule darauf hingewiesen, dass man Anzeigen und redaktionelle Beiträge gefälligst zu trennen habe.
    Ich wollte 3 Veranstaltungen mit Anzeigen bewerben. Das wären Anzeigen von ca. 4.500.- gewesen. Die habe ich dann in Flyern und Plakate investiert. Die Veranstaltungen waren ein großer Erfolg, auch wenn sie die Siegessäule nicht mal erwähnt hat!!!
    Axel Kaiser
    Berliner Weihnachtsterrasse
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#12 A x e lAnonym
  • 15.12.2012, 11:30h
  • Baldiges Ende von Print in Sicht?

    '... hat die Zeitung noch eine Zukunft?

    Annika Stenzel: Bestimmt nicht als Print-Produkt. In zehn, fünfzehn Jahren wird die Tageszeitung nur noch im Internet stattfinden. Die gedruckte taz mag als Wochenzeitung funktionieren, mit schönen Hintergrundberichten und dem eigenen Zugang. Aber die Tageszeitung wird vom Internet überholt. Die Leser sterben aus, weil nur noch wenige Leute in meinem Alter Zeitungsabos haben ...'
    Quelle: Medienzukunft: Ich glaube nicht an die Tageszeitung TAZ-Blog 06.12.2012

    blogs.taz.de/hausblog/2012/12/06/medienzukunft-ich-glaube-ni
    cht-an-die-tageszeitung/
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#13 A x e lAnonym
  • 15.12.2012, 11:47h
  • Antwort auf #11 von Axel Kaiser
  • Und was hat Sie gehindert bei der 'Siegessäule' Anzeigen zu schalten, anstatt die Leser mit gekauften Lobhudeleien, die als Redaktionsartikel maskiert sind, zu täuschen?

    Wer sich, als Presse-Erzeugnis auf PR-Artikel einlässt, die nicht als solche kenntlich gemacht werden (z.B. mit dem deutlichen Hinweis "Anzeige" oder "Promotion"), verliert sofort seine Glaubwürdigkeit, als seriöses Blatt, weil jede/r ihm zu recht gekauften Journalismus vorwerfen kann.

    Wenn ich Werbung vor mir habe, will ich, dass mit offenen Karten gespielt wird, damit ich selbst entscheiden kann, ob ich es lese oder nicht.

    Haben Sie das noch immer nicht kapiert, Sie "guter Anzeigenkunde"? Vielleicht sollte mal zum Boykott Ihrer Veranstaltungen aufgerufen werden?
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#14 herve64Ehemaliges Profil
  • 16.12.2012, 12:54h
  • Antwort auf #2 von Nico
  • Also, das ist wirklich Quatsch, denn dass sich die kostenlosen Szenemagazine überlebt haben, ist eigentlich im Grunde genommen beeits eine Meldung von gestern.

    Fakt ist nun mal, dass ich als potenzieller Leser nun mal ungern eine Publikation mit nach Hause nehme, deren Informationsgehalt dürftigst bis inhaltslos ist und zudem quantitativ zu mager im Gegensatz zu einem überdimensional aufgeblähtem Werbeumfeld, der alles erschlägt.

    Dass sich im Laufe der Zeit Altpapier in der Wohnung ansammelt, ist leider unvermeidlich. Und gerade deswegen muss ich dieses Phänomen nicht noch künstlich schüren, in dem ich mir derartige Publikationen mit nach Hause nehme.
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#15 Alte TunteAnonym
  • 17.12.2012, 04:28h
  • Antwort auf #12 von A x e l
  • Stimmt!

    Das Fernsehen wird dem Kino keine Chance lassen - spätestens zirka 1985, 1990 wird es verschwunden sein.

    Die CD bedeutet das Aus der Vinylplatte - bis etwa 1995.

    Digitale Photographie führt zum Ende der analogen Photographie - zirka 2005.

    Angesichts der schönen neuen Energiesparlampen wird natürlich niemand Glühbirnen weiterbenutzen (und zu diesem Zweck horten).

    Und so weiter.
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#16 Alte TunteAnonym
  • 17.12.2012, 04:38h
  • Wenn diese Reklameheftchen mit angemessen belanglosen Partybildern verschwinden, wird das vielen unschuldigen Bäumen das Leben retten!
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#17 schwarzerkaterEhemaliges Profil
  • 21.12.2012, 09:11h
  • werbung in den stadtmagazinen hat mich NIE gestört, finde sogar, dass viel mehr aus der gay community dort hätten inserieren sollen.

    aber wenn in den tagestipps nur noch eine (redaktionelle) auswahl an veranstaltungen aufgelistet wurde, dann war das für mich der hauptgrund, kein stadmagazin mehr mitzunehmen und zu lesen.
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