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Vorentscheid zum ESC
Schweiz schickt Heilsarmee nach Malmö
- 16. Dezember 2012 3 Min.

Die Heilsarmee kurz nach der Bekanntgabe ihres Sieges
Die Kritik von Schwulen- und Lesbenorganisationen hat nicht geholfen: Am Samstag konnte die Heilsarmee den Schweizer Vorentscheid für den Eurovision Song Contest für sich gewinnen.
Eine für den Contest zusammengestellte Band aus sechs Heilsarmeemitgliedern im Alter zwischen 20 und 94 Jahren kam auf 37,5 Prozent der Zuschauerstimmen, die zweitplatzierte Band Carrousel erhielt nur 17,3 Prozent.
Im Vorfeld hatten sich einige Homo-Organisationen kritisch über die Teilnahme der christlich-protestantischen Freikirche geäußert (queer.de berichtete). "Solange sich die Vereinigung nicht klar von homophobem Gedankengut distanziert, ist die Teilnahme am ESC nicht zu unterstützen", sagte etwa Beat Stephan, Chefredakteur des Schwulenmagazins "Display".
Kritik von Hella von Sinnen

Wie modern ist die Heilsarmee? Emil Ramsauer, Spötter nennen ihn auch Professor Farnsworth, übertrumpft mit seinen 94 Jahren jedenfalls die russischen Omis aus Baku und wird der älteste ESC-Teilnehmer aller Zeiten werden.
Die Heilsarmee hatte erst im Mai für Schlagzeilen gesorgt, als die Leiterin einer Zürcher Behinderteneinrichtung entlassen wurde, weil ihre Homosexualität bekannt wurde. Heilsarmee-Sprecher Martin Künzi hatte damals die Entlassung mit "biblischen Grundsätzen" verteidigt, die Führungskräfte mittragen müssten. Zugleich betonte er: "Wir wollen (…) die Schweiz vertreten, wie sie ist – und dazu gehören auch die Homosexuellen."
Nach der Sendung kritisierte auch die deutsche Entertainerin Hella von Sinnen die Homophobie der Heilsarmee: Schwule und Lesben seien die wahren und eingefleischten Fans des Eurovision Song Contests und würden kaum für die Heilsarmee voten, da deren Ansichten zur Homosexualität sie vor den Kopf stoßen würden. Von Sinnen war Teil der internationalen Jury, sagte während der Show zu dem Lied aber nur, das sei "das beste, was ich je von der Heilsarmee gehört habe". Der ESC könne Länder und Generationen verbinden.
Teilnehmer von 18 bis 94 Jahren
Mit der Heilsarmee sind bislang vier Teilnehmer des ESC in Malmö im nächsten Mai bekannt. Am Sonntag wählte Belgien in einer Radiosshow aus, mit welchem Song der italienischstämmige Roberto Bellarosa in Malmö antreten wird. Der 18-Jährige hatte zuvor die belgische Version von "The Voice" gewonnen. Für die Niederlande tritt die Sängerin Anouk an, ihr Song ist noch unbekannt.
Vor rund einer Woche hatte bereits Weißrussland die Wahl und sich für die Sängerin Alyona Lanskaya mit "Rhythm of love" entschieden. Ihre Teilnahme ist ohne Gewähr: Lanskaya hatte bereits letztes Jahr den Vorentscheid gewonnen, wurde damals aber von Weißrusslands Diktator Alexander Lukaschenko nachträglich wegen einer angeblichen Fälschung des Televotings disqualifiziert.
In den nächsten Monaten entscheiden noch die übrigen Länder, wen sie nach Malmö senden – Deutschland in einer einzigen Show im Februar (queer.de berichtete). Ansonsten machte der Grand Prix in den letzten Tagen vor allem durch einen neuen Vorspann und sehr vielen Absagen von sich reden: Die Türkei, Portugal, Bosnien-Herzegowina und die Slowakei setzen nach Baku aus, Polen tritt zum zweiten Mal in Folge nicht an. Nach derzeitigem Stand sind 38 in Schweden dabei. (nb)













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