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STI-Check
Der Hintern steht im Mittelpunkt
- 17. Dezember 2012 3 Min.

Pracht-Popo von außen, aber ist auch im Inneren alles ok? (Bild: Wiki Commons / Hans002 / CC-BY-SA-3.0)
Welchen Einfluss haben sexuell übertragbare Infektionen neben HIV? Die neueste Ausgabe des "HIV-Reports" der DAH fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen.
Von Christian Scheuß
Es ist bereits beschlossene Sache: 2013 wird über das Präventionsprojekt "IWWIT" ein neuer Aufruf zu Testwochen gestartet. Des schwulen Mannes liebste (oder – je nach Vorliebe – zweitliebste) erogene Zone soll auf den Prüfstand. Im Medizinerdeutsch: Es werden rektale Untersuchungen per Abstrich angeboten, um unentdeckte Gonokokken- und Chlamydieninfektionen aufzuspüren. Auch für sexuell aktive HIV-positive Männer macht der Check Sinn, da sie so sicher sein können, keine weiteren Belastungen für das Immunsystem mit sich zu tragen. Und um sorgenfrei die "Viruslastmethode" als Safer Sex-Strategie mit ihrem Partner anwenden zu können.
Der Hintergrund: Rektale Gonokokken- und Chlamydieninfektionen scheinen den Studien zufolge bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), neben der Syphilis das höchste Risiko einer Übertragung von HIV darzustellen. Die durch die sexuell übertragbaren Infektion (STI) entstehenden Entzündungen schädigen die Schleimhäute und öffnen so ein Tor für HI-Viren. Während man aber beispielsweise eine akute Syphilisinfektion mit Symptomen am Schwanz gut erkennen kann durch die typische rot entzündete Stelle, merkt man in vielen Fällen nichts von der Infektion im Enddarm.
Die Infektionen im Hintern sind fies: die sieht und spürt man nicht.

Empfehlung für Michelangelos David: Regelmäßig Abstauben. Für den schwulen Po gilt: Regelmäßig Abstrich. (Bild: Rizla+ / flickr / by 2.0)
Der Check auf eventuell vorhandene STIs auch bei HIV-Positiven, die noch keine antiretrovirale Therapie benötigen, ist sinnvoll, weil die entzündlichen Infektionen Einfluss auf die Viruslast haben. Im HIV-Report heißt es dazu: "Die Menge an freien Viren korreliert einigermaßen gut mit der Virusmenge im Blutserum und ist z. B. im Sperma in der Regel ca. zehnmal geringer als die Virusmenge im Blutserum. Die Menge an mit HIV infizierten Immunzellen hingegen steigt vor allem durch entzündliche STIs an."
Das Risiko der Übertragung beim Sex steigt. Das Immunsystem, dass sich üblicherweise eine Weile erfolgreich gegen das HI-Virus stemmen kann, hat mit der anderen STI zusätzlich zu tun, das kann die Zerstörung der Helferzellen-Front beschleunigen. Bei HIV-Positiven mit funktionierender Therapie dagegen scheinen die jüngeren Forschungsergebnisse Entwarnung zu geben. Der Einfluss anderer STIs ist doch nicht so groß wie bislang angenommen.
In der großen EMIS-Studie (European MSM Internet Survey) wurden 2010 europaweit 180.000 schwule und andere MSM per Internet über ihr Sexualverhalten, ihren HIV-Status, ihr Testverhalten, die Testangebote und über frühere STIs befragt. Eine Erkenntnis daraus: In Deutschland wird bei schwulen Männern viel zu selten eine umfassende Untersuchung auf STIs durchgeführt. Selbst HIV-Schwerpunktärzte haben die analen Abstrich-Untersuchungen nicht auf dem Schirm, obwohl sie in den Behandlungs-Leitlinien für sexuell aktive schwule Männer empfohlen werden. Einmal im Jahr sollten die Hosen dafür runtergelassen werden.
Der "HIV Report" rollt das hier nur kurz angerissene Thema in aller Ausführlichkeit mit Grafiken und Nennung der Studienquellen im Detail auf. Das PDF gibt es als Download (Link unten).
Dieser Artikel wurde inhaltlich frei von einem queer.de-Autoren verfasst. Der Themenkanal "Gesundheit HIV+" wird durch Unterstützung von "GILEAD Sciences GmbH" ermöglicht.
Links zum Thema:
» Website HIVReport














