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In den USA gab es immer wieder Proteste von Homo-Aktivisten gegen die Heilsarmee, etwa mit gefälschten Geldscheinen, die in die Spendenboxen geworfen wurden.

  • 18. Dezember 2012 16 3 Min.

Nach einem Hinweis der EBU darf die Band nicht unter dem Namen Heilsarmee und nicht in Uniform in Malmö auftreten. Die Freikirche will nun eine kreative Lösung mit dem Schweizer Fernsehen suchen, eine Teilnahme bleibt aber offen.

"Heilsarmee-Debakel: Sind wir zu doof für Eurovision?" So fragte das Boulevardblatt "Blick" am Dienstag seine Leser. Anlass war eine Entscheidung des Senders vom Montag, dass eine aus Mitgliedern der Heilsarmee formierte Band nicht unter dem Namen der Freikirche und nicht in Uniform beim Eurovision Song Contest in Malmö antreten darf.

Erst am Samstag hatte sich die Band, bestehend aus sechs Heilsarmeemitgliedern im Alter zwischen 20 und 94 Jahren, beim Televoting des Schweizer Fernsehens klar durchgesetzt (queer.de berichtete) – trotz erheblicher Kritik von Homoorganisationen vorab.

Bereits am Sonntag gab es aber wilde Diskussionen in Eurovison-Blogs, ob der Grand-Prix-Ausrichter, die European Broadcasting Union, die Heilsarmee bei der Abnahme aller Beiträge im nächsten Frühjahr nicht disqualifizieren müsse. Denn die ESC-Regeln besagen, dass politische oder werbende Beiträge verboten sind.

Bislang keine Entscheidung über Teilnahme


Die Heilsarmee nach dem Vorentscheid am Samstag (Bild: SRF / Nikkol Rot)

Ein EBU-Sprecher hatte am Sonntag zunächst geäußert, dass sich der Song im "Graubereich" bewege. Am Montag ließ die EBU dann auf Anfrage des Schweizer Fernsehens wissen: "Der Song 'You and Me' entspricht dem Reglement der EBU. Trotzdem ist es klar, dass aus Sicht der EBU ein Auftritt in Malmö nur möglich sein wird, wenn die Band nicht in der offiziellen Uniform der Heilsarmee auftritt. Außerdem darf der Song nicht unter dem Namen 'Heilsarmee' eingereicht werden."

Die Heilsarmee gab daraufhin an, sie wolle am Dienstag entscheiden, ob sie "unter diesen Umständen an der Teilnahme am 'Eurovision Song Contest' 2013 in Malmö festhält". Am Dienstag entschied sie dann, zunächst mit dem Schweizer Fernsehen nach einer "kreativen Lösung" zu suchen. "Wir freuen uns, zusammen mit der Heilsarmee weiterhin am ESC-Projekt arbeiten zu können", sagte dazu ein Sprecher des TV-Senders.

Eine endgültige Entscheidung der Heilsarmee zur Teilnahme ist aber noch nicht gefallen. "Müsste die Heilsarmee den heute bekannten Auflagen vollumfänglich entsprechen, würde sie von einem Auftritt in Malmö absehen", heißt es trotzig auf der Webseite der evangelikalen Kirche.

Düpiert ist vor allem das Schweizer Fernsehen. Hätte es die EBU-Regeln nicht vorher berücksichtigen müssen? Sollte die Heilsarmee verzichten, gibt es zudem keine Regeln, wer stattdessen antritt – die Zweitplatzierten aus der Sendung, die Band Caroussel, ist es nicht automatisch. Die Heilsarmee hat zudem nie verheimlicht, dass ihr Antritt beim ESC vor allem auch für die Heilsarmee selbst werben sollte. So brüstete sich der von Heilsarmee angeheuerte Werbefachmann Matthias Freuler in Interviews mehrfach, auf die Idee einer Teilnahme beim ESC gekommen zu sein, um mit einem geringen Werbebudget große Aufmerksamkeit zu erzielen.

Homophobe Handlungen weltweit


In Neuseeland hatte die Heilsarmee 1986 gegen eine Abschaffung eines Paragrafens demonstriert, der homosexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte. Es kam zu Handgreiflichkeiten mit Homo-Aktivisten.

Auch die Kritik, gerade einer homophoben Kirche die Werbung zu ermöglichen, reißt nicht ab. Erst im Mai hatte die Schweizer Heilsarmee eine lesbische Kindergärtnerin entlassen und zukünftige entsprechende Kündigungen bei Angestellten nicht ausgeschlossen.

Auch im Ausland wurde die Heilsarmee auffällig. In den USA wurden Kirchenbücher bekannt, in denen Homosexualität als "inakzeptabler Drang" bezeichnet wurde. Schwulen und Lesben wurde zudem ein zölibatärer Lebensstil empfohlen. In New York drohte die Kirche vor acht Jahren mit einer Beendigung von sozialen Aktivitäten, sollte sie keine Ausnahme von einem Gesetz bekommen, dass Firmen zu Versorgungsleistungen für die gleich­geschlechtlichen Partner von Angestellten zwingen sollte.

Im Ursprungsland Großbritannien sprach sich die Kirche öffentlich gegen die Abschaffung von Section 28 aus, dem damaligen "Homo-Propaganda"-Verbot der Thatcher-Regierung. In Australien sorgte in diesem Jahr ein Sprecher der Kirche in einer Radiosendung für einen Skandal, als er erklärte, dass nicht enthaltsame Schwule den Tod verdienten. Die Kirche entschuldigte sich später dafür, ließ den Mitarbeiter aber im Amt. (nb)

-w-

#1 Thorsten1
  • 18.12.2012, 18:01hBerlin
  • Jetzt schon hat die Heilsarmee in Mitteleuropa das erreicht, was sie wollte - ins Gespräch kommen.
    In nicht-protestantischen Ländern bringt eine Teilnahme an der Eurovision sowieso nichts, weil dort keiner weiss, was die Heilsarmee ist und deshalb sowieso nicht gespendet wird. Und nur darauf kommt es dieser Freikirche an.
    Also: Ziel erreicht!
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 18.12.2012, 19:37h
  • Die Schweizer Organisatoren des Vorentscheides hätten die Heilsarmee gar nicht erst als Kandidat auswählen dürfen! Nun bin ich gespannt, wie das Tauziehen um den Schweizer Teilnehmer ausgeht.

    Nebenbei bemerkt: Bosnien-Herzegowina und die Türkei haben ihre Teilnahme leider doch abgesagt!
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#3 hypathia
  • 18.12.2012, 20:46h
  • Wie ist das dann mit den Priestern, die für Deutschland antreten wollen?
    Die werben ja auch für den homophoben Katholenverein. Und dürfen die dann in ihren Kleidchen auftreten?
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