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Guido Rodheudt war kürzlich auf der Flucht vor Spiegel TV. Nun will er juristisch seinen Namen verteidigen.
Bild: Screenshot Spiegel TV

Ein Priester aus dem Bistum Aachen sieht sich wegen der Kampagne gegen kreuz.net verleumdet – und greift den Koordinator der Aktion wegen dessen Homosexualität an.

Von Norbert Blech

Der Koordinator der Kampagne "Stoppt kreuz.net", der Theologe David Berger, ist von einem römisch-katholischen Priester aus dem Bistum Aachen wegen "Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung" angezeigt worden.

Der Name von Guido Rodheudt war in den letzten Wochen immer wieder im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Kampf gegen das inzwischen aus dem Netz genommene Portal genannt worden. Der Pfarrer von der Gemeinde St. Gertrud in Herzogenrath, der auf kreuz.net häufig gelobt wurde, ist Gründer des erzkonservativen Netzwerks katholischer Priester und dort weiterhin aktiv – anders als sein Kollege Hendrick Jolie, der nach Berichten über seine Kontakte zu kreuz.net sein Sprecheramt aufgegeben hatte (queer.de berichtete).

Rodheudt war Teilnehmer und mit seiner Gemeinde auch Mitveranstalter der "Kölner Liturgischen Tagungen", die als Treffpunkt und Schnittstelle vieler kreuz.net-Autoren gelten. Er hat über diese Treffen sowie unter anderem über Kirchenmusikvereinigungen Kontakte zu Gabriel Steinschulte, der von Spiegel TV bereits als möglicher "Drahtzieher" des Portals befragt wurde und verschiedenen Initiativen als einer der bekannten Hauptverdächtigen gilt, sowie zu einem weiteren Kirchenmusiker aus Aachen, der laut Insidern unter dem Pseudonym "Sulpicius" homophobe Kommentare bei kreuz.net geschrieben haben könnte. Beide Personen streiten eine Mitarbeit bei dem Portal ab.

Auch Rodheudt hatte immer wieder eine Verbindung zu kreuz.net abgestritten, auch für das Priesternetzwerk. Das Portal, von dem man sich distanziere, habe höchstens ungefragt Texte übernommen. Zuletzt tauchte aber ein Video auf, das einen kreuz.net-Ticker auf der Webseite des Priesternetzwerks zeigt.

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Berger über Rodheudt


Der katholische Priester Hendrick Jolie aus Darmstadt gab beireits seine Aufgaben beim Netzwerk katholischer Priester auf

In einem Interview mit der "Aachener Zeitung" sagte Berger am Samstag, dass er Rodheudt die Distanzierung von kreuz.net nicht glaube, "weil wir 2009 eine heftige Auseinandersetzung wegen kreuz.net hatten. (…) Er weigerte sich strikt, den kreuz.net-Liveticker von der Netzwerk-Homepage zu entfernen. Rodheudt schrieb mir, dass er die Seite schätze, weil die 'Verbreitung vieler wichtiger Kritikmomente ungebremst an den Leser gebracht wird'."

Das Entfernen des Tickers sei "erst auf massiven Druck von Mitbrüdern geschehen", so Berger. "Ich glaube, er distanziert sich nur deshalb jetzt so klar von kreuz.net, weil es sonst für ihn gefährlich werden könnte. Bis vor wenigen Monaten hat er sich nicht distanziert und über lange Zeit die Seite als willkommenes Instrument gesehen, um seine Ideologie unters Volk zu bringen."

Rodheudt habe "eine enge Verbindung zu Jolie, der wiederum eine Verbindung zu kreuz.net hat", so Berger weiter. "Interessant ist, dass die Homepage nur wenige Stunden nach dem Ende der von Rodheudt organisierten Liturgischen Tagung in Herzogenrath offline gegangen ist. Ich bin davon überzeugt, dass dort über kreuz.net gesprochen und das Signal an die Verantwortlichen gesendet wurde, dass sie den Bogen überspannt haben."

Rodheudt über Berger

Mit diesem Interview habe Berger, "nach vielfältigen ungedeckten Anschuldigungen in überörtlichen Medien", Rodheutds Reputation als Priester schweren Schaden zugefügt, schreibt der Kirchenmann in seiner Strafanzeige. "Ich empfinde mich als Teil einer Kampagne, die Herr Dr. Berger in eigenem Interesse führt, weil er als praktizierender Homo­sexueller und damit als jemand, der sich offen gegen den moralischen Normenkatalog der katholischen Kirche stellt, keine offizielle Stellung in der Kirche mehr bekleiden kann."

Berger greife zu "unlauteren Mitteln" und stelle "unschuldige Menschen – u.a. auch mich – öffentlich unter Tatverdacht, ohne dies mit Fakten belegen zu können", so Rodheudt. "Ich bin aber weder unmittelbar noch mittelbar ursächlich für den beruflichen Niedergang des Dr. Berger verantwortlich, noch stammen die christlichen Moralgesetze, an denen er gescheitert ist, von mir, ungeachtet dessen, daß ich sie als katholischer Priester vertrete."

Gegen Rodheudt, der in der Strafanzeige kreuz.net mit keinem Wort erwähnt, wird derzeit im Zusammenhang mit dem Portal nicht strafrechtlich ermittelt. In einem vor einigen Wochen erstellten Dossier einer Aktion gegen kreuz.net zu den Hintermännern des Portals werden die Liturgischen Tagungen, Rodheudt und Jolie sowie ihr Netzwerk katholischer Priester erwähnt. Dort heißt es zugleich, es sei "glaubhaft", "dass sich die betreffenden Priester von der Website distanzieren" und die Hintermänner nicht kennen würden – einzelne Priester könnten sich aber immerhin an der Webseite und ihren Ausdrucksweisen "ergötzen". In einer Zusammenfassung der wichtigsten Verdächtigen werden Rodheudt und Jolie nicht erwähnt.

Zunehmend Angriffe auf Berger


Der Theologe David Berger outete sich 2010 als schwul

Inwieweit Rodheudt wirklich bei kreuz.net involviert war, bleibt zunächst offen. Auffällig ist aber die Gegenwehr, Berger als Abtrünnigen und Homo­sexuellen zu bezeichnen. Allgemein nimmt, anstelle einer Berichterstattung zu kreuz.net, auf katholischen Websites die persönliche Kritik an Berger und an Homo­sexuellen zu. So finden sich auf dem Portal kath.net zunehmend homophobe Leserkommentare, einige unter Pseudonymen, die vorher bei kreuz.net genutzt wurden.

Auf kath.net hat sich auch der freie Journalist Alexander Kissler (u.a. "Cicero", "Zeit", "Christ und Welt") auf Berger eingeschossen. Der 43-Jährige, der neben "Spiegel"-Kulturchef Matthias Matussek selbst an der diesjährigen "Kölner Liturgischen Tagung" in Herzogenrath teilnahm, im "Focus" die CDU-Politikerin Katherina Reiche gegen einen Shitstorm von Homo­sexuellen verteidigte und Bisexuellen, Intersexuellen und Transgendern schon einmal attestierte, die "eigene Sexualität als so problematisch" zu empfinden, dass man daraus gesellschaftliche Forderungen ableite, kritisierte Berger etwa für einen "Ein-Mann-Feldzug gegen das Milieu, dem er entstammt".

Berger sei ein "Renegat", der "wütend, blind und mit einer großen Dosis Vernichtungsenergie" streite, so Kissler. Der Theologe kämpfe "den Kampf seines Lebens gegen das eigene Vorleben. Es ist ein öffentlicher Exorzismus am Selbst." Im "verdienstvollen Kampf gegen kreuz.net" schieße Berger über das Ziel hinaus, schrieb Kissler wenige Tage zuvor auf "The European", als er den Papst gegen den Vorwurf der Homophobie verteidigte: Dessen Reden zu Ehe und Familie seien "von der Meinungsfreiheit gedeckte familienpolitische Hinweise, Befürchtungen, Sorgen".

Ein Düsseldorfer Kirchenhistoriker (und Ufologe), der den Papst mehrfach auf Reisen begleitete und in kirchlichen Medien oft zu Wort kommt, hat in einer publik gewordenen E-Mail geschrieben, dass "einiges in Sachen Berger geplant" sei. "Wenn er weiter gegen die Kirche hetzt und engagierte Priester diffamiert, muss man sich irgendwann einmal wehren." Der Mann hatte zuvor schon verlauten lassen, dass die wahren kreuz.net-Macher "David Bergers Genossen" seien, "die alles daran setzen, der Kirche zu schaden – und natürlich durch sein 'Outing' Berger zu Publicity, ja zum Märtyrerstatus verholfen haben".

Strafanzeige auch aus Dorsten

Am Sonntag hatte bereits ein anderer "Priester" Strafanzeige gegen Berger gestellt: Der sedisvakantistische Pater Rolf Hermann Lingen, dessen teils homophobe Texte auch auf kreuz.net verbreitet wurden, sah in dem queer.de-Artikel Deutscher "Priester" fordert Verbot der Homosexualität "Verleumdung, Volks­verhetzung etc." und zeigte das Portal, den Autor des Textes, der auch diesen Artikel verfasst hat, und Berger an – letzteren wegen des Zitats, wonach Lingen "auf weiten Strecken die Positionen von kreuz.net, besonders Antisemitismus und neurotischen Schwulenhass", vertrete (queer.de berichtete).

In der auch auf Youtube in einer von ihm vorlegelesenen Fassung verbreiteten Strafanzeige kritisiert Lingen, eine Neurose sei eine "psychische oder psychosoziale Persönlichkeitsstörung". Dabei sei "mehrfach und endgültig festgestellt" worden, dass bei ihm keine Persönlichkeitsstörung vorliege. In einer neuen Pressemitteilung (Youtube) stellte Lingen nun klar, dass hingegen Homosexualität eine "schlimme Persönlichkeitsstörung" sei.

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#1 alexander
  • 20.12.2012, 20:45h
  • das war ja zu erwarten ! langsam formieren sich die SCHWEINEPRIESTER !!!
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#2 Thorsten1
  • 20.12.2012, 21:00hBerlin
  • Man kann David Berger nur raten, vorsichtig zu sein. In der Geschichte der katholischen Kirche gab es immer mal wieder Leichen im Keller. Die "Heilige Inquisition" lebt!
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#3 Johannes1989
  • 20.12.2012, 21:13hBonn
  • Die Debatte zeigt schön: wenn einem die Argumente ausgehen oder man nie welche hatte, dann wird man persönlich. Mir ist die traditionalistische Phase Bergers auch unsympathisch, aber was sagt das über die Fakten (Liveticker, Notwendigkeit des Kampfs gegen kreuznet usw.) aus? Für Kissler, Rodheudt und Co scheint es so unerklärlich zu sein, dass man sich gegen kreuznet und den Hass-Sumpf, aus dem dieses sich nährte, engagiert - dass man das Pychologisieren anfängt. Und worauf kommt man: Persönlichkeitsstörung durch Homosexualität. Ich frage mich nur, bei wem diese in der Kontroverse wirklich vorliegt
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