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Einzelkommentar zu:
Raus aus der Betroffenheitsnische!


#3 A x e lAnonym
  • 21.12.2012, 09:52h
  • Liebe Gudrun Fertig,

    mit Ihren Ausführungen stimme ich weitgehend überein, bitte Sie aber folgende Ihrer Aussagen noch einmal zu überdenken: Diese sind nicht rund um die Uhr schwul oder lesbisch

    Oh, doch Gudrun, das sind sie, weil die sexuelle Identität/Orientierung/Ausrichtung nämlich ein ganz wesentlicher Bestandteil der eigenen Persönlichkeit ist, den man nicht ablegt Überanpassung an den heterosexuellen Mainstream bedeutet sich selbst bis zur Unkenntlichkeit zu verleugnen und solche JournalistInnen braucht niemand, schon gar nicht die schwul-lesbische Community, denn bei geschätzten 99,9 % heteronormativ ausgerichteten Medien besteht für solche neutralen Schreiberlinge keinerlei Bedarf (sie gibt es ja längst zur Genüge) und deren unbetroffene Berichterstattung kann ich mir überall zu Gemüte führen.

    Was ich damit sagen will?
    Es ist gerade die Chance schwul-lesbischer Medien, dass Sie schwul-lesbische Themen eben nicht aus der abgehobenen Warte der Heteros betrachten und beschreiben (etwa so: lustig, diese exotischen schwulen und lesbischen Vögel, über die schreiben wir jetzt mal was, das hat für unsere heterosexuellen LeserInnen immer den Reiz des Fremdartigen und interessiert daher), sondern wissen wie es sich anfühlt, seiner elementaren Menschen- und Bürgerrechte beraubt zu sein, um Selbstverständlichkeiten kämpfen zu müssen und zu wissen, dass z.B. in Russland Schwule und Lesben ins Gefängnis kommen können, wenn sie Homopropaganda betreiben, also sich lediglich ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung bedienen.

    Und ich meine damit auch schwule und lesbische JournalistInnen, die es interessierter beobachten (als ihre nicht betroffenen heterosexuellen KollegInnen) und darüber berichten, dass es in derzeit wohl 7 Ländern noch immer die Todesstrafe für Homosexualität gibt (ja ich weiß, das betrifft fast nur männliche Homosexuelle, weil man Lesben dort gar nicht ernst nimmt, Stichwort: Korrekturvergewaltigungen in Südafrika und Frauen in solchen Ländern generell sogar eine eigene Sexualität abspricht. Aber hier erwarte ich Solidarität auch von Lesben gegenüber Schwulen, genauso wie ich als schwuler Mann schon immer solidarisch für Lesben eintrete!)

    Na klar, sind auch die nicht auf den ersten Blick als schwule oder lesbische Themen erkennbaren Inhalte es Wert in unseren Medien behandelt zu werden. Wenn das allerdings im Stil von Financial Times oder FAZ geschieht, wird die Berichterstattung so beliebig, dass ich es auch woanders nachlesen könnte, dafür brauche ich keine schwul-lesbischen Medien.

    Sie schreiben außerdem vom Betroffenheitsjournalismus der 80er und übernehmen damit, wie ich finde - vielleicht ohne es zu bemerken - genau die Abwiegelungstaktiken und Schein- Argumente unserer Gegner (die sich in rechten, rechtsextremen und klerikalen Kreisen zunehmend formieren), die auch immer behaupten: Was wollen die denn, die sind doch gleichberechtigt, uns geht dieses ewige Gejammere auf die Nerven (solche Formulierungen sind regelmäßig zu finden im FOCUS und weiteren rechts orientierten Blättern).

    Wie, gesagt ich stimme Ihnen weitgehend zu, diese obigen Passagen allerdings halte ich für völlig unreflektiert und daneben. Vielleicht antworten Sie gelegentlich und sagen mir, dass ich mich irre?

    Gruß
    A x e l
    (kein Journalist und auch nicht in der Medienbranche tätig, nur ein offen schwuler, politisch und sozial engagierter, Mann, der sich interessiert zeigt)

    PS
    An der Titelbezeichnung Du & ich festzuhalten, finde ich problematisch, weil z.B. ich damit immer noch ein einst unsägliches Machwerk assoziiere, das ich freiwillig niemals wieder kaufen würde. Warum trennt man sich nicht von einem Namen, der keinerlei Vorteile bietet, da er ausschließlich negativ besetzt ist? Auf Markentreue zu verweisen, hieße hier doch nur ungewollt eine Leserschaft anzusprechen, die gar nicht an den neuen? Inhalten des Blattes interessiert ist (und sich deshalb schon nach ein bis zwei Ausgaben enttäuscht abwendet), weil sie weiterhin nur seichte Artikelchen und nette, stimulierende Fotos (Soft-Pornos) konsumieren will.
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