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Kommentare zu:
Bist du cut oder uncut?


#41 verqueertProfil
  • 05.01.2013, 13:32hHannover
  • Antwort auf #37 von Patch
  • "Das Kölner Gericht hat auf Grund der deutschen Rechtslage ein Urteil gefällt. Die deutsche Rechtslage wurde nun dahingehend "angepasst", es wurde diese Rechtslücke geschlossen. Der gleiche Richter würde nun heute ein anderes Urteil fällen (müssen). "

    Das stimmt ja eben nicht. Wie ich mit dem Tagesspiegel-Link deutlich gemacht habe, hat das gericht, die Veröffentlichung entgegen aller Gewohnheiten und Vereinbaren mit höheren gerichten solange verschleppt, bis das Urteil rechtskräftig war. An dieser Stelle hätte aber eine höhere Staatsanwaltschaft kritisch prüfen müssen, wie das bei allen beispielsweise die Releigion betreffenden Urteile üblich ist, sie wurden aber entgegen allen Gepflogenheiten - und daher mit Absicht - nicht informiert, ansonsten wäre das urteil mit hoher Wahrscheinlichkeit von der nächsten Ebene gekippt worden und es hätte nie eines neuen Gesetzes bedurft. Mit diesem Hintergrund bekommt das Urteil einen deutlich anderen Geschmack, als hier allgemein suggeriert wird. Desahlb - einfach mal den tagesspiegel-Artikel lesen!
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#42 Lupo__Profil
  • 05.01.2013, 13:34hBielefeld
  • Der Autor liefert praktisch keine Argumente dafür (abgesehen vom etwas höheren Risiko des Harnweginfektes bei Säuglingen, wobei sich dieser Infekt gut mit Antibiotika behandeln läßt), warum ein Säugling/nicht einwilligungsfähiges Kind beschnitten werden soll bzw. warum diese Beschneidung so früh, im Extremfall am 7. Tag nach der Geburt erfolgen soll.

    Ebenso sehe ich keinerlei Abwägung, daß der Säugling bzw. das Kleinkind laut Grundgesetz ein Recht auf körperliche Unversehrtheit hat, und das betrifft ja auch die Vorhaut.

    Hinzu kommt noch ein Verhätscheln der betroffenen Religionsgemeinschaften, mit denen man doch bitte "vorsichtig" umgehen soll, da diese ja offenbar über unsere Verfassung erhoben sind.
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#43 ZeitfensterAnonym
  • 05.01.2013, 13:48h
  • Antwort auf #24 von Kein Arier
  • Interessante Betrachtung. Ich habe mir diese Frage auch gestellt, weil es doch sehr ausffällig ist. Seit Anfang der 1960er Jahre gibt es türkische Gastarbeiter in der Bundesrepublik. Mit den Arbeitern kamen auch ihre Familien. Gut ein halbes Jahrhundert hat es uns nicht die Bohne interessiert, ob die männlichen Kinder in diesen muslimischen Familien beschnitten werden oder nicht. Es hat in der (deutschen) Öffentlichkeit überhaupt keine Rolle gespielt, und ich könnte mich auch nicht daran erinnern, jemals vorher den Hauch einer Debatte um das Thema in einer breiten Öffentlichkeit mitbekommen zu haben.

    Was ist nun passiert, dass wir 50 Jahre nach der Ankunft der muslimischen Gastarbeiter in Deutschland plötzlich feststellen, dass diese ihre kleinen Jungen beschneiden?

    Ich habe für mich drei Entwicklungen gefunden, die das möglicherweise erklären:

    1.
    Aus den Gastarbeitern sind Einwanderer geworden, die eben nicht mehr in ihr Heimatland zurückkkehren, sondern in Deutschland bleiben. Damit werden sie dauerhaft ein Teil unserer Gesellschaft. Von Einwanderern erwarte ich eine größere Assimilationsbereitschaft als von Gstarbeitern, deren Aufenthalt begrenzt ist. Um es auf den Punkt zu bringen: "Ihr wollt für immer bei uns in Deutschland bleiben? Dann integriert Euch gefälligst und passt Euch unseren Gepflogenheiten an!"

    2.
    Im Laufe dieser Jahrzehnte hat sich die deutsche Gesellschaft zunehmend säkularisiert. Die Zeiten, wo die eine Hälfte der Bevölkerung katholisch, die andere evangelisch ist, sind lange vorbei. Größte Gruppe sind mittlerweile die Konfessionslosen. Deshalb werden heute kirchlich-religiöse Rituale, die früher eine Selbstverständlichkeit waren oder zumindest nicht hinterfragt wurden, auch öffentlich kritisch betrachtet. Und "Glauben" wird zunehmend zur Privatsache erklärt.

    3.
    Gesundheit (und damit auch körperliche Unversehrtheit) ist gerade in den letzten Jahren als ganz großes Thema entdeckt worden und konnte im Zuge einer neoliberalen Entwicklung zu voller Blüte gelangen. So mancher altruistisch verstandener Aspekt entpuppt sich bei genauerer Betrachtung nämlich als Funktionsträger für einen tüchtigen, voll einsatzfähigen Menschen, der seinen Dienst für die Gesellschaft (und damit für die Wirtschaft) zu leisten imstande ist. Die besonders ausgeprägte Form dieser Diktatur der Gesundheit kriegen wir alltäglich zu spüren: du sollst nicht rauchen, du sollst nicht trinken, du sollst Sport machen, du sollst dich gut ernähren, du sollst bis ins hohe Alter fit und gesund sein, kurz: du sollst mit deinem Körper immer und für alle Zeit gut umgehen. Das man kleinen Jungs die Vorhaut abschneidet wird in diesem Klima als eine grobe Verletzung der körperlichen Unversehrheit betrachtet. Man bricht mit dem Recht des Kindes auf Gesundheit. Es könnte vielleicht Schaden nehmen und seine volle körperliche Funktionsfähigkeit verlieren.

    Ich denke also, dass es mit dem zeitlichen Kontext zu tun hat, warum diese Debatte jetzt geführt wird und nicht schon früher losgebrochen ist.
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#44 gatopardo
#45 RobinAnonym
  • 05.01.2013, 14:02h
  • Antwort auf #24 von Kein Arier
  • Es ist vielleicht deshalb die "Mutter aller Themen" geworden, weil es hier um Verstümmelungen von Kindern geht.

    Welchen Glauben die Eltern haben ist mir dabei völlig egal... Wenn Atheisten ihre Kinder verstümmeln, finde ich das genauso unerträglich...

    Und dass jetzt auch irgendwelches rechtes Gesocks das nutzt, um Stimmung gegen Juden und Muslime zu machen, kann uns doch nicht davon abhalten, Unrecht zu kritisieren...

    Wenn Nazis demnächst die Beschneidung afrikanischer Mädchen für ihre Zwecke missbrauchen, müssen wir dann auch plötzlich alle Klitoris-Verstümmelungen gutheißen? Diese Angst, trotz sachlicher Kritik in die rechte Ecke gestellt zu werden, sobald man Migranten, andere Religionen, etc. kritisiert ist typisch deutsch. Anderso weiß man sehr wohl zwischen sachliche Kritik und rechtsmotiviertem Kritikmissbrauch zu unterscheiden.
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#46 dobrapivo
  • 05.01.2013, 14:34h
  • Schöner Standpunkt, den ich vollständig teile. Auch ist er nicht so "einseitig" wie hier viele behaupten. Nicht nur bennent er die Gegenargumente, sondern wiederlegt auch ein weit verbreitetes Pro-Beschneidungsargument ( Risikominderung bei Aids).

    Die teilweise heftigen Reaktionen lassen mich vermuten, dass es manchen (hoffentlich nur einzelnen) tatsächlich nur um anti-religiöse Motive geht.

    Immer wieder lese ich von der "Verstümmelung" die eine solche Beschneidung mit sich bringt. Viele werden, wie ich, diesen Sommer doch recht überraschend erfahren haben, dass sie seit Jahrzehnten vertümmelt sind und nichts davon gemerkt haben.

    Auf der anderen Seite gibt es auch solche absolut absurden Vorwürfe: "Größter Angriff auf das Judentum seit dem Holocaust." etc. DIeser Artikel lässt sich nicht auf dieses Niveau herab! Bravo.

    Was hat die Debatte nur an sich, dass es nur noch in den Kategorien von Folter, Verstümmelung und Holocaust geht? Ich weiß es wirklich nicht! Mein einziger Ansatzpunkt ist, dass hier eine Art Stellvertreterkireg über Glauben und Nichtglauben geführt wird. Ich kann mir kaum vorstellen, dass wir eines Tages Mandelentfernungen ähnlich emtional hinterfragen werden und da ist es ja auch nicht immer klar, ob das so gut ist. Soviel Risiken für ein paar Antibiotikabehandlungen mehr in der Kindheit?

    Und was ist mit den Eingriffen an Kindern ohne eindeutiges Geschlecht? Da wird wirklich eingegriffen und verändert, bloß damit sie in eine Kategorie des deutschen Personenstandswesens passen. Wo sind die empörten Ärzte da? Kommen wahrscheinlich bloß nicht vor, weil man hier nicht die dummen Muslime und Juden über ihre vermeintliche Rückständigkeit belehren kann. Nein, da geht es ja um ordentliche, bürokratische Gründe.
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#47 keyjahn
  • 05.01.2013, 14:35h
  • Hier wurde mehr als einmal die Beschneidung von Jungen mit der von Mädchen verglichen.
    Auch wenn es bei beiden um Unversehrtheit geht, sind die Folgen doch ganz andere.
    Ein beschnittener Mann hat ein normales Lustempfinden (ob etwas mehr oder weniger sei jetzt dahin gestellt, aber sie haben es)
    Eine beschnittene Frau hat dies in vielen Fällen nicht mehr. Man müsste die Beschneidung der Frau eher mit einer halben Amputierung der Eichel gleichsetzten. Und der medizinische Vorteil liegt bei 0%.
    Also bitte keine Vergleiche.

    Allgemein, ja, bei der Beschneidung von Jungen geht es um Religion, aber die Ursache ist ähnlich wie das Essen von Schweinefleisch.

    Damals, vor hunderten von Jahren, zum größten Teil in der Wüste, war es schwierig Schweinefleisch haltbar zu machen, somit verbot man es um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Und genauso mit der Körperpflege. Wenn kaum Wasser zum Trinken da, "verschwendet" man es nicht um unter der Vorhaut seines Kleinkindes sauber zu machen.
    Es wurde also zum Wohle des Kindes eingeführt.

    Im Jahre 2013 sieht das Ganze aber anders aus.

    Fließend Wasser und Seife, ein Kühlschrank, existiert bei den meisten Menschen des Westlichen Welt.

    Somit ist das Argument: Zum Wohle des Kindes nicht mehr aktuell.

    Ich schließe mich daher vielen hier an, Beschneidung sollte nur bei Jungen erfolgen, die sich selbst hierfür entschieden haben.
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#48 PräzisionszirkelAnonym
  • 05.01.2013, 14:43h
  • Antwort auf #44 von gatopardo
  • "Unser Kulturkreis"

    Zu diesem "Kulturkreis" (ich gehe jetzt mal davon aus, dass du die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft in Europa und USA als "deinen Kulturkreis" siehst) gehört allerdings auch, dass es

    a) eine tief und strukturell verankerte rassistische Unterdrückung und Diskriminierung von Menschen gibt, welche die Betroffenen vom ersten Moment an gleicher Lebensrechte beraubt, und zugleich mächtige Interessen der herrschenden Klasse und anderer interessierter Gruppen, diese Unterdrückung und Diskriminierung gerade in Zeiten der immer tieferen Systemkrise nicht nur am Köcheln zu halten, sondern sogar gezielt weiter anzufachen. Wer sich zum (sei es agnostischen oder wie auch immer) Kämpfer für gleiche Lebensrechte aller Menschen aufschwingt, kann diese Fakten also auch bei der vorliegenden Debatte nicht einfach ausblenden oder für nebensächlich erklären.

    b) das bürgerliche Familienmodell, das die Kapitalisten brauchen, um eine maximal kostensparende, auf die kapitalistische Verwertungslogik ausgerichtete gesellschaftliche Reproduktion sicherzustellen. Dabei neben der "Erziehungsverantwortung" den "Eltern" insbesondere eine faktische Verfügungsgewalt über Kinder zuweist, die auch in diesem, angeblich "unseren", "Kulturkreis" damit einhergeht, dass Kinder religiös indoktriniert oder z. B. von evangelikalen Eltern "körperlich gezüchtigt" oder überhaupt einer letztlich gewalttätigen religiösen Indoktrination, einer brutalen Aufherrschung von Geschlechterrollen usw. unterzogen werden. Ein vier- bis siebenmal höheres Suizidrisiko homosexueller Jugendlicher kommt ja auch nicht von ungefähr, sondern vielmehr erweist sich nicht zuletzt die Familie als Haupt(tat)ort für Konflikte und psychische Gewalt auch in diesem Punkt. Die Familie ist also der von kaum jemandem in Frage gestellte Ort (und Hort) der Anerziehung von Untertänigkeit im Interesse der Herrschenden. Und eben das, nicht das Auseinanderdividieren von Menschen nach "Kulturkreisen" usw., müsste eigentlich im Zentrum einer herrschafts- und gesellschaftskritischen Debatte stehen!
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#49 rückseite mondAnonym
#50 Michael KAnonym
  • 05.01.2013, 15:46h
  • Die Beschneidung wird in 15 Jahren so gesehen wie Vergewaltigung oder jede andere Art von menschenverachtender Handlung. Der Religion würde es gut stehen, ihre Riten neu zu überdenken, welche seit hunderten, tausenden von Jahren menschliches Blut fodern. Sie sind barbarisch an vielen ihrer Stellen. Ob Frauenverbrennung in Form von Hexenverfolgung, Kreuzigung oder Inquisition. Verfolgung anderer Religionen oder Menschen zur eigenen Religion zwingen. Sie sind und bleiben nicht nur ein Seelenheil für Menschen, sondern auch eine große Gefahr. Aus diesem Grund fordere ich eine weitere Sekularisierung der Gesellschaft und Strafen auf intervention gegenüber anderen Menschen mit Religionsbezügen. Und zwar saftige!
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