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Druck zu groß?
kreuz.net-Nachfolger vom Netz
- 10. Januar 2013 3 Min.

Mit Homophobie wollte eine neue Seite die Leser von kreuz.net abholen
Seit Mittwoch Abend ist das Portal aus Österreich nicht mehr erreichbar. Ist es plötzlich und für immer aus dem Netz verschwunden wie der große Vorgänger? Dafür spricht einiges.
"kreuz-net.info" war erst zum Jahreswechsel online gegangen, betrieben offenbar von einer Einzelperson (queer.de berichtete). Ziel des im Impressum genannten Verlegers aus Wien, Mag. G. Schneeweiß-Arnoldstein, war es offenbar, über den bekannten Namen mehr Leser zu erzielen für kirchliche wie homophobe und antisemitische Texte, die er zuvor schon auf anderen Websites verbreitet hatte.
Zugleich wünschte man sich "Autoren und Informationsgeber" des alten, bei Nutzerzahlen wohl erfolgreichen Portals, um eine Art "Trostpflaster nach der Selbstabschaltung von kreuz.net" zu bieten. Nun scheint das Nachfolgeportal bereits nach wenigen Tagen ebenfalls vom Netz genommen worden zu sein.
Die Domain ist noch einer IP-Adresse zugeordnet, Ping-Anfragen kommen aber nicht an, während es keine Anzeichen für eine Denial-of-Service-Attacke gibt – das spricht für einen abgestellten Server. Der Provider der Seite, die Netclusive GmbH im rheinland-pfälzischen Montabaur, hat bislang nicht auf eine Anfrage von queer.de reagiert. Somit bleibt zunächst unklar, wer die Seite vom Netz genommen hat.
Der Gegendruck ist stark – und wächst

Wird es auch für gloria.tv eng?
Ein Grund für die wahrscheinliche Abschaltung könnte sein, dass der Druck zu groß wurde. Die Initiative "Stoppt kreuz.net" des Bruno Gmünder Verlags stürzte sich auf die neue Seite ebenso wie viele Medien in Deutschland und Österreich. Einige Personen hatten Strafanzeigen gestellt, ein österreichischer Grünenpolitiker Ermittlungen des Verfassungsschutz gefordert.
In den wenigen Texten, die auf dem Portal online gegangen waren, spielte Homophobie eine große Rolle; dort war etwa von "Schwuchtelmessen" in London, von "Aids-Schleudern" und einer "Gaystapo" die Rede. Für solche Fälle scheint nun eine Gegenwehr gefunden: "Wenn es stimmt, dass sich das 'neue kreuz.net' selbst abgeschaltet hat: zeigt das dann nicht, dass sofortiges Säbelrasseln – wie von 'Stoppt kreuz.net' praktiziert – hilft, um kreuznette Seiten im Keim zu ersticken?", freute sich der Koordinator der Kampagne, David Berger, auf Facebok.
Dabei war die neue Seite eher eine Randnotiz im Kampf gegen kreuz.net und ähnliche Seiten. Viel stärker im Visier ist etwa "gloria.tv", das Schneeweiß-Arnoldstein für den Versuch mit "kreuz-net.info" als "mutigen Katholiken" gelobt hatte – einen Mann, der für Verbindungen in die rechte Szene und nicht nur für schwulenfeindliche Ausfälle bekannt ist.
"gloria.tv" ist auf einigen kirchlichen oder Priester-Seiten auch aus Deutschland verlinkt, die Deutsche Bischofskonferenz verbreitet dort einen Video-"Tagessegen". Auch Sendungem vom Bistum Würzberg sind abrufbar – was das Bistum nun untersagen will. Ein Mitglied der "Stoppt kreuz.net"-Gruppe hatte es und andere Stellen angeschrieben: "Verlinkung mit Gloria-TV bedeutet Solidarität mit Antisemitismus, Rassismus und Schwulenhass à la kreuz.net".
Bereits am Mittwoch hatte sich die Inititative "Stoppt kreuz.net" erneut mit einem Schreiben an die Deutschen Bischöfe gewandt und unangenehme Fragen gestellt: "Was wird die Deutsche Bischofskonferenz tun, um gegen die menschenfeindliche Ideologie, die die Macher [von kreuz.net] motivierte, anzugehen?" Und da die Meute nun zu gloria.tv und kath.net weiterziehe: "Wie wollen Sie verhindern, dass es um mit den Worten Kardinal Lehmanns zu sprechen, so 'beschämend' für die Kirche weitergeht, wie es bei kreuz.net aufgehört hat?" (nb)














