https://queer.de/?18443
Reaktion auf Empörung
Aids-Hilfe NRW: "Spiegel" soll sich entschuldigen
- 29. Januar 2013 2 Min.

Die Kompassnadel wird jährlich vergeben. (Bild: Christian Scheuß)
Die Berichterstattung des Magazins habe viele Menschen verletzt, meint der Mitveranstalter des Empfangs, auf dem die Journalisten geehrt werden sollen.
Der Vorstand der Aids-Hilfe NRW hat sich in einer Pressemitteilung "unglücklich" gezeigt über die wachsende Kritik am Schwulen Netzwerk, das die Redaktionen des "Spiegels" beim diesjährigen CSD-Empfang in Köln mit der Kompassnadel auszeichnen will.
Die Aids-Hilfe NRW ist Mitveranstalter des Empfangs. Am Montag hatte die Deutsche Aids-Hilfe die Auszeichnung für den "Spiegel" (queer.de berichtete) kritisiert: "Wir erinnern an die unsägliche Berichterstattung des 'Spiegel' zu Zeiten des Höhepunktes der Aids-Krise, womit der Grundstein für die Stigmatisierung der Menschen mit HIV gelegt wurde. Betroffene haben bis heute unter den Folgen dieser Skandalisierung zu leiden." Man werde den Empfang "in keinster Weise unterstützen".
"Die Aidshilfe NRW sieht die Verleihung der Kompassnadel ebenso kritisch [wie der Bundesverband] und verkennt nicht, dass in der Vergangenheit Menschen durch die polarisierende Berichterstattung des 'Spiegel' nachhaltig verletzt wurden", so Arne Kayser, Vorstandsvorsitzender der Aids-Hilfe NRW. Als Mitveranstalter des Empfangs betone man "allerdings die Autonomie des Schwulen Netzwerks bei der Auswahl der Preisträger des von ihm initiierten und gestifteten Preises".
Entschuldigung gefordert
"Wir wünschen uns, dass die Redaktionen des Nachrichtenmagazins die Kompassnadel zum Anlass nehmen, sich kritisch mit der Berichterstattung der Vergangenheit auseinanderzusetzen, und klare Worte finden, sich bei denen, die dadurch verletzt wurden, zu entschuldigen", so Kayser. Insofern versteht die Aidshilfe NRW die Auszeichnung als eine Art Ermutigung: "Auch in den letzten Jahren wurde die Kompassnadel durchaus als Vertrauensvorschuss für eingeschlagene Wege gesehen und diente als Ermutigung für konsequentes Eintreten für die Rechte von Schwulen und Lesben in der Zukunft."
Man werde Preisträger wie Kritiker zu einem offenen Dialog einladen, so die Aids-Hilfe NRW. "Wir wissen, dass das Schwule Netzwerk auf der Seite der Menschen mit HIV und aller schwulen Männer in Deutschland ist (…) Auch wenn der Landesvorstand der Aids-Hilfe die Preisverleihung kritisch sieht, sind wir fest davon überzeugt, dass unser Partner nicht geschichtsvergessen ist, sondern mit der Kompassnadel auf die Verbesserung der Lebenssituation von Schwulen in unserer Gesellschaft einwirken und für die positive Darstellung vielfältiger Lebensweisen werben will."
Die Kompassnadel wird am 6. Juli im Kölner Gürzenich vergeben, mit ihr wird auch Falk Steinborn für die Arbeit an dem Video-Projekt Queerblick geehrt. Unter den früheren Preisträgern waren unter anderem Rita Süßmuth, Claudia Roth, Klaus Wowereit, Theo Zwanziger, Thomas Hermanns und Hannelore Kraft.
Links zum Thema:
» Website zum CSD-Empfang von Aids-Hilfe NRW und Schwules Netzwerk NRW
Mehr zum Thema:
» Der Spiegel: Schwulenparaden, homosexuelle HIV-Kreise und Psycho-Coming-outs (29.1.2012)
» Deutsche Aids-Hilfe entsetzt über Preis für den "Spiegel" (28.1.2012)
» Kompassnadel für den "Spiegel" und "queerblick" (25.1.2012)














