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Netz-Aufregung
Tennessee: "Schwuler" Hund vor Tötung
- 31. Januar 2013 2 Min.

19.000 Likes and counting: Das Online-Magazin examiner griff die Story zuerst auf
Das Internet mag bekannt sein für Shit-Storms und alle Arten der Empörung, die selten unberechtigt sind, oft aber etwas vermissen lassen, wofür Juristen das schöne Wort "Verhältnismäßigkeit" erfunden haben.
Nun gibt es auch das noch: Pity-Storms. Auf Facebook verbreitet sich gerade in der üblichen Wiebeklopptheit ein Bild, das ein Tierliebhaber aus einem Tierheim in Jackson im US-Bundesstaat Tennessee gepostet hat. Der abgebildete Hund sieht traurig aus und ihn erwartet angeblich ein schlimmes Schicksal: Er soll am Donnerstag eingeschläfert werden, findet sich nicht noch ein Besitzer.
Nun scheint es bei der Firma "Jackson Madison Rabies Control" eine regelrechte Death Row für Tiere zu geben – die Facebookseite des Tierschützers zeigt eine ganze Menge Hunde und auch ein paar Katzen, die in diesen Tagen zu Tode kommen werden, wenn sich nicht noch Besitzer finden. Interessieren tut dies, die wenigen Likes und Kommentare zeugen davon, freilich niemanden.

Das verbreitete Bild im Close-up
Der unbenannte Hund auf dem Foto hingegen hat es zu einer viralen Verbreitung geschafft, die ihm das Leben retten könnte. Und das liegt an seiner Geschichte: Sein Besitzer hat ihn offenbar nur deswegen abgegeben, weil er ihn für schwul hielt. "Er hat sich über einen anderen männlichen Hund gebeugt, also hat ihn sein Besitzer weggeworfen, weil er sich weigert, einen 'schwulen' Hund zu haben", so der Tierschützer.
Verifiziert hat die Story noch niemand, Amerika wacht gerade erst auf. Aber die ersten Homo-Seiten weltweit sind darauf aufmerksam geworden, die "Daily Mail" hat sich schon die irreführende Klick-Schlagzeile "Dog sentenced to death in Tennessee because he is 'gay'" ausgedacht. Immerhin werden gleich, bevor noch weitere homophobe Hundebesitzer auf dumme Gedanken kommen, Erklärungen geliefert: Es handele sich bei dem Verhalten gar nicht um Homosexualität, sondern um das Ringen um soziale Macht (so etwa die Originalquelle, "Pink News" und andere). Nur die "Daily Mail" hofft auf ein Schlachtfest: "Biologen haben gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität in 450 Tierarten entdeckt."
In Tennessee steht übrigens wieder das "Don't say gay"-Gesetz auf der Tagesordnung, das auch Leben gefährden kann, weil Lehrer schwule oder lesbische Schüler bei den Eltern outen sollen. Dazu später mehr, wenn denn Zeit dafür bleibt und es jemanden interessieren sollte. (nb)

Das weniger verbreitete Bild macht weniger Lust auf eine Adoption
Nachtrag, 19 Uhr: Der Hund fand wohl einen neuen Besitzer. Die anderen Hunde nicht unbedingt.














