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Kompassnadel
"Spiegel"-Streit: Schwules Netzwerk äußert sich
- 31. Januar 2013 2 Min.

Es gibt viel Gesprächsbedarf über das Verhältnis zwischen der Szene und den Massenmedien (Bild: Montage queer.de)
Nach der Kritik zur geplanten Kompassnadel-Verleihung an das Nachrichtenmagazin verteidigt sich nun der NRW-Landesverband.
Hat das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" eine Auszeichnung der Community tatsächlich verdient oder nicht? Nachdem das Schwule Netzwerk NRW seine Entscheidung bekannt gegeben hat, dem Blatt die Kompassnadel zu verleihen, hagelte es Kritik. Besonders die Berichterstattung über HIV und Aids sei in der Vergangenheit diskriminierend gewesen. Am Donnerstag hat der Landesverband Position bezogen zu den Kritikpunkten und betont, dass man sich die Preisträger jeweils sorgsam und von kritischen Diskussionen begleitet aussuche. Die geäußerte Kritik an der Auszeichnung des "Spiegel" komme für das Schwule Netzwerk NRW nicht unerwartet:
"Manche Schwulen- und Aids-Aktivisten halten die Berichterstattung des 'Spiegel' in den 80ern für unverzeihlich, andere nehmen in der differenzierten LSBT-Berichterstattung des 'Spiegel' in den letzten 20 Jahren auch einen Versuch der Wiedergutmachung wahr", so Landesgeschäftsführer Markus Johannes.
Das Schwule Netzwerk NRW verleihe dem "Spiegel" die Kompassnadel dafür, "dass er ein ausgewogenes und realistisches Bild von schwulem Leben in Deutschland zeichnet und vor allem auch von anderen Ländern, in denen Homosexuelle unterdrückt, verfolgt und ermordet werden". Zudem stelle er
"die Lebens- und Leidenssituation von transsexuellen Menschen feinfühlig" dar und trete "aktiv für die Verbesserung der Lebenssituation von homosexuellen Menschen in unserer Gesellschaft" ein.
Gesprächsbereitschaft über Preisträger-Wahl erklärt

Titelträchtiges Thema? Wohl nicht für die Massen, aber schick sähe es aus (Bild: Montage queer.de)
In seiner Pressemitteilung zur Preisverleihung hatte der Netzwerk-Vorstand bereits Bezug auf die berechtigte Kritik genommen: Der "Spiegel" stehe "für einen Lernprozess, an dessen Beginn mit dem Aufkommen von Aids in den 1980er Jahren ein durchaus nicht immer angemessener, auch anhaltend verletzender Umgang mit der hauptbetroffenen Gruppe der schwulen Männer stand."
In der Stellungnahme vom Donnerstag heißt es weiter: "Die sehr unterschiedlichen Reaktionen zur Nominierung des 'Spiegel' zeigen, wie polarisierend noch heute Feindbilder der Vergangenheit das Selbst- und Fremdbild der schwulen Community und der Positiven-Community prägen. Gerne sind wir im Verband und zwischen den Verbänden zum Gespräch und zur Diskussion über die Wahl unseres Preisträgers bereit." (cs)
Links zum Thema:
» Website zum CSD-Empfang von Aids-Hilfe NRW und Schwules Netzwerk NRW
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Fürs schwule ( und vermutlich fürs heterosexuelle Frauen- ) Auge wird kaum was geboten!