Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?18533
  • 11. Februar 2013 36 3 Min.

Der Theologe David Berger outete sich 2010 als schwul und wurde in Folge eine Art lose Kanone der katholischen Kirche, die auch über die Homosexualität des nun zurückgetretenen Papstes spekulierte.

Unter dem Papst sei Homophobie zu einer Voraussetzung für eine Karriere im Vatikan geworden, sagt der schwule Theologe.

Der Theologe David Berger hat am Montag Papst Benedikt XVI. Respekt für seinen Rücktritt gezollt und zugleich "die Abgründe an Unmenschlichkeit, Machtmissbrauch, Loyalitätserzwingung und Erpressung" kritisiert, die gerade mit seinem Pontifikat in Verbindung stünden.

"Mit Benedikts Rücktritt geht ein Pontifikat von Pleiten, Pech und Pannen zu Ende", sagte Berger am Montag. "Da waren die Skandale um die Islam-Rede in Regensburg, die unsensiblen Äußerungen im Konzentrationslager Auschwitz, die Versäumnisse und Ausreden im Missbrauchskandal, die gefährliche Verteufelung von Kondomen auf seiner Afrika-Reise sowie das Buhlen um die Zuneigung des Antisemiten Williamson und seiner fundamentalistischen Piusbruderschaft." Auch die Vatileaks-Affäre "und der damit verbundene, neu aufflammende Vatikan-Bank-Skandal können hier nicht unerwähnt bleiben", so Berger.

Das werde in der Kirchengeschichte ebenso in Erinnerung bleiben wie "die stramm angetretene Umwandlung der Volkskirche hin zu einer Art fundamentalistischer Sekte mit stark homophober Ausprägung", glaubt Berger. "Die Macht des Bösen sah Ratzinger und später auch Benedikt nämlich jedesmal dann am Werk, wenn es um die gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern geht. Ihn, der der größten transnationalen Schwulenorganisation der Welt vorstand, trieb zugleich eine panische Angst vor Schwulen um."

Keiner der Vorgänger Ratzingers habe sich "jemals in diesem Ausmaß und mit solcher Verve abfällig über Homosexualität, besonders über schwule Männer und deren Kampf um Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung, geäußert oder diese Äußerungen in seinem engsten Umkreis forciert. Homophobie wurde unter seinem Pontifikat zur unabdingbaren Voraussetzung, um Karriere zu machen. Dies ging etwa so weit, dass man sich im von Benedikt regierten Vatikan nicht scheute, Länder wie Uganda in ihrem Bestreben zu bestärken, die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen wieder einzuführen."

Homophob-homophiles Milieu

Zugleich habe es über niemanden im Vatikan so viele Gerüchte über eine eigene homosexuelle Veranlagung gegeben, so Berger: "Ich war selbst auf dem Petersplatz zugegen, als die Wahl Ratzingers zum Papst bekanntgegeben wurde. Neben mir stand eine Gruppe junger Italiener, die riefen: 'Viva la Checca!' (Lang lebe die Königin)."

Man werde sich auch ewig erinnern an "die unbändige päpstliche Lust an Mozetten aus edelster Moiréseide, an rote Luxusschuhe, an scharlachrote, meterlange Kardinalsschleppen, für die man jugendliche Epheben als eigene Träger benötigt – an diesen Kult um die mit Tausenden feinster Falten gebügelten Hemdchen aus Häckelspitzen. Also an all das, was strukturell bis aufs Jota der schwulen Lust am Verkleiden und am Fetisch ähnelt."

Das alles habe das "eigentlich Paradoxe dieses homophob-homophilen Milieus augenfällig zum Ausdruck" gebracht. Doch "die fromme Kulisse aus Wolken von Weihrauch und zahllosen Vorhängen edler Gewandungsstücke konnte die Abgründe an Unmenschlichkeit, Machtmissbrauch, Loyalitätserzwingung und Erpressung – gerade bei den zahlreichen homosexuellen Klerikern – nur ansatzweise verdecken", so Berger.

Entspannung nur für den Papst

Der Rücktritt des Papstes sei aber noch lange keine Entwarnung für Schwule und Lesben: "Benedikt wird seinen Lebensabend in einem stillen abgeschiedenen Kloster, begleitet von den Tröstungen durch Monsignore Gänswein, verbringen dürfen. In der stillen Gewissheit, dass sein Nachfolger – sollte nicht doch irgendwann einmal der Heilige Geist eingreifen – gesellschaftspolitisch noch rückwärtsgewandter sein wird als er."

Papst Benedikt XVI. war am Montag aus Gesundheitsgründen zurückgetreten. Bis zum Nachmittag hatte sich nur der Grünenpolitiker Volker Beck mit einer Kritik zu Wort gemeldet (queer.de berichtete). (nb)

-w-

#1 PiskalfaktAnonym
#2 Thorsten1
  • 11.02.2013, 16:00hBerlin
  • Für katholisch sozialisierte Schwule war Ratzinger seit ca 30 Jahren der blanke Horror. Selbst die antischwulen Aussagen des -heterosexuellen- Vorgängers Johannes Paul II. kamen auf Einflüsterungen Ratzingers zustande. Stellenweise konnte man den Eindruck haben, dass dieser homophobe Homo überhaupt nur deshalb Papst geworden ist, um den Schwulen zu schaden, wo er nur konnte.
    Das Ärgernis war, dass er sich den "bestaussehensten Mann des Vatikans", Georg Gänswein, durch die Aussicht auf Einfluss und ein Erzbischofsamt an seine Seite geholt hat und mit ihm unter einem Dach gelebt hat. Dieser "Privatsekretär" konnte nur ein -extrem gutaussehender- Hetero sein, denn ein schwuler Mann wäre das Haßobjekt von Ratzinger geworden.
    Dieser Papst hat sein Leben -unter anderem- dem Haß auf offen schwule Männer gewidmet. Wenn in diesem Leben nicht alles egal ist und es eine göttliche Gerechtigkeit gibt, wird sich auch Josef Ratzinger eines Tages dafür verantworten müssen.
  • Direktlink »
#3 FriederAnonym
  • 11.02.2013, 16:17h
  • Ah, deswegen konnte Berger 20 Jahre lang Karriere machen.
  • Direktlink »