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Kirchen-Talk bei Günther Jauch

Ex-Küster bescheinigt Kirche "faschistische Züge"

  • 11. Februar 2013 15 4 Min.

Neue sanfte Töne einen Tag vor dem Papst-Rücktritt: Weihbischof Jascke (li.) findet die Entlassung Hövers (re.) nicht in Ordnung. (Bild: Screenshots ARD, Montage queer.de)

In Günther Jauchs Sonntags-Talk ging es erneut um die Rolle der Kirche als Arbeitgeber. Ein geschasster schwuler Küster erzählte seinen Fall.

Ex-Messdiener Oscar Lafontaine, Kirchenaus- und wieder -eintreter Johannes B. Kerner, der Ratzinger-Schüler und Hamburger Weihbischof Hans Jochen Jascke, Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, sowie NRW-Vize-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann, die seit kurzem einen Sitz im Zentralkomitee der Katholiken inne hat, nahmen am Sonntagabend auf den Sesseln im Berliner Gasometer Platz, um – wie bereits in der Vorwoche – noch einmal Nähe und Ferne der Institution zu ihren Anhängern auszuloten.

Nach wie vor kocht die öffentliche Aufregung über eine durch zwei katholische Krankenhäuser vor ein paar Wochen abgewiesene vergewaltigte Frau in Köln. Mit Softie-Fragen versuchte sich der Gastgeber Jauch, durch das emotionale Minenfeld zu lavieren. Sein Talk-Kollege Kerner konnte als Gast das eigentliche Problem mit drastischsten Worten umreißen: "Da ist eine Frau vergewaltigt worden, zum Sexualakt gezwungen worden, mit Gewalt gegen ihren Willen. Das Leben dieser Frau ist praktisch schon zerstört durch diesen Akt. Und dann soll sie durch die Kirche, oder durch Fehlhandlungen von Ärzten dort gezwungen werden, sich ihr Leben ein zweites Mal zerstören zu lassen. Da ist eine absolute Katastrophe passiert."

Johannes B. Kerner: "Da ist eine Katastrophe passiert."


Der gefeuerte Küster Heinz Höver mit Partner bei Günther Jauch (Bild: Screenshot)

Viel zu vermitteln hatte Jauch nicht, seine Gäste sind alle mehr oder weniger der Institution treu, auf Hardliner hatte man verzichtet. Vor allem Weihbischof Jascke blickte durchweg verständnisvoll, gab allen Kritikern erst einmal grundsätzlich Recht: "Wenn die Kirche die Herzen der Menschen verliert, dann darf das nicht wahr sein und darf es nicht so bleiben. Der Weg zum Menschen muss der Weg der Kirche sein" Schön dick in Watte verpackt folgten aber seine jeweiligen Einschränkungen: "Kirche soll sich nicht anpassen, den Menschen nicht nach dem Mund reden." Na was denn nun?

Die Kirche als Arbeitgeber mit ihren diskriminierenden Sonderrechten wurde durch drei Fallbeispiele per Einspielfilm beleuchtet. Darunter auch Heinz Höver, der nach 16 Jahren als Küster seinen Job verlor, weil er schwul ist. Sein Coming-out habe den Pfarrer, an dessen Kirche er beschäftigt war, erzürnt, berichtet Höver: "Er empfahl seinen Gläubigen: Lasset und ihn zum Dorfe hinaus jagen. Das hat in letzter Konsequenz den Träger der Kapelle veranlasst zu sagen, ich sei geistlichen Herren nicht mehr zuzumuten und möge die Tätigkeit einstellen."

Heute lebt Höver mit einem Mann in Eingetragener Lebenspartnerschaft zusammen. Die Zeit nach seiner Entlassung sei hart gewesen: "Das war einer der Tiefpunkte meines Lebens. Ich war sehr verzweifelt gewesen, hatte keinen Boden unter den Füssen. Das hat später zu einer lang anhaltenden Depression geführt."

Im anschließenden Interview wird klar, dass Hövers Entlassung nun schon viele Jahre zurückliegt. Jauch will deshalb wissen: "Haben sie nicht den Eindruck, dass sich die Kirche gegenüber Homo­sexuellen doch ein bisschen weiter bewegt hat?"

Höver erkennt leicht faschistische Züge in Teilen der Kirche


Talkmaster Günther Jauch kuschelte mit seinen Gästen (Bild: ARD)

Ganz im Gegenteil, befindet der ehemalige Kirchenmitarbeiter: "Die katholische Kirche betreibt eine unerhörte Hetzkampagne. Schon Herr Wojtyla hat 1979 gesagt: 'Homosexualität ist ein unaussprechliches Verbrechen'. Bischof Klaus Küng schrieb: 'Mein Vorarlberg ist schwulenfrei'. Und der Herr Ratzinger sagt: 'Jedes Kind, dass bei einem homo­sexuellen Paar aufwächst, ist alle Tage einer seelischen Vergewaltigung ausgesetzt'."

Im Hinblick auf die Missbrauchsfälle finde er so etwas infam. Nach Bischof Overbecks homophoben Äußerungen in Anne Wills Talkshow sei er tätig geworden: "Ich habe den feinen Herrn angezeigt wegen Volks­verhetzung. Er musste bei der Staatsanwaltschaft in Essen antanzen." Auch zu kreuz.net gab es von ihm eine Anzeige. Höver urteilt: "Die rechte Seite der katholischen Kirche hat im Moment eine derartige Stärke, dass es schon leicht faschistische Züge hat."

Weihbischof Jaschke beschwichtigt: "Es gibt hochrangige Äußerungen im Weltkatechismus, die besagen, Homo­sexuelle gehören genauso zur Kirche wie alle anderen. Sie sind vollgültige Glieder unsere Gemeinschaft." Dass die Kirche Homoehen ablehne, das sei wieder eine andere Frage, über die man streiten könne. Jaschke weiter: "Aber einzelne Personen die als Homo­sexuelle leben und – in Anführungszeichen – ordentlich leben, werden von der katholischen Kirche nicht als Sündige dargestellt." (cs)

-w-

#1 Timm JohannesAnonym
#2 dragan
#3 Thorsten1
  • 11.02.2013, 17:16hBerlin
  • Der schwule Ex-Küster Höver hat in dieser Sendung leider keine gute Figur gemacht. Er hätte auf die Aussage des -wohl meinenden- Hamburger Weihbischofs, dass Schwule nach dem katholischen Weltkatechismus nicht diskriminiert werden dürfen (was ja stimmt) darauf hinweisen müssen, dass dies aber nur solange gilt, wie sie zölibatär leben. Er hätte erklären müssen, wie unmenschlich es ist, wenn die Kirche die Schwulen zwar die vollen Menschenrechte zubilligt, aber nur solange, wie sie auf ein Sexualleben verzichten.
    Das Publikum hätte das verstanden.
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