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Lindenstraße
"Käthe" trickst die Blutspende-Praxis aus
- 12. Februar 2013 3 Min.

Sein alter ego "Käthe" prescht vor, Claus Vinçon selbst hofft, dass die Blutspendepraxis überdacht wird. (Bild: WDR/Steven Mahner)
Letzten Sonntag wurde es verdammt brenzlig in der Lindenstraße. Ein erklecklicher Teil der Bewohner lag auf der Intensivstation eines Krankenhauses, statt wie sonst den üblichen Intrigen und Liebeleien auf der bekanntesten TV-Soap-Meile Deutschlands nachzugehen. Es war nicht, wie von uns fälschlicherweise behauptet ein gammeliger Gyrosteller, es war auch nicht die berüchtigte Lachsschaumspeise, die schon bei Monty Pythons "Sinn des Lebens" Gevatter Tod an die Tür klopfen ließ.
Es war ein doofer bakteriell verseuchter Feldsalat im Akropolis, der selbst Mutter Beimer aus den Pantoffeln kippen ließ. Um die mussten wir uns besondere Sorgen machen, sie ist ja schließlich kein junges Mädchen mehr. Aber glücklicherweise bewies sie doch ihre Rossnatur. Dafür mussten andere ins laut Drehbuch verordnete Gras beißen.
Mittendrin im Leid eilt "Käthe" ins Lindenstraßen-Lazarett. Den Lebenspartner von Dr. Carsten Flöter hat es nicht erwischt, in seinen Adern fließt frisches, vom gefährlichen EHEC-Erreger unangetastetes Blut. Damit wäre er ein potentieller Spender des begehrten, knapp gewordenen und lebensrettenden Saftes. Wäre da nicht der Fragebogen des Krankenhauses. "Sie ist immer noch drin, die Frage", beklagt sich Georg Eschweiler gegenüber Klausi Beimer. Die Frage nach sexuellen Kontakten mit Männern, die, wenn man sie mit "Ja" beantwortet, einen automatisch vom Blutspenden ausschließt.
"Käthe" verleugnet sein Schwulsein. Würde Claus Vinçon auch so handeln?

"Käthe" klärt Klausi auf über schwule Männer beim Blutspenden (Bild: WDR)
Die "Lindenstraße" wirft lobenswerterweise ein kurzes Schlaglicht auf die Problematik der alten Blutspenderegelung, die nicht schaut, wie groß denn das tatsächliche und individuelle Risiko des Spenders bezüglich einer HIV-Infektion gewesen ist. Die Community fordert seit längerem eine Abschaffung des als diskriminierend empfundenen pauschalen Verbots der Blutspende für schwule Männer. "Käthe" ignoriert in der Folge die Bestimmungen und setzt das Kreuz bei der Frage nach den sexuellen Aktivitäten mit Männern bei "Nein". Wir wollten wissen: Würde Schauspieler Claus Vinçon ebenso handeln in so einer Situation?
"Käthe prescht durch persönliche Betroffenheit in der Nachbarschaft vor. Das kann ich gut verstehen. Ich hoffe dass das Thema nun wieder Aufmerksamkeit findet." antwortet der schwule Schauspieler auf Anfrage von queer.de. Aber persönlich mag er sich da nicht festlegen. Ebenso verständlich, hier ging es schließlich um die Gewissensentscheidung einer fiktiven Person in einer fiktiven Extremsituation. In der Realität wäre dieser Akt zivilen Ungehorsams auch gar nicht möglich. Selbst das katholischste aller Krankenhäuser würde es sofort durchschauen, würde der Promi Claus Vinçon falsche Angaben zu seiner sexuellen Orientierung machen… (cs)
Fr, 15.02., 01:35 Uhr, HR / Sa, 16.02., 07:30 Uhr, BR / Sa, 16.02., 11:30 Uhr, MDR / Sa, 16.02., 15:55 Uhr, einsfestival /
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Links zum Thema:
» Die Lindenstraßen-Folge in der ARD Mediathek
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» auf sissymag.de
Do, 00:00h, WDR:
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