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Kinostart "Westerland"
Eine schwule Liebe auf Sylt
- 21. Februar 2013 2 Min.

Vom eisigen Strand ins warme Bett: Der vorbildlich integrierte Deutschtürke Cem findet den Nichtsnutz und verhinderten Selbstmörder Jesús mit einer Plastiktüte über dem Kopf (Bild: Edition Salzgeber)
In Tim Staffels Liebesdrama "Westerland" stellen zwei Männer Regeln für ihre Beziehung auf: Du sollst nicht kiffen. Du sollst nicht kotzen. Du sollst nicht lügen. Du sollst nicht sterben.
Sylt im Winter. Das Paradies eisig und verlassen. Am Strand der junge Jesús (Wolfram Schorlemmer), den es von irgendwoher auf die Insel verschlagen hat. Deutschtürke Cem (Burak Yigit), der beim Ordnungsamt der Insel jobbt und später Landschaftsarchitektur studieren will, begegnet Jesús, als der sich gerade eine Plastiktüte über den Kopf zieht, um sich von der Welt zu verabschieden.
Ein wunderbar schräger Anfang einer lakonischen schwulen Liebesgeschichte…
Regisseur Tim Staffel (der schon die Buchvorlage "Jesús und Muhammed" geschrieben hat) interessierte in seinem "Westerland" die Frage, was eigentlich passiert, wenn einer, der fest im Leben verankert ist, der Familie, Freunde und den perfekten Plan für seine Zukunft hat, auf einen trifft, der keinen Glauben mehr an sich, irgendwen oder irgendetwas hat. Was macht der Eine mit dem Anderen? Was passiert mit ihnen gemeinsam? Ist diese Gemeinsamkeit belastbar?
Das Gift der gegenseitigen Abhängigkeit

Vor der öden Kulisse des winterlichen Sylt fallen nicht viele Worte (Bild: Edition Salzgeber)
Der eine, Cem, stellt fest, dass alles, worauf er bisher aus war, vielleicht gar kein so großes Gewicht für ihn hat. Und der andere, Jesús, für den schon lange nichts mehr wichtig war, der eigentlich immer zugedröhnt ist, realisiert auf einmal, dass da jemand ist, der ihm etwas bedeutet und dem er etwas bedeutet.
Einzug der Idylle? Von wegen! In Cems mickriger Wohnung in einem Westerlander Hochhaus schließen die beiden die restliche Welt aus. Sie essen zusammen, kiffen zusammen, kotzen zusammen und schlafen zusammen. Cem will Jesús retten. Jesús will Cem. Cem, der nicht raucht, dreht für Jesús Zigaretten. Jesús treibt für Cem Sport. Sie stellen Regeln für ihre Beziehung auf: Du sollst nicht kiffen. Du sollst nicht kotzen. Du sollst nicht lügen. Du sollst nicht sterben. Verstöße sind nur erlaubt, wenn sie gemeinsam begangen werden. Doch spätestens, als Jesús versucht, sich Cems Namen in die Haut zu ritzen, hört der Spaß auf und fängt die Angst an.
Das Gift der gegenseitigen Abhängigkeit zerfrisst das schwule Paar von innen her. (cw)
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