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  • 25. Oktober 2004 15 2 Min.

Der schwule konservative Literaturkritiker vergleicht schwule Lebensformen mit stinkenden Pfützen und schimpft über "sektiererische" Szene-Verlage.

Von Christian Scheuß

Wenn ein schwuler Autor einen Literaturpreis verliehen bekommt, ist Tilman Krause nicht weit. In der Literatur-Beilage der Tageszeitung "Die Welt" vom 23. Oktober ehrt der Haus- und Hof-Homosexuelle des Springer-Verlags das Werk Hollinghursts und empfiehlt den Lesern zu Recht, es für sich zu entdecken. Hollinghurst, der hierzulande 1992 mit seinem Roman "Die Schwimmbadbibliothek" bekannt wurde, erhielt am 19. Oktober für seinen vierten Roman "The Line Of Beauty" den wichtigsten britischen Literaturpreis, den Booker Prize, überreicht.

Tilman Krause, der sich als Konservativer wie als Literaturkritiker einen Ruf erarbeitet hat, würdigt den Autoren allerdings nicht, ohne seiner Verachtung gegenüber der Szene Ausdruck zu verleihen: "Hollinghurst […] lebt zurückgezogen im Londoner Stadtteil Hampstead. Seine Freunde fragen sich mitunter, woher er eigentlich die Kenntnisse von schwulen Lebensformen einschließlich der gerade bevorzugten Clubs und Drogen nimmt, die in seinen Büchern so eine große Rolle spielen. Aber man muss eben nicht in jede Pfütze springen, um zu wissen, wie sie stinkt." In der stinkenden Pfütze schwuler Lebensformen ortet Krause dann gleich noch mehr Übel: "Hollinghurst ist kein schwuler Schriftsteller, wie wir sie aus Deutschland kennen, wo sie (Ausnahmen bestätigen die Regel!) in sektiererischen Verlagen ängstlich und szenefixiert ihre Ghettoware feilbieten." So viel feilgebotene Arroganz und überhebliche Distanzierung gegenüber der Szene und dem schwulen Literaturbetrieb erlebt man selten.

Die schwul-lesbischen Verlage sind es, die den Nachwuchs pflegen und aufbauen. Sie sind es, die trotz wirtschaftlicher Überlebenskämpfe und der Zerreißprobe zwischen kommerziellem Erfolg und intellektuellen Ansprüchen beachtliches für die schwule Literatur leisten. Zudem: Hollinghurst selbst hätte Probleme, seine Werke hierzulande bei den großen Verlagen los zu werden. Von seinen vier Romanen sind nur zwei auf Deutsch erhältlich. Und für "The Beauty Of Line" braucht es erst den Literaturpreis, damit er hierzulande überhaupt wahrgenommen wird.

Montag, 25. Oktober 2004

#1 EberhardAnonym
  • 25.10.2004, 17:17h
  • Die Arroganz dieses Herrn Krause ist unglaublich. Gerade von Schwulen aus dem etablierten Medienbereich sollte man mehr Unterstützung für die kleinen Szeneverlage erwarten, statt sie so unqualifiziert abzukanzeln. Gerade der Querverlag leistet Unglaubliches für die Community!
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#2 ThanatosAnonym
  • 25.10.2004, 18:56h
  • Es ist nicht zu verstehen, wie man sich derartig über Literatur äußern kann. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich womöglich nicht ausrechend mit schwuler Literatur vertraut bin, aber ich kann sagen, dass es genug Literatur (und genug Autoren) gibt die einer Ausgiebeigen Würdigung wert sind (und zum Teil auch, in Ermangelung von Publizität, bedürfen) und solange man mir nicht eine ausreichende heterosexuelle Literatur vorzeigt, also eine die sich nicht auf Buchmessen mit Neuerscheinungen von Dieter Bohlen und Daniel Küblböck brüsten muss, werde ich weiterhin die Meinung vertreten, dass man keine Autoren- und/oder Themengruppe pauschal verhandeln kann. Zweifellos gibt es unter allen Autoren, Büchern, mithin jeder Literatur schwarze Schafe, auch ich habe mir einige von ihnen schon ins Regal gestellt, aber man kann nicht davon ausgehen, dass man vom Speziellen auf's Allgemeine schließen kann. So bin ich auch nicht der Meinung, dass generell jede Starbiographie (einschließlich Autobiographien) scheußlich ist, im Gegenteil es gibt mit Sicherheit auch gute; allein man findet sie nicht.
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#3 MatteoAnonym
  • 25.10.2004, 19:08h
  • Warum soll man als Schwuler denn auf Biegen und Brechen die Szene geil finden müssen? Ich kann den Krause verstehen, dass er sich von diesem oberflächlichen Treiben mit Grausen abwendet. Wenn das Foto aktuell ist, wird so einer doch allein schon wegen der Optik von oben herab behandelt oder bestenfalls ignoriert - und dafür soll man gute Worte finden?

    Und was sagt das über einen Schriftsteller aus, wenn er schon seine sexuelle Identität bemühen muss, um einen Verlag für sein Werk zu finden.
    Man kann nur mutmaßen, wie wohl andererseits ein Verlag seine Autoren wertschätzt, wenn die breite Öffentlichkeit kategorisch vom Marketing ausgeschlossen wird. Das muss wirklich ein gutes Buch sein, für das sich allenfalls Schwule interessieren.

    Aber kritische Stimmen mag man nicht hören in der rosa Welt. Da geht man lieber beleidigt in den Keller und kommt mit einem Fass Gurken wieder nach oben, hurra.

    Matteo
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