Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=18743
Home > Kommentare

Einzelkommentar zu:
Primaballerinen einmal anders


#16 finkAnonym
  • 10.03.2013, 14:33h
  • Antwort auf #14 von daVinci6667
  • "Mein Eindruck ist, das so überkommene Klischees und Rollenbilder transportiert werden."

    jein.

    ich glaube, ich verstehe, was du meinst und würde mich natürlich auch freuen, wenn es eine größere wahrnehmung der vielfältigen schwulen alltäglichkeiten gäbe.

    aber ich möchte hier ein paar ergänzende bemerkungen machen.

    erstmal ist anzumerken, dass es hier um bühnenunterhaltung und nicht um eine soziologie-dokumentation geht.

    zweitens finde ich wichtig zu sehen, dass die trocks nicht als "schwules ballet" auftreten, sondern als männerballet. woher will jemand wissen, dass die tänzer_innen mehrheitlich schwul sind? wir erwarten das wegen - genau: wegen der klischees in unseren eigenen köpfen. aber ist das die schuld der trocks?

    ich glaube auch nicht, dass sie "schwule" klischees abspulen. das wäre eine verkürzung dessen, worauf ihr humor zielt. da geht es vor allem um die seltsamen manierismen einer ziemlich eng umgrenzten kunstgattung, was auch (aber nicht nur!) die parodie der geschlechtsrollen beinhaltet.

    schon im original waren diese geschlechtsrollen eigentlich so künstlich übersteigert, dass sie fast als parodien gelten konnten, und hier bekommt die künstlichkeit noch eine weitere umdrehung. es geht nicht nur um die parodie der weiblichen rollen durch den austausch in männliche körper (wie das auch jede dorfkarnevalstruppe hinbekommt), sondern durchaus um einen angriff auf diese geschlechtsrollenklischees an sich. es werden nämlich auch die männlichen rollen (von männern) parodiert.

    mit schwul oder nicht schwul hat das meines erachtens zunächst nichts zu tun. wenn hier ein klischee erfüllt wird, dann vielleicht das, dass schwule männer statistisch gesehen eher zu einer ironischen sicht auf geschlechtsrollenklischees fähig sind und bereit, diese auch unter eigenem körpereinsatz bloßzulegen.

    ob die parodie wirklich ein geeignetes mittel ist, um geschlechtsrollenkonzepte zu dekonstruieren, darüber wird ja in der queer theory zu recht gestritten. unstrittig ist m.e., dass die offenlegung der künstlichkeit von "gender"-verhalten ein erster schritt sein kann.

    im schlechteren fall wird die spannung zwischen der annahme, "männlich" und "weiblich" seien natürliche dinge, und der erkenntnis, dass man sie auch umkehren oder auflösen könnte, einfach weggelacht. im besseren fall lockert man ein wenig seine eigene sicht darauf, was "geschlecht" ist oder sein muss - und was nicht.

    für mich stehen die trocks durchaus irgendwo zwischen camp und dekonstruktion. dass der "mann von der straße" vielleicht nur tuntenballet sieht, ist dann eher sein problem...
  • Antworten » | Direktlink » | zu #14 springen »

» zurück zum Artikel