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  • 10. März 2013 4 4 Min.

Autor Johannes J. Arens und Fotograf Dany Frede verspeisen Berliner, die Grundlage vor dem Kölschgelage (Bild: Vergangenheitsverlag)

Was kommt raus, wenn zwei Schwule (ein Autor, ein Fotograf) ein kölsches Kochkulturbuch veröffentlichen? Ein heimlicher Szeneguide…

Von Christian Scheuß

"Mumpf!" Johannes J. Arens hat gerade den Mund ganz schön voll auf dem Autorenfoto. Und ebenso sein Fotografenkollege Danny Frede. Sie verzehren Berliner, die in Berlin Pfannkuchen heißen und in Bayern Krapfen. Also eben diese in heißem Fett ausgebackenen, mit Marmelade gefüllten und Puderzucker bestäubten Hefeklopse, bei denen man nach dem Verzehr gefühlte zwei Kilo schwerer ist. Die aber eben wegen dieser Eigenschaft als Magenbeschwerer als eine traditionell gute Grundlage für ausgedehntes Kölsch trinken zu Silvester und Karneval im Rheinland gelten.

Und Kölsch – das weiß inzwischen auch jeder Berliner (Hauptstadtbewohner) – ist ja das einzige Nahrungsmittel, dass ausschließlich auf Kölner Boden produziert werden darf. Und es darf auch keinen anderen Namen als "Kölsch" tragen. Wer jetzt Hunger und Durst hat, bitte schnell zum Kühlschrank laufen und flugs zu diesem Artikel wieder zurückkehren. Wir wollen die Herren Arens und Frede schließlich noch etwas genauer vorstellen.

Schwule Gäste geben oft mehr für Essen aus


Fisch ob lesbisch? Der Bratfisch aus diesem Laden bleibt stumm... (Bild: Dany Frede)

Der eine – Johannes J. Arens – ist ein studierter Designer und Kulturanthropologe, der gerne Reportagen und sonstiges journalistisches Kunsthandwerk verfasst, was uns Bücherleser mit speziellem Interesse für die Region, in der man gerade lebt, bereits zwei wunderhübsche wie inhaltsreiche Veröffentlichungen beschert hat: "Nachschlag Berlin – Kultur des Essens und Trinkens in der Hauptstadt" sowie "Chorizo, Salame, Zervelat – Europas Zukunft und die Wurstkultur".

Der andere – Danny Frede – ist ein typischer Kölner: Zugereist, schwul, mit Schalk im Nacken. Und ausgestattet mit einem äußerst kreativen Händchen bei Grafikdesign und Fotografie. Er und der ebenfalls homo­sexuelle Esskulturspezialist haben sich zusammengetan um für das dritte Werk "Nachschlag Köln – Vom Essen und Trinken in der Rheinmetropole" viel zusammenzutragen, was es darüber zu berichten und zu sehen gibt. Ganz subjektiv in der Auswahl, ganz unterschiedlich in der Präsentation, und immer ausgesprochen appetitlich serviert auf rund 150 Seiten. Ganz nebenbei ist auch ein kleiner Kölner Szeneguide darin versteckt.

Der rheinländische Homo­sexuelle trinkt und speist ja schließlich auch gern. Und gern mal etwas teurer, wie Arens dem Magazin Männer im Februar im Interview verriet: "Es gbt ein kleines nichtschwules Restaurant in Köln, ein Russe und ein Kroate machen das im Zwei-Mann-Betrieb. Ich gehe da mit meinem Mann regelmäßig hin. Irgendwann hat uns der Betreiber gefragt: Was können wir machen, damit hier mehr schwule Gäste reinkommen? Warum er das will: Schwule Gäste geben oft mehr für Essen aus." Und – siehe Arens – sie bleiben dabei sogar schlank.

Auf dem Kölner CSD wird nicht nur Prosecco getrunken


Kölner Küche und Kultur – Lecker! (Bild: Vergangenheitsverlag)

Während wir lesend erfahren, dass Kölsch selbstverständlich auch zum CSD getrunken wird, sehen wir das Bild der Schenkwirtschaft "Palms Pief". Hier treffen sich gern die Mitglieder von "Andersrum rut-wiess – Erster schwullesbischer Fanclub des 1. FC Köln" nach dem Heimspielen. Ein Ort, wie er bürgerlicher nicht sein kann, an dem Schwule und Lesben aber ihren diskriminierungsfreien Stammplatz haben. Was etwas über die vielgelobte Toleranz der Rheinmetropole aussagt. Aber auch über die hier gern "inszenierte Bürgerlichkeit", wie Arens feststellt. Das zieht sich als roter Faden durch das gesamte Buch.

Gute Küche gibt es beispielsweise bei "HIVissimo". Küchenmeister Marco Welke erzählt im Interview, wie das Projekt der AIDS-Hilfe mit dem Mittagstisch funktioniert und warum es dort beinahe jeden Werktag so gerammelt voll ist. Es fehlt auch nicht der angeblich fest in lesbischer Frischbruzzel-Hand liegende Laden "Op der Fescheck" von Fisch Biggy in der Altstadt. Ob es stimmt, die Fische, die dort seit Jahrzehnten rausgetragen werden, sind alle stumm… Lale Akgün – die eifrig beim schwul-lesbisch angehauchten Kölner Kulturfestival "Sommerblut" mitmischt, öffnet die Mägen der Leserinnen und Leser für die orientalische Küche und ihre Traditionen, die in vielen Ecken Kölns Alltag sind: Vom Baklava-Shop bis zum Döner-Imbiss.

Infos zum Buch

Johannes J. Arens: Nachschlag Köln – Vom Essen und Trinken in der Rheinmetropole. Mit Fotografien von Danny Frede, Vergangenheitsverlag, 156 Seiten, Klappenbroschur, 22,90 EUR

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-w-

#1 carolo
  • 11.03.2013, 01:26h
  • Tja, knapp daneben ist auch vorbei.

    Das Fettgebäck, das der Kölner traditionsgemäß an Sylvester und Karneval zu sich nimmt - die Krapfen und die Muuzemändelcher - hat mit dem Berliner nicht viel mehr als die Zubereitungsart gemein.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.03.2013, 10:09h
  • Köln hat kulinarisch mehr als nur Kölsch und Flönz zu bieten!
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#3 LockieAnonym