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  • 20. März 2013 45 4 Min.

Jaa Volker Kauder, dieses besonders dicke Exemplar der Homo-Gurke geht an Dich! (Bild: Wiki Commons / CDU/CSU-Bundestagsfraktion / CC-BY-SA-3.0, Montage queer)

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag stemmt sich seit Wochen gegen die rechtliche Gleichstellung und drohte sogar indirekt, man könne die Eingetragene Lebenspartnerschaft auch wieder abschaffen. Dafür erhält er unsere Negativauszeichnung in Größe XXL.

Von Christian Scheuß

Mehrmals schon zuckte in den vergangenen Wochen die Hand in Richtung Küchenschrank, hin zu dem Glas mit den großen grünen Homo-Gurken, die die Redaktion für ganz besondere Anlässe und spezielle Gäste stets auf Vorrat hält. Immer dann nämlich stellte sich bei uns dieses Zucken ein, wenn auf dem Bildschirm eine tapfer lächelnde CDU-Bundestagsabgeordnete namens Katherina Reiche auftauchte und uns hanebüchenen Unsinn über irgendwelche zusammenbrechenden deutschen Keimzellen servierte.

Doch die dreifache Mutter und mit dem Landtagsabgeordneten Sven Petke verheiratete Staatssekretärin scheint eine Art Privatfeldzug gegen das für die so bedrohlich Homosexuelle zu führen. Und das mit einer Verbissenheit und Sturheit, die sie am Ende nur noch wie eine arme Wurst aussehen lässt. Da wäre die Gurke die falsche Sättigungsbeilage.

Wenn es um die Ehe geht, wird der Konservative gar radikal


Mit der Kanzlerin liegt Kauder (re.) ganz auf einer Diskriminierungslinie (Bild: Wiki Commons / CDU/CSU-Bundestagsfraktion / CC-BY-SA-3.0)

Aber dann gibt es da ja noch den Volker, Kauder mit Nachnamen. Da zuckt es ganz gewaltig. Ein strammes Mannsbild mit stramm-konservativer Gesinnung und einer wesentlich wichtigeren Position in der CDU-Hierarchie als Reiche. Er ist der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, spricht also für die Regierungspartei. Wenn er als Stellvertreter seiner Partei in Sachen Gleichstellung spricht, wird er sogar zum Radikalen:

"Ich bin ein Konservativer. Die Homo-Ehe lehne ich radikal als Fehlentwicklung ab", sagte Kauder zu stern.de. Von Spiegel Online auf Alexander Dobrindts Bemerkung, die Union müsse Stimme gegen eine schrille Minderheit sein, angesprochen, meinte er: "Der CSU-Generalsekretär wollte sicher darauf hinweisen, dass natürlich die Bedeutung der Partnerschaft von Mann und Frau in der Ehe nicht in der Debatte vergessen werden darf. Schließlich leben in einer Ehe immer noch die meisten Menschen."

Nach der Karlsruher Entscheidung zur Adoptionsregelung für Eingetragene Lebenspartnerschaften schlug Kauder vor: "Die Eltern, die ihr Kind zur Adoption frei geben, hätten die Möglichkeit zu sagen, in welche Familiensituation sie ihr Kind abgeben wollen. Wenn die Eltern bestimmen, dass ihr Kind in einer Familie mit Mutter und Vater aufwachsen soll, ist das ihr Wille – und verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden."

Drohung? "Lebenspartnerschaft kann man wieder abschaffen"


Der CDU-Fraktionschef am 17.3. in der ARD (Bild: Screenshot)

Und ganz frisch, im letzten "Bericht aus Berlin" vom Sonntag lieferte er einen weiteren Grund, der für ihn die heterosexuelle Ehe schützenswerter macht: "Weil aus dieser Beziehung Kinder hervorgehen, steht sie unter dem besonderen Schutz. Das heißt, die Lebenspartnerschaft könnte jederzeit wieder abgeschafft werden, aber nicht die Ehe."

Wir fassen zusammen: Das Menschen in Partnerschaften füreinander einstehen und dafür vom Staat einen verbindlichen wie einheitlichen Rahmen geliefert bekommen, ist eine "Fehlentwicklung". Weil die Mehrheit der Menschen in gemischtgeschlechtlichen Partnerschaften lebt, sind die Belange von Minderheiten unwichtig. Stattdessen soll es künftig die Möglichkeit der Diskriminierung geben durch Eltern, die sich durch Vorurteile getrieben gegen lesbisch-schwule Paare als Adoptionseltern aussprechen dürfen (Nebenbei: Dürfen sie dann auch ausschließen, dass ihr Kind nicht an Juden, Afrikaner oder Moslems geht?).

Und als Krönung des Ganzen: Die Eingetragene Lebenspartnerschaft ist deswegen weniger wichtig, weil man sie ja wieder abschaffen könne. Soll man das als Drohung verstehen, Herr Kauder? Muss ja doch wohl, schließlich wollen sie die Ehe nach all diesen "Fehlentwicklungen" ja keinesfalls öffnen. LSVD-Sprecher Manfred Bruns nannte dieses merkwürdige Verständnis zur Rechtssicherheit von Gesetzen schlicht "Unfug".

Wir gehen in unserer Beurteilung noch weiter. Seine Aussage, man habe nichts gegen Homo­sexuelle, ist eine fette Lüge. Seine Argumente gegen die Gleichstellung sind im Kern tief homophob. Sein Versuch, im Wahljahr das konservative Profil seiner Partei durch das Weitertragen von Vorurteilen auf Kosten einer Minderheit zu schärfen, ist brandgefährlich. Seine Weigerung – wie die der Kanzlerin – sich explizit auch als Vertreter von Minderheiten in einer Mehrheitsgesellschaft zu begreifen und durch entsprechendes Handeln in einer "Christlich Demokratischen Union" gar christliche Gesinnung zu beweisen, ist sehr bedauerlich.

queer.de verleiht deshalb Volker Kauder, dem Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, ganz persönlich und zum wiederholten Male, aber auch stellvertretend für alle anderen in seiner Partei, die diese homophobe Haltung mittragen, die Homogurke.

-w-

#1 YannickAnonym
  • 20.03.2013, 16:35h
  • Warum so bescheiden?

    Nicht nur Volker Kauder verdient eine Homo-Gurke, sondern JEDER in CDU, CSU und FDP...
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 MarekAnonym
  • 20.03.2013, 16:37h
  • "Das heißt, die Lebenspartnerschaft könnte jederzeit wieder abgeschafft werden, aber nicht die Ehe."

    Vielen Dank Herr Kauder, dass sie einen weiteren Grund liefern, warum die Eingetragene Partnerschaft immer ein Rechtsinstitut 2. Klasse sein wird und nur die Eheöffnung echte Gleichstellung ist.
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