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"Jenseits der Mauern"
Ein Keuschheitsrohr für den Lover
- 27. März 2013 2 Min.

Das Auf und Ab einer schwulen Beziehung: Der junge Pianisten Paulo zieht mit dem Musiker Ilir zusammen (Bild: Salzgeber Medien)
Jetzt im Kino: "Jenseits der Mauern" thematisiert ein schwules Beziehungs-Burnout – mit zwei genialen Hauptdarstellern.
Von Peter Fuchs
Schauspieler Matila Malliarakis fasziniert. Mit blondem Haarschopf, knabenhaftem Körper und virilem Bart gibt er den jungen Pianisten Paulo als schillerndes Mannkind. Malliarakis' Spiel lockt den Betrachter in den Transitbereich zwischen charmanter Zartheit und der maliziösen Kraft, andere zu manipulieren. Diese Mischung aus sympathischen und unsympathischen Seiten verleiht der Rolle aufregende Plastizität.
Gleiches gilt für den zweiten Mann in diesem Film: Auch Guillaume Gouix changiert in seiner Rolle als Musiker Ilir – zwischen harter Schale und weichem Kern, zwischen liebenswerten und abstoßenden Eigenschaften. Sein kräftiger Ilir wirkt sexy und authentisch. Vor allem passt aber die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern und sowohl Verliebtheit wie auch Sexszenen sind wunderbar nachvollziehbar anzuschauen.
Die verspielte schwule Romanze beginnt mit einer Suffnacht

"Jenseits der Mauern" läuft ab 28. März in ausgewählten Programmkinos
Paulo hat ursprünglich eine Freundin, landet nach einer Suffnacht mit Freunden aber im Bett des albanischstämmigen Ilir. Diese Ausflüge scheinen öfter vorzukommen, denn seine Freundin wirft ihn deshalb raus. Mit Sack und Pack steht er nun vor Ilirs Wohnungstür. Der ist darüber gar nicht erfreut, kennen sich die beiden doch erst seit kurzem. Er will seinen persönlichen Raum schützen, sich nicht in eine Beziehung zwingen lassen, aber Paulo bleibt hartnäckig und zieht ein. Und so beginnt eine verspielte Romanze.
Als Ilir die Stadt für zwei Tage wegen eines Musik-Gigs verlassen muss, beschließen sie, für immer zusammen zu bleiben. Diese Entscheidung ist passioniert auf der Bahnhofstoilette mit zartem SM-Dialog in Szene gesetzt. Paolos Penis bekommt dabei ein Keuschheitsrohr aus Metall übergezogen, abgesperrt mit einem Vorhängeschloss. Der Schlüssel dazu geht mit Ilir auf die Reise. Doch nach den zwei Tagen kehrt Ilir nicht zurück. Vorerst.
Regisseur David Lambert liefert in seinem Debüt das klare Portrait einer Beziehung. In ruhigen und meist statischen Bildern zeigt er das Aufflackern der Leidenschaft bis zu ihrer Erschöpfung. Dieser Burn-out ist zwar kein besonders origineller Stoff, aber durch das sehenswerte Spiel der beiden Protagonisten dennoch so gelungen wie die Vorbilder "Weekend" und "Keep the Lights on".
Jenseits der Mauern (Originaltitel: Hors les murs). Belgien/Kanada/Frankreich 2012, Regie: David Lambert. Darsteller: Matila Malliarakis, Guillaume Gouix, David Salles, Mélissa Désormeaux-Poulin. Laufzeit: 98 Minuten. Französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Salzgeber. Deutscher Kinostart: 28. März 2013.
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Die meisten schwulen Paare, die ich so kenne, und das sind ziemlich viele Paare, sind fernab von diesen Problem beladenen Filmen und insbesondere die ganzen diversen Sexpraktiken wie S/M oder Fisten spielen da bei den allermeisten Paaren keine Rolle; ich kenne sogar eine ganze Reihe schwuler, langjähriger Paare, die auch Analsex nicht mögen und denen Streicheln, Kuscheln und Oralsex genügt.
Warum müssen die LGBT Filme zu schwulen Paaren immer so weit in die Fetisch-, Sex- und SM-Ebene abgleiten ???
Ich kann mir das nur so erklären, dass die wenigen schwulen Filmregisseure dieser Filme in der Regel wesentlich "abgedrehter" leben als der Durchschnittsschwule in Deutschland. Das können diese Filmregisseure auch gerne leben und ich habe Nix dagegen, wie wer und was für Sexpraktiken hat - aber mein Eindruck ist, dass die Mehrheit der durchschnittlichen schwulen Paare nunmal nichts mit SM oder Fisten "am Hut hat".
Oder es liegt daran, dass ein schwuler Film, wo ein Durschnittspaar mit täglichem Gang zur Arbeisstelle und Aufstehen sowie Fahrt zur Arbeit, Gespräche mit Kollegen am Tag, usw. sich "schlecht" verkaufen läßt, weil es den Zuschauer an den eigenen Alltagstrott zu sehr erinnert.
Mir sind viele der schwulen Filme einfach zu abgedreht und haben wenig mit dem wirklichen Alltag der meisten schwulen Deutschen zu schaffen.
Ob ich mir den Film anschaue, weiß noch nicht, da mich der vorliegende Queer-Bericht doch eherskeptisch sein läßt.