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Gleiche Rechte für Schwule und Lesben
Neuseeland öffnet die Ehe
- 17. April 2013 2 Min.

Die Oppositionspolitikerin Louisa Wall hat den Gesetzentwurf zur Ehe-Öffnung eingebracht - und anders als in Deutschland zeigte sich die konservative Regierung einsichtig
Neuseeland hat die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet.
Das neuseeländische Parlament hat am Mittwoch in dritter Lesung das Gesetz zur Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren im Eherecht mit 77 zu 44 Stimmen verabschiedet. Die Abgeordneten hatten zuvor zwei Stunden lang debattiert. Für die Abstimmung wurde der Fraktionszwang aufgehoben, nachdem die regierenden Konservativen das Thema zur Gewissensfrage erklärt hatten. Die linke Opposition befürwortete fast einhellig die Ehe-Öffnung und wurde von mehreren konservativen Abgeordneten unterstützt.
Nach Bekanntgabe des Ergebnisses brach Jubel bei vielen Abgeordneten und auf der Besuchertribüne aus. Vor dem Parlament feierten hunderte Homo-Aktivisten die Entscheidung. Der Labour-Abgeordneten Louisa Wall, die den Gesetzentwurf eingebracht hatte, wurden Blumen überreicht.
Es gibt nur eine Parlamentskammer in Neuseeland, daher muss jetzt nur noch der symbolische Akt der "königlichen Zustimmung" erfolgen. Das Gesetz wird dann drei Monate später in Kraft treten. Neuseeland ist das erste Land in Ozeanien, das Homosexuelle im Eherecht gleichstellt. Damit sind jetzt gleichgeschlechtliche Eheschließungen auf allen Kontinenten außer in Asien möglich.
"Hochzeit, Kinder und Haus mit Gartenzaun"
In der Debatte erhielt insbesondere die grüne Abgeordnete Mojo Mathers Applaus, als sie die Geschichte ihrer lesbischen Tochter erzählte, die das erste Mal mit deren Partnerin an einem formalen Empfang teilgenommen hatte: "Wie so viele andere junge Frauen wollte sie Liebe, eine Hochzeit, Kinder und ein Haus mit einem Gartenzaun." Das alles sei natürlich gewesen für ihre heterosexuelle Schwester. "Es ist mir sehr wichtig, dass beide vor dem Gesetz gleich behandelt werden", sagte Mathers.
Gegner der Gleichstellung erklärten, sie hätten nichts gegen homosexuelle Beziehungen einzuwenden, die Ehe sei jedoch seit Jahrtausenden eine Verbindung zwischen Mann und Frau. "Ich glaube, unsere Gesellschaft ist in dieser Frage gespaltener als das Parlament", sagte der konservative Abgeordnete Jonathan Young während der Debatte. Insbesondere die katholische Kirche und die christliche Lobbygruppe "Protect Marriage" hatten sich bis zuletzt gegen die Gesetzesreform ausgesprochen.
2005 hatte Neuseeland bereits eingetragene Partnerschaften für Schwule und Lesben eingeführt. Sie beinhalten derzeit praktisch die gleichen Rechte wie für Ehepaare mit Ausnahme des vollen Adoptionsrechts. Nach dem neuen Gesetzentwurf sollen Homo- und Hetero-Paare ausnahmslos gleichgestellt werden. Laut Umfragen befürworten mehr als zwei Drittel der Neuseeländer die Gleichbehandlung im Ehe-Recht.
Erst vor gut einer Woche hatte Uruguay die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben beschlossen (queer.de berichtete). (dk)
Links zum Thema:
» Marriage (Definition of Marriage) Amendment Bill (auf Englisch)
Mehr zum Thema:
» Neuseeland will Ehe bis August öffnen (15.04.13)














