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- 29. Oktober 2004 2 Min.
Wetzlar Im hessischen Wetzlar kämpft ein örtlicher CDU-Landtagsabgeordneter mit allen Mitteln gegen einen schwulen Lehrer. In dem von dem Abgeordneten Hans-Jürgen Irmer herausgegebenen Anzeigenblatt "Wetzlarkurier" wird ein schwuler Lehrer kritisiert, der "sich im Internet präsentiert, seine Vorlieben deutlich macht", gar "prostituiert" – der betroffene, nicht namentlich genannte Mann hatte in einem schwulen Portal ein Profil veröffentlicht. Die CDU sei davon von besorgten Eltern in Kenntnis gesetzt worden und fordere nun ein Disziplinarverfahren samt Versetzung, so der Bericht. Irmer habe die Kultusministerin informiert. Der Zeitungsbericht verweist auf Dr. Christl Vonholdt und übernimmt deren Meinung, dass Homosexualität heilbar sei. Angesichts dieser "Kenntnisse" sei auch ein Umdenken im Sozialministerium notwenig, das entsprechende "Heilungs"-Angebote fördern solle, fordert Irmer, der auch stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass der "Wetzlarkurier" polarisiert. EU-Kommissar Günter Verheugen müsste man wegen der Verhandlungen zum EU-Beitritt der Türkei "im Grunde genommen wegen Hochverrat an Deutschland anklagen", schrieb die Zeitung kürzlich. Die grüne Landtagsfraktion in Hessen legte darauf Beschwerde beim Presserat in Bonn ein. "Seit Jahren schürt Hans-Jürgen Irmer im 'Wetzlarkurier' Ressentiments gegen Minderheiten und Ausländer. (…) Es wird Zeit, dass Schluss ist mit dem monatlichen Gebräu aus CDU-Propaganda, Vorurteilen und Stimmungsmache gegen Minderheiten", sagte dazu die aus dem Lahn-Dill-Kreis kommende Abgeordnete und medienpolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz.
Kritik auch an Antidiskriminierungsgesetz, Homo-Ehe
Online sind weitere homofeindliche Artikel der Zeitung abrufbar. So wird dort unter der Überschrift "Rot-grünes Antidiskriminierungsgesetz führt zur Diktatur der Minderheit" folgendes Beispiel gebracht: "Wenn Sie als Vermieter Ihre Wohnung einem Schwulenpaar nicht vermieten möchten, was Sie heute ohne Angaben von Gründen natürlich können, dann kann das abgelehnte Schwulenpaar auf der Basis des Antidiskriminierungsgesetzes Klage erheben, und Sie als Vermieter müssen den Beweis dafür antreten, dass Sie nicht diskriminiert haben. (…) Sollte der Klage stattgegeben werden, droht eine Höchststrafe von einem Jahr Gefängnis. Außerdem kann eine Klage auf Schadenersatz auf Sie zukommen. Kurzum, es wird teuer." Auch für die Ablehnung der Homo-Ehe liefert die Zeitung eine eigene Begründung: "Wenn der schwule Regierende Bürgermeister von Berlin, Wowereit, öffentlich erklärt, so Irmer, dass es gut sei, dass er schwul sei, dann zeige dies nur dessen Kurzsichtigkeit. Abgesehen davon, dass schwule Paare logischerweise keine Kinder bekommen, muss man doch einmal sehr deutlich sagen, hätte Vater Wowereit die gleiche Auffassung wie sein Junior gehabt, würde es den Junior heute nicht geben. So einfach ist die Welt." (nb)
Links zum Thema:
» Ausschnitt aus dem Wetzlar-Kurier
» Wetzlar-Kurier online
» queer.de-Bericht zu Dr. Vonholdt















Und vonwegen: Schwul sein ist heilbar -- da muss ich doch mal wieder kräftig ablachen.
Und übrigens: Der Grund für die heutige Misere in Deutschland und in der Politik, der liegt nicht allein an den Rot-Grünen, denn was die sogenannten "Schwarzen" in Jahrzehnten kaputt gemacht haben, kann Rot-Grün auch nicht von heute auf morgen wieder aufbauen. Ich kann absolut nicht nachvollziehen, dass es heutzutage immer noch schwule gibt, die immer und immer wieder CDU wählen. Ich zumindest NICHT