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Bradley Manning
CSD San Francisco: "Staatsfeind" als Schirmherr?
- 29. April 2013 3 Min.

Bradley Manning wird derzeit wegen Gehimnisverrats der Prozess gemacht - ihm droht eine lebenslange Haftstrafe
Während deutsche CSDs mit ihrem Umgang mit der CDU ringen, gibt es in San Francisco Streit darüber, ob der wegen Geheimnistverrats angeklagte schwule Ex-Soldat Bradley Manning Schirmherr werden soll.
Der CSD San Francisco hat dementiert, dass der seit 2010 vom US-Militär inhaftierte Gefreite Bradley Manning zum Schirmherrn ("Grand Marshalls") der Veranstaltung ernannt wurde. Am Donnerstag hatten die Organisatoren in einer Pressemitteilung Manning als Sieger einer Abstimmung von ehemaligen Schirmherren gefeiert. Das wurde aber am Tag darauf in scharfen Worten von Lisa Williams, der Vorstandschefin des San Francisco Pride, dementiert. Sie sagte auch, dass der für die Pressemitteilung verantwortliche Mitarbeiter "diszipliniert" worden sei.
"Die Nominierung war ein Fehler und hätte nie passieren dürfen", erklärte Williams. Sie sagte, der Fall Manning sei zwar im Vorstand diskutiert worden, eine Entscheidung für eine Nominierung sei aber nicht gefallen – ganz im Gegenteil: "Die Führung des CSD San Francisco wird nicht die Unterstützung von Taten tolerieren, die das Leben unserer Männer und Frauen in Uniform gefährdet – und das von zahllosen anderen Menschen, sowohl Militärangehörige als auch Zivilisten." Sie bezeichnete den Geheimnisverrat Mannings als "Beleidigung jeder Person – egal ob hetero oder homo – die je im Militär gedient hat."
Der inzwischen 25-jährige Manning war vor rund drei Jahren festgenommen worden, weil er geheime Videos und Dokumente des US-Militärs kopiert und an die Plattform WikiLeaks weitergeleitet haben soll (queer.de berichtete). Dazu sollen unter anderem die Videoaufnahmen des Beschusses und Todes irakischer Zivilisten und Journalisten durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber am 12. Juli 2007 in Bagdad zählen, die von WikiLeaks unter dem Titel "Collateral Murder" bearbeitet und veröffentlicht wurden.
Manning, der Berichten zufolge unter dem Versteckspiel durch die "Don't ask, don't tell"-Regelung gelitten haben soll, muss sich deshalb vor einem Militärgericht verantworten. Bei diesen Gerichten haben Angeklagte weniger Rechte als vor Zivilgerichten. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf die mögliche Forderung nach der Todesstrafe, sondern fordert "nur" lebenslange Haft.
Viel Kritik an Ausschluss Mannings

Konzerne sind beim CSD willkommen, schwule WikiLeaks-Aktivisten dagegen nicht (Bild: Marilyn Roxie / flickr / by 2.0)
Die Entscheidung hat für viel Emotionen unter Bloggern und Kommentatoren gesorgt. Manning gilt in der Bevölkerung mehrheitlich als Verräter und Staatsfeind, der seine Kameraden durch die Veröffentlichungen gefährdet habe. Andere fordern seine sofortige Freilassung, weil er Kriegsverbrechen aufgedeckt habe. In einem Kommentar kritisiert etwa die linksliberale britische Tageszeitung "The Guardian", dass eine Figur wie Manning für die CSD-Organisatoren zu kontrovers sei, aber zweifelhafte Konzerne als Sponsoren willkommen geheißen werden würden. So würde der CSD etwa vom Rundfunkkonzern "Clear Channel" unterstützt, der sein Geld insbesondere mit rechtspopulistischen Radiokommentatoren wie Rush Limbaugh, Sean Hannity und Glenn Beck verdient.
Auf der Facebook-Seite des Pride ist eine emotionsgeladene Diskussion ausgebrochen. In den meisten Beiträgen wird Manning unterstützt, während die CSD-Organisatoren als "Feiglinge" bezeichnet werden. Andere kritisieren, dass eine kleine Gruppe von linken Aktivisten den CSD für ihre eigenen Zwecke missbrauchen wolle. Man sollte sich stattdessen auf Themen konzentrieren, die direkt mit LGBT-Rechten zu tun haben. (dk)
Links zum Thema:
» San Francisco Pride
» Bradley Manning Support Network











Hoffentlich wird er eines nicht allzu fernen Tages noch begnadigt und rehabilitiert.