https://queer.de/?19151
Schwule Wissenschaftler sind "egoistisch"
Harvard-Professor entschuldigt sich für homophobe Äußerungen
- 06. Mai 2013 3 Min.

Der 49-jährige Niall Ferguson gehört zu den meistzitierten Historikern (Bild: Chatham House / flickr / by 2.0)
Die Theorien des Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes seien wegen dessen Homosexualität "fehlerhaft", hatte Niall Ferguson vergangene Woche behauptet – inzwischen tun dem Schotten die Äußerungen leid.
Am Samstag hat sich der Harvard-Professor und populärwissenschaftliche Autor Niall Ferguson für homosexuellenfeindliche Äußerungen bei einer Konferenz in Carlsbad (US-Bundesstaat Kalifornien) entschuldigt. Ferguson hatte am Donnerstag behauptet, dass dem 1946 verstorbenen John Maynard Keynes die Zukunft egal gewesen sei, weil dieser schwul und kinderlos gelebt habe. Darum seien die keynesianischen Theorien, die staatlich gelenkte Volkswirtschaft und den Wohlfahrtstaat propagieren, falsch und schädlich für die wirtschaftliche Entwicklung.
Bei der "Altegris Conference" sprach Ferguson vor 500 Finanzberatern und Investoren über die Theorien von Keynes im Vergleich zu denen von Edmund Burke, einem heterosexuellen Vertreter des klassischen Liberalismus. Er sagte bei einer Fragerunde, dass Keynes keine Kinder hatte, homosexuell war und mit einer Ballerina verheiratet gewesen sei, mit der er nur über "Poesie" gesprochen habe, anstatt sich fortzupflanzen. Aus diesem Grund hätte Keynes eine "egoistische" Weltsicht gehabt, die in seinen Theorien zum Ausdruck gekommen und nicht zukunftssicher sei.
"Uneingeschränkte" Entschuldigung
Nach heftiger Kritik von amerikanischen Bürgerrechtsaktivisten und Bloggern erklärte Ferguson 48 Stunden nach der Konferenz auf seiner Website, dass ihm die Äußerungen leid täten. Sie seien "dumm und gefühllos" gewesen. Er sei wegen Keynes' berühmten Satz "Auf lange Sicht sind wir alle tot" angesprochen worden und habe sagen wollen, dass die Kinder, Enkel und Ur-Enkel für die wirtschaftlichen Entscheidungen der Gegenwart gerade stehen müssten.
Er hätte dies aber nicht mit der Kinderlosigkeit oder der Homosexualität von Keynes in Zusammenhang bringen dürfen: "Dass ich Keynes' wirtschaftlicher Philosophie nicht zustimme, hat nichts mit seiner sexuellen Orientierung zu tun", so Ferguson. "Meine Kollegen, Studenten und Freude – egal ob hetero- oder homosexuell – sind zurecht von mir enttäuscht. Ich bin es auch". Daher entschuldige er sich "uneingeschränkt".
Die keynesianische Theorie ist in der augenblicklichen Wirtschaftskrise in Europa von Bedeutung, da der britische Wissenschaftler für Krisenzeiten höhere Staatsausgaben fordert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dagegen übt unter anderem die deutsche Bundesregierung Druck auf ärmere EU-Staaten aus, ihre Ausgaben einzuschränken, um nicht mehr Geld auszugeben als eingenommen wird.
Ferguson unterstützt diese Bestrebungen und warnt vor Eingriffen des Staates. Der mit der somalisch-niederländischen Frauenrechtlerin und Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali verheiratete Schotte ist bekannt geworden durch Bücher wie "Der Aufstieg des Geldes: eine Finanzgeschichte der Welt" und ist Kolumnist von "Newsweek", "Bloomberg" und anderen Publikationen. Er produzierte und präsentierte auch TV-Dokumentationen zur Wirtschaftspolitik. In den USA unterstützte er bei den beiden letzten Präsidentschaftswahlen die unterlegenen republikanischen Kandidaten John McCain und Mitt Romney. (dk)














Na, dann weiss man ja woher der Wind weht.Scheinbar können für die Interessenten seiner Theorien, die Menschen gar nicht arm genug sein. Ich frag mich dann nur immer an wen sie ihre Produkte verkaufen wollen, wenn alle arm sind.