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Angst vor Coming-out
Mindestens acht Schwule in englischer Profiliga
- 06. Mai 2013 2 Min.

Ausschnitt aus dem isländischen Spielfilm "11 Men Out": Coming-outs im Profifußball gibt es allerdings seltener in der Wirklichkeit
Auch in England gibt es eine Debatte über schwule Fußballer: Der Chef der Spielergewerkschaft will acht Profis kennen, die ihre Homosexualität vor der Öffentlichkeit geheim halten.
Die britische Zeitung "Observer" meldet, dass mindestens acht Spieler aus den englischen Fußball-Profiligen der Gewerkschaft "Professional Footballers' Association" bekannt seien. Demnach hätten sich die Spieler gegenüber dem Gewerkschaftsvorsitzenden Clarke Carlisle offenbart, der für den Drittligisten Northampton Town als Verteidiger im Aufgebot steht. Die Spieler sollen aus Angst vor der Reaktion der Öffentlichkeit ihre sexuelle Orientierung geheim halten. Die Angst vor den Kollegen soll nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Erst vor rund drei Monaten hatte sich der 25-jährige Amerikaner Robbie Rogers vom englischen Drittligisten Stevange FC geoutet. Er hat seine Karriere danach sofort beendet (queer.de berichtete). Für Chris Basirski von der Homo-Gruppe "Gay Football Supporters Network" ist die Zurückhaltung beim Coming-out nicht überraschend: "Die Gefahr beginnt, wenn ein Spieler sein Coming-out hat und zunächst viel Aufmerksamkeit und Unterstützung erhält, dann aber schwach spielt. Es geht die Angst um, dass die Fans dann einen Aufstand machen und das mit der Sexualität in Verbindung gebracht wird." Die Reaktion der Fans sei aber nicht vorhersehbar, da es seit über 20 Jahren kein Coming-out eines aktiven Spieler gegeben hat.
Bisher nur ein Coming-out
Bis heute hat sich in England nur ein Spieler während seiner Karriere geoutet, allerdings mit bitteren Konsequenzen: Justin Fashanu machte 1990 seine Homosexualität publik. Zuvor war er in seiner Mannschaft Nottingham Forrest von seinem Trainer Brian Clough als "verdammte Schwuchtel" beschimpft und wegen seiner sexuellen Orientierung aus dem Team gedrängt worden. Er wurde von Fans und Teams nach seinem Coming-out gemieden, spielte in Europa und den USA nur noch für unterklassige Vereine. 1998 nahm er sich im Alter von 37 Jahren unter mysteriösen Umständen das Leben.
Auch in Deutschland gibt es Berichte über schwule Fußballer, die ihre sexuelle Orientierung geheim halten. So hat das Magazin "Fluter" im vergangenen Jahr ein Interview mit einem anonymen schwuler Profi veröffentlicht (queer.de berichtete). Der Deutsche Fußballbund will in Kürze ein Strategiepapier herausgeben, mit dem die Beteiligten für das mögliche Coming-out eines Spielers sensibilisiert werden sollen. Es sollte Ende Februar veröffentlicht werden, wegen der Komplexität des Themas verzögert sich der Leitfaden jedoch um einige Monate (queer.de berichtete). (dk)















Nun, homophobe Verbalangriffe sind ähnlich wie rassistische Verbalangriffe. Die Mehrheit der Öffentlichkeit lehnt sie ab und verurteilt sie. Für rassistische Verbalangriffe in den Stadien gibt es Strafen. Diese Strafen sollte es also ebenso für homophobe Verbalangriffe geben. Gegebenenfalls müssen, wenn bestimmte Fans einer Mannschaft homophobe Verbalangriffe starten, alle Fans dieser Mannschaft für eine gewisse Anzahl von Spielen dieser Mannschaft ausgeschlossen werden. Das ist eine passende Erziehungsmaßnahme. Genauso werden ja auch in Deutschland alle Fans einer Mannschaft von einer gewissen Anzahl von Spielen dieser Mannschaft ausgeschlossen, wenn sie randalieren. Diese Erziehungsmaßnahme funktioniert auch.
Am besten wäre es, wenn die Medien gezielt versuchen, einzelne homophobe Sprücheklopfer zu identifizieren und öffentlich in den Massenmedien an den Pranger zu stellen. Dann werden die allermeisten Angst haben homophobe Sprüche zu klopfen, weil sie dann Angst haben von den Massenmedien vor der gesamten Öffentlichkeit sehr negativ dargestellt zu werden.
Ansonsten brauchen schwule Fußballprofis sich eigentlich vor nichts zu fürchten, oder? Im Grunde brauchen diejenigen schwulen Fußballprofis, die überlegen sich zu outen, nur zu überlegen, dass die homophoben Menschen einfach nur dumm und mit ihrem eigenen Leben unzufrieden sind, und deswegen Homosexuelle (wie potenziell jede andere Minderheit auch) zu Sündenböcken machen und ihnen verbal einheizen wollen. Man braucht also nur das Bewusstsein, dass die homophoben Sprücheklopfer dumm wie Brot sind und in ihrem eigenen Leben kaum was gebacken kriegen.
Coming Outs von schwulen oder bisexuellen Bundesligaprofis wären jedenfalls sehr hilfreich um schwulen oder bisexuellen Jugendlichen Vorbilder zu geben und zu zeigen, dass man auch megagut Fußball spielen kann, unabhängig von der sexuellen Identität. Dass man sozusagen alles werden kann. Außerdem würde das die Politik und vor allem die CDU/CSU stark unter Druck setzen, weil dann wieder die rechtliche Diskriminierung von Homosexuellen in den medialen Mittelpunkt rückt. Daher wäre es für die Situation aller Schwulen, Lesben und Bisexuellen in diesem Land (und auch woanders in der Welt) äußerst hilfreich, wenn sich schwule oder bisexuelle Fußballprofis bekennen würden. Wir leben jetzt mittlerweile im Jahr 2013, und es ist unverkennbar, dass die geistige Wende bei diesem Thema schon vollzogen ist, und Schwule, Lesben und Bisexuelle bald gleiche Rechte haben werden und Homophobie ebenso wie Rassismus gesellschaftlich kurz gestutzt und geächtet wird. Die Frage ist nur noch wie schnell gleiche Rechte kommen werden. Und ein Coming Out eines schwulen Bundesligaprofis kann dazu beitragen diesen Prozess zu beschleunigen.
Am besten wäre es, wie schon öfters gesagt, wenn sich schwule Bundesligaprofis zusammentun und gemeinsam outen würden. Es würde dem Fußball und der Gesellschaft und insbesondere der Situation von Jugendlichen in Schulen nachhaltig gut tun, wenn es bald ein Coming Out von Fußballprofis geben würde. Außerdem bin ich mir sicher, dass die Werbeindustrie den Fußballprofis, die sich geoutet haben, Werbeverträge anbieten wird, so dass ich nicht glaube, dass die Spieler sich ums Finanzielle sorgen machen müssen. Wenn man selbstbewusst an die Sache rangeht, dann würde das eine gute Sache sein und auf breite gesellschaftliche Akzeptanz stoßen. Wir leben ja mittlerweile im Jahr 2013...