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  • 12. Mai 2013 27 3 Min.

Dr- Heinz-Jürgen Voß arbeitet am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Uni Halle-Wittenberg

In seinem Band "Biologie & Homosexualität" beschäftigt sich Heinz-Jürgen Voß mit der noch immer ergebnislosen Forschung nach der "Ursache" der gleichgeschlechtlichen Liebe.

Von Ulrike Kümel

Thema dieses Sachbuches sind die bio-medizinischen Erklärungsbemühungen für (überwiegend männliche) Homosexualität. "Autor_in" (Eigenbezeichnung) Heinz-Jürgen Voß stellt heraus, dass Homosexualität historisch ein neues Konstrukt ist – Jahrtausende lang dachten Menschen weder heteronormativ noch zweigeschlechtlich, so dass kein Bedarf an der Erfindung einer homosexuellen Identität bestand. Im Mittelpunkt steht daher, wie diese eng mit der sich etablierenden bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und mit den früheren und heutigen Bevölkerungspolitiken verbunden sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass stur einfach immer weitergeforscht wurde, obwohl man über Jahrzehnte extrem intensiver Forschung keine Ursache für Homosexualität finden konnte.

Es ist ein kleiner und sehr kompakt geschriebener Band. Voß zitiert aus rund 140 Büchern, empfiehlt 50 weitere und bietet für Wissenschaftler_innen eine gute Arbeitshilfe. Es ist dennoch für interessierte Laien leicht verständlich, weil es gut gegliedert und lesbar geschrieben ist; zudem befindet sich am Ende eine "zusammenfassende Darstellung der zentralen Studien zur Biologie männlicher (und weiblicher) Homosexualität".

Die Absurdität des Themas erzeugt unfreiwilligen Humor


Auch schwule Männer selbt beteiligten sich an wissenschaftlich unseriösen Untersuchungen zur "Herkunft" der Homosexualität

Hier könnte diese Buchbesprechung zu Ende sein. Es soll noch vermittelt werden, dass wegen der Absurdität des Themas unfreiwilliger Humor entsteht. Es drängt sich der Eindruck auf, dass in der Biologie und Medizin das gesamte Arsenal der wissenschaftlichen Erklärungsmöglichkeiten durchdekliniert wurde und wird, um unbedingt eine biologische Ursache für Homosexualität zu finden: Mal geht es um anatomische Differenzen im Gehirn, dann glaubt man eher den Hormoneinwirkungen auf selbiges, zuvor verdächtigte man die Keimdrüsen und danach soll es an der Vererbung liegen und zugleich spricht die Immunologie von "antimännlichen Antikörpern". Es werden Gehirne seziert, Zwillingsforschung angestellt, Genketten analysiert, Statistiken errechnet, die Psychologie bemüht und von den Findern des "Gottesgens" wurde auch ein "Homogen" lokalisiert.

Auch unterschiedlichste Anlässe gibt es: Mal geht es darum, Homosexualität zu heilen wie eine Krankheit, dann wiederum sie wegzutherapieren, dann wieder ist es eine Degeneration und dann wiederum eine Entschuldigung: wenn es eine biologische Veranlagung ist, dann könne man hierfür nicht bestraft werden. Übrigens verhalten sich Homo­sexuelle nicht unbedingt vernünftiger, sondern treiben mit eigenen (durchaus auch wissenschaftlich unseriösen) Untersuchungen das Karussell an und schaufeln sich damit ihr Grab selbst.

Klingt alles sehr absurd und spannend, denn das meiste wird den Lesern vage bekannt vorkommen. Dass diese Homo-Forschung heute noch ungebrochen weitergeführt wird, ist beunruhigend. Unwillkürlich fragt man sich, wofür dies eines Tages benutzt werden soll und wo es hinführen wird.

Infos zum Buch

Heinz-Jürgen Voß: Biologie & Homosexualität. Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Sachbuch. 88 Seiten. Unrast Verlag. Münster 2013. 7,80 €. ISBN 987-3-89771-122-8

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-w-

#1 Jadughar
  • 12.05.2013, 16:56hHamburg
  • Wohin es führen soll?
    Hoffentlich zu der Erkenntnis, daß jedes Lebewesen eine Persönlichkeit besitzt, die durch ihre eigene Natur bestimmt wird. Ich habe viele Rinderhirne seziert und festgestellt, daß kein Gehirn dem anderen gleicht. Alle waren verschieden, genauso verschieden wie die Rinderpersönlichkeiten. Jede Maus ist verschieden, jede Soinne! Daran kann nicht viel geändert werden. Es gibt auch Parallelen. Alles ist kunterbunt!

    Nur religiöse Idioten, wollen nicht begreifen, daß es so ist. Vielleicht liegt ihre Idiotie, ihre Begriffsstutzigkeit ebenfalls in ihrer Natur begründet und sie können nicht anders!
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#2 chris
  • 12.05.2013, 17:58hDortmund
  • "Dass diese Homo-Forschung heute noch ungebrochen weitergeführt wird, ist beunruhigend."

    Natürlich ist diese Forschung für uns beunruhigend. Sind Waffen, Kampfstoff und Atomforschung auch. Der Mensch forscht trotzdem immer weiter. Und egal, ob der Forscher gute oder böse Absichten hat - was daraus gemacht wird, ist eine Frage der Ethik. Wir können diesen Leuten nicht verbieten, nach den Ursachen für Homosexualität zu forschen. Wir können nur versuchen dafür zu sorgen, dass niemand ein Interesse daran hat, eine Heilungsmethode zu erlauben.
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#3 BjörnarAnonym
  • 12.05.2013, 18:50h
  • Jahrtausendelang gab es keine Heteronormativität? Ich würde sagen, seit Menschengedenken hat schon immer die Heteronormativität vorgeherrscht, die erst seit relativ kurzem infrage gestellt wird. Und das ist auch höchste Zeit.
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