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Mutti gegen Goliath
Gayromeo: Nackte Zahlen gegen Prüderie
- 17. Mai 2013 4 Min.

Zuviel nackte Haut? Ist manchmal wirklich nicht schön, was wir da zu sehen bekommen. Nur wer bestimmt, was wer sehen darf? (Bild: Screenshot Gayromeo)
Erst drohte Apple mit dem Rauswurf der App, jetzt macht auch Google Zoff. Zu viel nackte Haut beim Onlinedating, meinen die US-Firmen. Gegenwehr formiert sich.
Von Christian Scheuß
Bahnt sich da etwa ein Kulturkampf an, der sich bei den schwulen Dating-Apps gerade eben entzündete? Vor wenigen Wochen zwang Apple die Plattform Gayromeo, seine App für das iPhone von allem, was irgendwie nach einem Hauch nackter Haut aussieht, zu befreien. Eine blaue Flamme ziert seitdem auch die Stellen, wo zuvor Männer stolz ihre Brust zeigten. Genitalien und sexuelle Handlungen waren von Anfang an "Too Hot" für den Konzern. Jetzt gilt der Nippelalarm für Softcore-Inhalte auch bei der App des Android-Betriebssystems, das von Google zur Verfügung gestellt wird.
Gegen die Einschränkungen will man sich nun wissenschaftlich wehren. Die niederländische Betreiberfirma Planetromeo B.V. hat gemeinsam mit Medien- und Kommunikationswissenschaftlern der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz die "Online Nudity Survey" ins Leben gerufen. Seit Mittwoch sind die weltweit rund 1,5 Millionen Gayromeo-Nutzer aufgerufen, ihre Meinung zum Thema statistisch erfassen zu lassen.
Wer darf entscheiden, was konform ist: Konzerne oder Käufer?

Userzahlen Gyromeo, Mai 2013: Können 1,5 Millionen milliardenschwere US-Konzerne beeinflussen? (Bild: Screenshot)
Es ist keineswegs eine Verschärfung der Prüderie, oder gar Homophobie, wie manche User bereits mutmaßten. Es werden schlicht die seit längerem bestehenden Geschäftsbedingungen – genauer gesagt deren Interpretationen – sukzessive durchgesetzt. Beim Aufräumen scheint man sich derzeit auf Deutschland zu konzentrieren. So beschwerte sich im Februar Achim Albers vom Hamburger Himmelstürmer Verlag über Apple: "In den letzten Wochen wurden nunmehr elf Titel aus unserem Verlag zurückgewiesen. Teilweise Bücher, die schon seit geraumer Zeit bei Apple online verfügbar waren und seit vielen Jahren nie beanstandet wurden." Die Begründung der privatwirtschaftlichen Sittenwächter: "Bei den angesprochenen Titeln handelt es sich um erotische Inhalte, die Minderjährige involvieren. Solche spezifischen Inhalte bieten wir nicht an. Wir vertreten eine globale Sichtweise und setzen das Alter bei 18 Jahren an."
Google schien bei seinen über den Google Store vertriebenen Apps bislang liberaler zu sein, doch nun werden auch hier die amerikanischen Wertevorstellungen durchgedrückt, die aus europäischer Sicht prüde und inkonsequent wirken. Inkonsequent vor allem, da beispielsweise beim Google-Bloghosterdienst blogspot eine einfache Vorschaltseite, die vor anstößigen Inhalten warnt, ausreicht, um Jugendschutzkonform zu sein. In Deutschland wären so aufgebaute Websites bereits von den Landesmedienanstalten abgeklemmt und deren Betreiber zu Geldstrafen verurteilt wurden. Selbst bei der Google-Bildersuchmaschine reicht ein Klick, um alle Inhalte freizugeben. Wer dann "gay" sucht, der wähnt sich im Porno-Schlaraffenland.
Trotz aller Marktmacht: Auf Dauer wird Vertrauen verspielt

Mit nackten Zahlen gegen die Nudophobie (Bild: Screenshot)
Inkonsequent aber auch, weil man – wie im Fall Himmelstürmer deutlich zu sehen – erst durchwinkt, was später plötzlich anstößig sein soll. Das sorgt für Unsicherheit bei den Anbietern von Apps und digitalen Inhalten, die sehr stark gebunden sind an die Vertriebskanäle der Monopolisten, wenn sie ihre Software spezifisch für iOS oder Android programmieren. Als unfair wird das Verfahren außerdem von vielen empfunden. So sind die Softcore-Pics bei der mobilen Datingplattform Grindr nach wie vor zu sehen. Fragt sich allerdings, wie lange noch…
Bei Gayromeo zeigt man sich offen enttäuscht. Mit den erst vor wenigen Monaten herausgebrachten Apps wollte man endlich den Vorsprung beim mobilen Dating von Mitbewerbern wie Grindr einholen, und wird nun gnadenlos ausgebremst. "Das ist frustrierend, bitte macht uns in euren App-Bewertungen dafür aber nicht verantwortlich", heißt es in einer Mitteilung aus dem Amsterdamer Unternehmen. "Ihr seid zu sexy für die Zensoren im Silicon Valley", scherzt man weiter und beginnt nun mit der anonymisierten Datensammlung. Ziemlich sicher wird am Ende ein Ergebnis stehen: Das man sich als Kunde nicht bevormunden lassen und auch den vollen Umfang der Angebote nutzen möchte. Interessanter wird es bei den generellen Fragen, bei denen individuelle Freiheiten gegen Schutzbedürfnisse beispielsweise von Jugendlichen abgewogen werden.
Mit dem Zahlenmaterial bewaffnet und den Usern im Rücken will das Gayromeo-Maskottchen Mutti anschließend gegen die Goliaths aus den Staaten antreten. Falls sich die Schlacht von holländischem Boden aus zu einem Kampf gegen Windmühlenflügel entwickeln sollte, gibt es bereits Rückzugspläne. "Wir haben entschieden, eine separate und unlimitierte Androidversion unserer App zu entwickeln, die wir direkt auf unseren Servern anbieten werden." Ein gangbarer Weg, der leider für iPhones, die keinen Jailbreak besitzen, versperrt ist. Für Apple-Smartphones gäbe es aber dennoch eine Lösung: per HTML-Programmierung. Die derzeit existierenden "touch"- und "mobil optimierten" Seiten bieten nur einen Bruchteil der von der Destopversion gewohnten Funktionalitätsfülle.
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Im i-tunes-Store ist die App nach wie vor frei zu erwerben, Google hat sie aus dem offiziellen Store geschmissen!!
Das Problem ist bei Gayromeo, bzw. Planetromeo wie es ja offziell heißt HAUSGEMACHT - es werden auch in der APP nackte, offene Ärsche und eregierte Schwänze gezeigt - die Einstufung durch die User funktioniert hier einfach nicht !!
Problemlösung wäre denkbar einfach : Internetpräsenz für mobile Geräte optimieren und auf die Applikation "APP" verzichten, oder aber einfach mal über den Tellerrand schauen und gucken wie gut es die Konkurrenz gelöst hat - kann persönlich nur jedem die APP von gayroyal empfehlen!!
JEDER KÄUFER EINES SMARTPHONES WEISS VORHER WORAUF ER SICH EINLÄSST, er hat die Wahl zwischen iOS, ANDROID und WINDOWS als Betriebssystem