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Schluß mit Schunkeln
Der CSD und das trojanische Pferd von "Pro Köln"
- 18. Mai 2013 5 Min.

Rechte Gefahr erkannt, aber wird sie vom KLuST-Vorstand auch konsequent gebannt? (Bild: Montage: queer, unter Verwendung von Motiven von: Michele M. F. / flickr / by-sa 2.0 | Wiki Commons / JarektUploadBot / CC-PD-MarkPD-Art (PD-old-100))
Die rechte Organisation hat mit der CSD-Anmeldung eine clevere List eigefädelt. Der KLuST agiert bislang erschreckend defensiv bis destruktiv. Eine Analyse von Christian Scheuß.
Ganz schön dumm waren sie, die Bewohner von Troja. Zehn Jahre lang hatten sie der Belagerung durch die Griechen getrotzt. Die dicken Mauern ihrer großartigen Stadt hielten allen Eroberungsversuchen stand, inzwischen waren die Kämpfer vor den Stadttoren müde und schwach. Doch dann ersannen diese eine List, die sie in die Geschichtsbücher hievte. Die Griechen täuschten den Abzug vor, hinterließen aber ein überdimensionales hölzernes Pferd, von dem die Trojaner annahmen, es sei ein Geschenk der Götter. Warum auch immer. Sie zogen es in die Stadt. Und in der Nacht krochen Soldaten, die sich im Bauch des Pferdes versteckt hielten, heraus, öffneten leise die Stadttore und ließen die zurückgekehrte Armee einmarschieren.
Die mythologische List der Griechen findet sich in der Moderne vor allem in der Geschäftswelt und der Politik wieder. Heute heißt sie: "Den Feind… pardon, den Mitbewerber umarmen." Man kuschelt mit den Konkurrenten, beteuert unentwegt, wie "unevil" man sei, um dann, wenn der andere sich eingelullt in die Arme schmiegt, zuzudrücken. Das genau ist die Strategie, die "Pro Köln" derzeit auf allen Ebenen fährt. "Hey, jeder Jeck ist doch irjendwie anders" rufen sie uns fröhlich lachend zu. "Lasst uns mitschunkeln, sonst seid ihr die Intoleranten!" schüchtern sie uns ein. "Der wahre Feind, dass seid doch nicht ihr warmen Brüder, das sind die Moslembrüder", machen sie uns Angst.
Für "Pro Köln" wäre ein Paradewagen in Form eines Trojanischen Pferdes der exakt passende Auftritt. Vielleicht finden sich dafür ja auch noch ein paar schwule Sklaven, die um des reinen schmerzvollen Vergnügens wegen die hölzerne Karre der Rechten durch die Gassen Kölns zerren?
"Da steht ein Pferd auf dem Flur, ein rechtes Pferd auf dem Flur..."

Anders als die Anderen? Oder auch "So oder so"? (Bild: Pro Köln)
Mit Sicherheit wird es Schwule und Lesben geben, die kein Problem damit haben, wenn eine Organisation mitziehen will, die ein programmatisch festgeschriebenes Problem mit der Vielfalt der Lebensweisen hat. Schwule und Lesben werden von "Pro Köln" nicht mehr direkt attackiert, damit gewinnt man in der Rhein-Metropole kaum noch Sympathien konservativer Bürger, die man aber braucht, weil der ganz rechte Rand nicht reicht, um politische Macht zu erlangen. Es sind rein taktische Gründe, die dazu führen, dass die Rechten sich gerade die Schafspelze rosa färben um sich zähneknirschend unter diese ganzen schrillen Tunten und hedonistischen Perversen zu mischen, denen öffentliche Förderungen und bürgerliche Rechte aus Parteisicht eigentlich gar nicht zustehen. Homosexualität ist ja schließlich reine Privatsache, argumentieren sie scheinheilig.
Es ist reine Instrumentalisierung mit einkalkuliertem Bumerangeffekt. Den zwangsläufig entstehenden Krawall wird "Pro Köln" dazu nutzen, sich als Opfer zu stilisieren. Den CSD-Veranstaltern ist sehr bewusst, dass da vor ihnen hinterlistig ein fettes braunes Ross vor die Tür gestellt wurde. Angesichts dessen ist es schwer erträglich, dass der neue KLuST-Vorstand erst einmal allein im stillen Kämmerlein sich der Frage widmen wollte, wie man damit umgeht, statt sofort die Community zu alarmieren und hinter sich zu versammeln.
In der Stellungnahme, zu der sich der Vorstand dann nach den Medienberichten gezwungen sah, wird nebulös über "Entscheidungsmöglichkeiten als Diskussionsgrundlage" gesprochen, statt kompromisslos Kante zu zeigen. Noch unglücklicher präsentiert sich CSD-Versammlungsleiter Jörg Kalitowitsch im Interview mit dem WDR, wo er zwar erklärt, warum das Versammlungsrecht selbst nicht greife, um unliebsame Gäste loszuwerden. Aber er beschreibt dann nicht, wie es mit Hilfe der Polizei dennoch sehr effektiv, präventiv, problemlos und vielfach erprobt, gelingen kann, rechte Kameraden beispielsweise von Antifa-Demos fernzuhalten. Stattdessen überlegt er in vorauseilender Verliererpose, wie sich denn die Community gegen die braunen Krieger, die aus dem Bauch des Pferdes kriechen, zur Wehr setzen könnte (Rücken zukehren, Trillerpfeifen benutzen, Transparent ausrollen, zu Hause bleiben). Toll…
Wollen mer se reinlasse? Nein! Müssen mir se reinlasse? Nö!

Die Farbe braun kommt in der Regenbogenfahne nicht vor. (Bild: Wiki Commons /)
Der KLuST scheint sogar bereit zu sein, den wesentlichen Kern der CSD-Parade, das es eben eine politische Versammlung einer sexuellen Minderheit ist, die dort öffentlich ihre Rechte einfordert und sich gegen Formen von Diskriminierung wehrt, zugunsten eines vermeintlich sichereren Hausrechts opfern zu wollen. Jörg Kalitowitschs Äußerungen legt diese Vermutung zumindest nahe. "Wir sammeln gerade die Vor- und Nachteile, um besser entscheiden zu können." Er erweckt zudem den Eindruck, als seien es eigentlich nur noch die höheren Kosten, die davon abhielten, aus der politischen Demo einen zweiten Karnevalsumzug mit "anderem Flair" zu machen.
Es ist ein schrecklicher Irrtum zu glauben, man könne allein mit Verwaltungsvorschriften für folkloristische Umzüge eine auf Randale frisierte politische Organisation am rechten Rand im Zaun halten. Dies ist vor allem eine politische Auseinandersetzung. Mit der Bekanntgabe des Mottos "Wir sind. So oder so" – nachdem man von der Anmeldung wusste – scheint man auch auf diesem Feld zu versagen.
Sollte sich diese verzagte wie unpolitische Haltung, die aus den bisherigen öffentlichen Äußerungen durchscheint, tatsächlich als neue Linie des CSD-Veranstalters erweisen, kann "Pro Köln" getrost die Federboa im Schrank lassen und daheim bleiben. Das trojanische Pferd, das sie uns so verlockend vor die Tür gestellt haben, hätte der KLuST damit bereits in unsere Hütte gezogen.















Ich sammle auch gerade die Vor- und Nachteile und komme zu dem Schluss, dass ich nie mehr am Kölner CSD teilnehmen werde, wenn die Kölner faschistischen Parteien wie Pro Köln und bald auch der NPD Raum geben...
Mein Wunsch wäre ja, dass alle anderen Teilnehmer ihre Anmeldung zurückziehen! Dann können die Kölner CSD-Organisatoren mit ihren Faschisten einen Fackelzug durch das leere Köln machen.
Dass da überhaupt noch überlegt wird, ob man sowas teilnehmen lässt, ist schon Skandal genug!!