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Verstimmungen nach ESC-Finale
Eurovision-Verliererin kritisiert "Gay Lobby"
- 22. Mai 2013 5 Min.

Schlechte Verlierer: Esma Redzepova und Vlatko Lozanoski. (Bild: Michael Götz-Pijl)
Zu Update springen: Sängerin dementiert (23.5.)
Der mazedonische Beitrag sei nur wegen den bösen Schwulen gescheitert, glaubt Sängerin Esma Redzepova. Derweil gibt es Vorwürfe über manipulierte Stimmen und Plagiate.
Die mazedonische Sängerin Esma Redzepova hat einer vermeintlichen "Gay Lobby" die Schuld gegeben für ihr schlechtes Abschneiden beim diesjährigen Eurovision Song Contest. Die 69-Jährige war mit ihrem Duett mit dem 27-jährigen Vlatko Lozanoski im zweiten Halbfinale am letzten Donnerstag auf dem vorletzten Platz gelandet und konnte sich so nicht für das Finale qualifizieren.
Nach ihrer Heimkehr sagte Redzepova nun der Belgrader Zeitung Kurir: "Das ist unglaublich. Nur Schwuchteln! Dieses Event wurde gestohlen von den Leuten, die Gay Prides auf der ganzen Welt veranstalten." Davon habe sie "schon vorher gehört, aber jetzt habe ich es mit meinen eigenen Augen gesehen. Kein Wunder, dass wir uns nicht qualifiziert haben, denn es ist klar, wer da hingeht."
Über ihren Gesangspartner, für den Wettbewerb schlicht Lozano genannt, sagte sie zudem: "Mein Kollege konnte nicht mal das Hotel verlassen, geschweige denn in den Euroclub gehen: Ihm wurde andauernd an den Po gefasst."
Stimmenkauf durch Aserbaidschan?

Ein heimlich aufgenommenes Video soll belegen, dass Aserbaidschan Stimmen kauft (Bild: 15min.lt / youtube)
Auch in anderen Ländern gibt es Nachwehen der größten Musik-TV-Show der Welt. So wurden mehrfach Gerüchte über Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenvergabe und gar Manipulationen laut. Bereits am Sonntag veröffentlichte die litauische Nachrichtenseite 15min.lt ein heimlich aufgenommenes Video, in dem Undercover-Journalisten angeblich gegen Geld angeboten wird, das Ergebnis des Televotings zugunsten Aserbaidschans zu beeinflussen.
Eine Gruppe von zehn Leuten solle demnach je fünf Handys erhalten und fünf bis zehn Mal für das Land anrufen – das macht bis zu 500 Stimmen für den Beitrag. "Wir haben das zuvor gemacht, in mehreren Ländern", sagt der angebliche Vertreter des Landes in dem Film. Der Sieg Aserbaidschans vor zwei Jahren habe Millionen gekostet.
Es ist nicht das erste Mal, das ein entsprechender Verdacht auftaucht. In einigen kleinen Ländern ohne größeren Bezug zu Aserbaidschan, darunter Malta, Zypern und auch Litauen, bekam das Land in den letzten Jahren hintereinander auffällig hohe Punktzahlen, in großen Ländern mit einer größeren Menge von Televotes, darunter Deutschland, Großbritannien und Italien, gab es hingegen fast keine Punkte nach Baku.
Die EBU gab an, man nehme die Vorwürfe ernst, sehe aber derzeit keinen Nachweis für eine Verbindung der im Video gezeigten Personen zu offiziellen aserbaidschanischen ESC-Beteiligten. Auch gebe es Sicherheitsmaßnahmen im Televotingsystem der deutsche Firma Digame, das "Power-Voting" automatisch aussortiere.
Russland ist sauer
Aserbaidschan reagierte mit einem Kontervorwurf: Die EBU habe die Abstimmung vom Samstag manipuliert. Russland hatte null Punkte aus Baku erhalten – was sogar Präsident Alijew gewundert habe, der ernsthaft eine Neuzählung durchführen ließ. Die habe nach Auskunft des nationalen Mobilfunkproviders ergeben, dass Russland nach dem Televoting zehn Punkte zugestanden hätten; die Jury hätte gar zwölf Punkte nach Moskau vergeben.
Die EBU streitet das ab: Das Ergebnis sei von einem Notar vor Ort, von Digame und unabhängigen Beobachtern von PricewaterhouseCoopers bestätigt wurden. Von der Sache wird man noch hören: Am Dienstag traf sich der russische Außenminister in Moskau mit dem aserbaidschanischen Botschafter, um das weitere Vorgehen zu beraten. Dabei entschuldigte sich der Botschafter für die null Punkte aus Aserbaidschan und Außenminister Sergej Lawrow beschwerte sich über einen empörenden "Diebstahl", den die EU untersuchen müsse.
Am Endergebnis würde eine Neubewertung nicht viel ändern. Allerdings scheint ein Damm gebrochen: Inzwischen hat sich auch Weißrusslands Diktator Lukaschenko beschwert, dass sein Land keinen Punkt aus Russland bekommen hat.
Siegtitel geklaut?

Emmelie de Forest mit Siegtrophäe nach der Rückkehr in Kopenhagen (Bild: EBU)
Fast zeitgleich zu den Vorwürfen gegen den Zweitplatzierten Aserbaidschan kam eine weitere Klage auf: Der Gewinnertitel "Only Teardrops" der Dänin Emmelie de Forest sei ein Plagiat eines niederländischen Titels, berichtete der Sender NOS.
"I Surrender" der Gruppe K-Otic aus dem Jahr 2002 bietet tatsächlich Ähnlichkeiten zum Gewinnersong. Ein früheres Mitglied von K-Otic relativierte allerdings, das zwar einige Töne gleich seien, man aber kaum von einem Plagiat sprechen könne. EBU-Sprecher Sietse Bakker sagte, nicht jeder ähnlich klingende Song müsse ein Plagiat sein – das könnte ansonsten nur ein Gericht auf Klage der ursprünglichen Musiker entscheiden.
Das dänische Fernsehen hat derweil mit den Planungen für den Song Contest 2014 begonnen – bislang haben sich zwei Städte, Kopenhagen und Herning, als Austragungsort beworben, möglicherweise schmeißt sich noch Aalborg mit ins Rennen.
Vom vermeintlichen Aufreger im Vorfeld der Show vom Samstag, den gleichgeschlechtlichen Küssen im finnischen Beitrag und im Intervall-Act des schwedischen Fernsehens, hörte man übrigens nichts mehr. Die Plädoyers für die Homo-Ehe wurden mit Ausnahme vom türkischen Sender TRT, der sich die Übertragungsrechte nicht gesichert hatte, offenbar in allen Ländern ausgestrahlt. Sie waren wohl nicht das größte Politikum. (nb)
Update 23.5.: Dementi von Redzepova
Die Sängerin Esma Redzepova hat den "Kurir"-Bericht als "Fabrikation" zurückgewiesen. Einem mazedonischen Portal sagte sie: "Jeder Erwachsene hat das Recht, das Leben zu leben, das er möchte. Ich liebe alle Schwulen und sie lieben mich." Sie habe nie etwas Böses über Schwule gesagt. Auch die mazedonische Delegationsleitung wies entsprechende Berichte zurück, sie unterstütze hingegen die Community.
Zuvor hatten aufgrund des "Kurir"-Berichtes Mitglieder der LGBT-Community ein Plakat in der Nähe vom Wohnort der Sängerin angebracht, auf dem zu lesen stand: "Esma, wir existieren und werden weiter existieren. Die Schwuchteln." Das Civil Center for Freedom sowie das Blog "Balkan Insight" hatten zudem Berichte publiziert, in denen von einer Echtheit der Zitate ausgegangen wurde, obwohl auch bekannt wurde, dass Redzepova einst in Amsterdam an einer schwulen Hochzeit teilgenommen hatte – die Sängerin habe sich schon öfters dumm geäußert und ihre Meinung der jeweiligen Regierung angepasst, bemängelt etwa civil.org.mk. (nb)















die frau hat doch den schuss nicht gehört!