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Erster Schritt
Kanada hebt Blutspendeverbot für keusche Schwule auf
- 23. Mai 2013 2 Min.

Bislang dürfen Schwule nur Blut spenden, wenn sie ihre sexuelle Orientierung verheimlichen (Bild: warrenski / flickr / by-sa 2.0)
In Kanada dürfen Schwule ab Sommer Blut spenden – allerdings müssen sie dafür anders als Heterosexuelle fünf Jahre lang auf jeglichen Sex mit Männern verzichtet haben.
Die kanadischen Blutspendeorganisationen Canadian Blood Services und Héma-Québec haben am Mittwoch angekündigt, dass das totale Blutspendeverbot für Männer, die Sex mit Männern haben, zum 22. Juli aufgehoben wird. Einzige Voraussetzung für eine Spende ist, dass die Männer in den letzten 60 Monaten nicht mit einem gleichgeschlechtlichen Partner sexuell aktiv waren. Das kanadische Gesundheitsministerium hat der Änderung bereits zugestimmt.
Nach Ansicht des frankokanadischen Héma-Québec ist die Wartezeit notwendig, weil in der Gruppe der schwulen Männer "das Risiko einer Infektion, die durch Transfusion übertragen werden kann, größer ist". So seien 47 Prozent der männlichen HIV-Positiven Männer, die Sex mit Männern hatten.
Aids-Hilfe für Ende der Diskriminierung
Die Canadian Aids Society begrüßte die Aufhebung des Totalverbotes als ersten Schritt: "Die Wartezeit von fünf Jahren ist immer noch viel zu lang, aber es geht in die richtige Richtung", erklärte Monique Doolitte-Romas, die Chefin der Aidshilfe-Organisation. "Auf mittlere Sicht wollen wir erreichen, dass das Verhalten eines Spenders als Maßstab genommen wird und nicht dessen sexuelle Orientierung oder dessen Geschlecht."
Das Blutspendeverbot für Schwule wurde in den 1980er Jahren im Rahmen der Aids-Panik eingeführt. In den USA darf etwa noch heute kein Mann Blut spenden, wenn er in den letzten 36(!) Jahren mindestens ein Mal ein Tête-à-tête mit einem Mann hatte. Viele Länder lockern das Verbot aber inzwischen wieder: In Großbritannien und Australien beträgt die Sex-Wartezeit ein Jahr, in Südafrika sechs Monate. Manche Länder, darunter Spanien und Mexiko, behandeln Schwule beim Blutspenden inzwischen gleich wie Heterosexuelle.
In Deutschland gibt es nach wie vor ein Totalverbot der Blutspende. Allerdings setzen sich inzwischen mehrere Bundesländer dafür ein, Schwule nicht allein wegen ihrer sexuellen Orientierung auszuschließen (queer.de berichtete).
Zwar wird das Blut aller Blutspender stets auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet. Weil in den ersten Tagen nach einer HIV-Infektion selbst modernste Bluttests die Viren nicht nachweisen können, werden Schwule als Risikogruppe generell ausgeschlossen. Von 2000 bis 2010 sind in Deutschland fünf HIV-Infektionen durch Blutprodukte aufgetreten. Davon sind zwei auf Männer zurückzuführen, die sexuellen Kontakt mit Männern hatten. Das Risiko, sich bei einer Bluttransfusion mit HIV anzustecken, beträgt hierzulande eins zu 4,3 Millionen. (dk)














