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Schwarz-gelbe Homo-Politik
Gleichstellung: SPD und Grüne widersprechen Leutheusser
- 27. Mai 2013 2 Min.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bei ihrer Rede anlässlich des Charity-Dinners der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Bild: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld / Sabine Hauf)
Die Parteien bringen sich vor der Bundestagswahl homopolitisch in Stellung: Die liberale Justizministerin glaubt, dass Schwarz-Gelb große Fortschritte erreicht hat, SPD und Grüne sind ganz anderer Meinung.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat bei einem Wohltätigkeits-Dinner der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Berlin die Erfolge der schwarz-gelben Koalition bei der Gleichstellung von eingetragenen Partnerschaften mit Ehen gelobt: "In dieser Legislaturperiode sind eingetragene Lebenspartnerschaften heterosexuellen Ehen bei der Erbschafts- und Grunderwerbssteuer, beim BaFöG und im Beamten-, Soldaten- und Richterrecht gleichgestellt worden", sagte die 61-Jährige vor 150 Gästen, darunter Regisseur Rosa von Praunheim, Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sowie Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und dessen Lebensgefährte. Die Ministerin weiter: "Außerdem haben wir in der Entwicklungspolitik erstmals die Budgethilfe für ein Land an die Situation der Menschenrechte Homosexueller gekoppelt".
Zwar sei die Regierung "auf dem Weg zur absoluten Gleichstellung" noch nicht am Ziel, dazu fehlten die "notwendigen Anpassungen im Einkommenssteuerrecht und im Adoptionsrecht". Dennoch, so Leutheusser-Schnarrenberger gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, habe Schwarz-Gelb mehr erreicht als die Große Koalition zwischen 2005 und 2009. Gleichzeitig kritisierte sie die "Wartestellung" der Union.
Schwusos: Schwarz-Gelb ist "homopolitischer Stillstand"

Schwusos-Chef Ansgar Dittmar
Die Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos) warf der Justizministerin vor, "die Fakten nicht mehr genau im Blick" zu haben: "Die letzten vier Jahre waren homopolitischer Stillstand. Es hat sich lediglich etwas bewegt, wenn das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung hierzu gezwungen hat", erklärte Schwusos-Chef Ansgar Dittmar gegenüber queer.de. Tatsächlich hat Karlsruhe in allen von der Justizministerin angesprochenen Bereichen – außer bei der BaFöG-Reform – die Gleichstellung angeordnet oder die schwarz-gelbe Reform für verfassungswidrig erklärt.
Dittmar widersprach auch der Behauptung, die Große Koalition sei homopolitisch schwächer gewesen als Schwarz-Gelb: "Die Große Koalition hatte vor allem durch die Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes die Grundlage eines umfassenden Diskriminierungsschutzes gelegt. Das Gutachten der damaligen Justizministerin Brigitte Zypries zu Regenbogenfamilien hat den Kritikern von Regenbogenfamilien und Gleichstellung wichtige Argumente aus der Hand genommen."
Auch der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck übte scharfe Kritik an den Äußerungen Leutheusser-Schnarrenbergers: "Schwarz-Gelb hat für Lesben und Schwule nichts erreicht. Die Selbstbeweihräucherung von Leutheusser-Schnarrenberger entbehrt jeder Grundlage". Die Bundesregierung habe lediglich Urteile des Verfassungsgerichts umgesetzt, aber keine weiteren Impulse geliefert. (dk)















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88 Prozent der Fachkräfte halten ein Coming Out bei Mitschülern und Freunden für nicht problemlos möglich, bei den Fachkräften aus der Schulsozialarbeit sind es sogar 97 Prozent.
90 Prozent der Fachkräfte glauben, dass an Schulen ein unfreundliches soziales Klima für schwule und lesbische Jugendliche herrscht; Sozialarbeiter an Schulen sind sogar zu 97 Prozent der Meinung. 82 Prozent der Fachkräfte glauben, dass es an jugendtypischen Treffpunkten wie Schulen aber auch Jugendfreizeitstätten zu homophoben Ereignissen kommt. Und nur 20 Prozent glauben, dass LGBT-Kids problemlos von ihren Eltern akzeptiert werden.
"Bedenkt man, welche zentrale Funktion die Gleichaltrigengruppe für das Wohlbefinden und die Entwicklung von Jugendlichen hat, kann man ermessen, mit welchen Schwierigkeiten die jungen Lesben und Schwulen hier zu kämpfen haben", so die Zusammenfassung der Studie.
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ja#c1