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Fußball-WM 2022 in Katar
Sepp Blatter: Homophobie ist Frage der "Moral"
- 02. Juni 2013 2 Min.

Für FIFA-Präsident Sepp Blatter sind LGBT-Rechte offensichtlich keine Menschenrechte (Bild: Wiki Commons / Marcello Casal Jr./ABr / CC-BY-3.0-BR)
Die strafrechtliche Verfolgung von Lesben und Schwulen ist für den Präsidenten des Weltfußballverbands FIFA anders als Rassismus nur eine Frage von "Ethik und Moral".
Am vergangenen Freitag verabschiedete der Kongress des Fußball-Weltverbandes FIFA auf Mauritius nahezu einstimmig härtere Maßnahmen gegen rassistische und andere diskriminierende Vergehen – inklusive Zwangsabstiege für die fehlbaren Klubs. Homophobie scheint davon jedoch ausdrücklich ausgenommen, wie FIFA-Präsident Sepp Blatter jetzt klarstellte.
Von der BBC auf die homophobe Gesetzgebung in Katar, dem Gastgeberland der WM 2022, angesprochen, meinte der Schweizer Fußball-Funktionär: "Ich denke nicht, dass dies zu Rassismus gehört, das ist vielleicht eine Frage von Ethik und Moral." In Katar wird gleichgeschlechtlicher Sex nach Paragraf 296 des Strafgesetzbuchs mit bis zu fünf Jahren Gefängnis sowie Peitschenhieben und Geldbußen bestraft. Für Menschen mit HIV herrscht zudem ein Einreiseverbot.
Blatter war die Frage spürbar unangenehm. "Es ist auch nicht die Zeit, das Thema jetzt anzubringen", ergänzte der 77-jährige seine Aussage laut BBC. "Wenn sie es mir zur Kenntnis geben, dann sollte ich einen Blick darauf werfen. Aber ich kann Ihnen keine definitive Antwort geben." Blatter steht derzeit in seiner vierten Amtszeit als Präsident des Weltfußballverbandes, die noch bis Juni 2015 dauert.
Homosexuelle Fußballfans sollten in Katar auf Sex verzichten
Bereits vor zweieinhalb Jahren hatte sich der FIFA-Chef beim Thema Homo-Verfolgung in Katar deutlich in die Nesseln gesetzt. Auf einer Pressekonferenz im Dezember 2010 in Johannesburg empfahl Blatter schwul-lesbischen Fans allen Ernstes, bei einer Teilnahme an der Fußball-WM 2022 keinen Sex zu haben (queer.de berichtete). Nach einem internationalen Proteststurm entschuldigte er sich jedoch für seinen "Ratschlag" (queer.de berichtete).
Auch Blatters neueste Äußerungen stießen bereits auf heftigen Widerspruch. "Geld kommt offensichtlich vor der Moral", kritisierte Georges Azzi von der Arabischen Stiftung für Freiheit und Gleichheit gegenüber dem britischen Onlineportal "Gay Star News": "Katar kriminalisiert nicht nur Homosexualität, sondern unterstützt auch ultrakonservative islamische Bewegungen und ist eines der führenden Länder, die diskriminierende Gesetze gegenüber Frauen und LGBT vorantreiben." Wenn Blatter Diskriminierung im Namen der Moral akzeptiere, dann sollte er besser als FIFA-Präsident zurücktreten, forderte Joseph Aoun, Manager der Beiruter Gay-Bar "Bardo".
Das internationale Treffen des Netzwerkes der schwul-lesbischen Fußballfanclubs (QFF) hatte bereits Anfang 2011 in Bielefeld eine Resolution gegen die Vergabe der WM 2022 an Katar beschlossen (queer.de berichtete). Der Weltfußballverband solle bei der künftigen Vergabe der Weltmeisterschaften auch internationale Menschenrechtskonventionen berücksichtigen. Das britische Gay Football Supporter's Network rief sogar zu einem Boykott der WM 2022 auf (queer.de berichtete). (cw)














