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Bundesärztekammer berät
Generelles Blutspendeverbot für Schwule auf der Kippe
- 24. Juni 2013 2 Min.

Ob Schwule Safer Sex betreiben oder es ungeschützt mit vielen Partnern treiben, ist in Deutschland derzeit egal: Alle sind automatisch als Risikogruppe abgestempelt (Bild: warrenski / flickr / by-sa 2.0)
In Deutschland wollen die Ärzte darauf hinwirken, das generelle Blutspendeverbot für Schwule aufzuheben.
Die Bundesärztekammer will "im Rahmen ihrer Möglichkeiten" auf eine Veränderung der Blutspenden-Regulierung auf EU-Ebene hinwirken, gab die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung am Sonntag bekannt. Ziel soll es sein, künftig Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vom Blutspenden auszuschließen, sondern aufgrund eines riskanten Sexualverhaltens.
Derzeit dürfen Männer, die mindestens einmal Sex mit Männern gehabt haben, nicht Blut spenden. Bei Heterosexuellen ist dagegen nur Männern mit "sexuellem Risikoverhalten", z.B. häufig wechselnden Geschlechtspartnerinnen, die Blutspende untersagt. Homo-Gruppen beklagen seit langem, dass diese Regelung diskriminierend sei. Die Deutsche Aids-Hilfe fordert ein Ende des generellen Verbots für Schwule, da "viele Heterosexuelle zumindest zeitweise höhere Infektionsrisiken" aufweisen würden.
Andere EU-Länder sind in dieser Frage bereits weiter: So gibt es in Spanien keinerlei Diskriminierung beim Blutspenden aufgrund von sexueller Orientierung. Großbritannien hat 2011 seine Regelungen gelockert: Dort dürfen Schwule nun Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex gehabt haben (queer.de berichtete).
Gesundheitsminister: "Wir brauchen mehr Menschen, die bereit sind, Blut zu spenden"
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat den Vorstoß der Bundesärztekammer begrüßt: "Es ist eine medizinische Entscheidung, aber der faktische Ausschluss von homosexuellen Männern wird nicht verstanden. Wir brauchen mehr Menschen, die bereit sind, Blut zu spenden. Wenn bessere medizinische Kriterien von den Experten gefunden werden, ist das ein Fortschritt", so Bahr nach dpa-Angaben am Sonntag. Selbst aktiv werden will der Minister aber nicht, sondern lässt der Bundesärztekammer das letzte Wort. "Wir entscheiden nicht, was medizinisch richtig ist und was falsch", sagte Bahr.
Mehrere Bundesländer haben bereits das Ende der Diskriminierung von Schwulen beim Blutspenden gefordert. So erklärte der Landtag von Sachsen-Anhalt im Februar fast einstimmig, Schwule vom "Generalverdacht" zu befreien (queer.de berichtete). Teile der CDU sprechen sich aber für eine Fortführung des generellen Verbotes aus. Peter Enders, der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion in Rheinland-Pfalz, teilte mit, dass der generelle Ausschluss von Schwulen die Empfänger schütze (queer.de berichtete).
Zwar wird das Blut aller Blutspender stets auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet. Weil in den ersten Tagen nach einer HIV-Infektion selbst modernste Bluttests die Viren nicht nachweisen können, werden Schwule als Risikogruppe generell ausgeschlossen. Von 2000 bis 2010 sind in Deutschland fünf HIV-Infektionen durch Blutprodukte aufgetreten. Davon sind zwei auf Männer zurückzuführen, die sexuellen Kontakt mit Männern hatten. Das Risiko, sich bei einer Bluttransfusion mit HIV anzustecken, beträgt hierzulande eins zu 4,3 Millionen. (dk)















Mir wäre es lieber, wenn die Sicherheit Vorrang hätte und medizinische Fragen im Vordergrund ständen. Lieber etwas "diskriminiert" werden, als durch eine Blutübertragung infiziertes Blut zu bekommen. Dass die Gefahr bei Männer, die Sex mit verschiedenen anderen Männern haben, nunmal wesentlich höher ist, ist eine Tatsache.
Spätestens wenn man selbst vor einer Blutübertragung steht, wird man sich wünschen, dass der Staat in diesem Fall (und nur in diesem Fall!) etwas "diskriminieren" würde.