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- 24. Juni 2013 2 Min.

In Brasilien machen Schwule und Lesben deutlich, dass sie nicht "geheilt" werden wollen
In Brasilien haben am Wochenende tausende Menschen dagegen protestiert, die "Heilung" von Homosexualität wieder zuzulassen.
Am Samstag haben mehrere tausend Menschen in der Hauptstadt Brasilia gegen einen Gesetzentwurf protestiert, mit dem Konversionstherapien wieder zugelassen werden sollen. Bereits einen Tag zuvor waren mehr als 4.000 LGBT-Aktivisten in São Paulo auf die Straße gegangen, um gegen die Wiedereinführung der Homo-Heilung zu protestieren. Hintergrund: Vergangene Woche hatte der Ausschuss für Menschenrechte und Minderheiten einem dementsprechenden Entwurf zugestimmt (queer.de berichtete).
Die Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie "Wir sind nicht krank" oder "Meine Mamis brauchen keine Therapie"; sie sehen sich als Teil der Massenproteste gegen soziale Ungleichheit und Korruption, die in Brasilien im Rahmen eines internationalen Fußballturniers ausgebrochen sind. Dem Sender "Euronews" sagte der Lehrer Luis Eduardo bei der Demonstration in São Paulo: "Alle Augen sind wegen des Koföderationen-Pokals auf Brasilien gerichtet und wir wollen das ausnutzen. Wir haben einfach genug. Es gibt so viel Korruption, während Lehrer leiden. Und jetzt wollen wir auch noch Homosexuelle heilen. Das ist albern und wir müssen uns dagegen wehren."
Homo-Heilung wurde in Brasilien im Jahr 1999 mit Unterstützung des nationalen Psychologenverbandes generell verboten. Mediziner warnen davor, dass eine "Behandlung" der sexuellen Orientierung nicht möglich ist und Schwule und Lesben in die Depression oder sogar den Selbstmord treibt.
Initiiert wurde der Gesetzentwurf vom Chef des Menschenrechtsausschusses, dem evangelikalen Pfarrer und christdemokratischen Politiker Marco Feliciano. Er konnte sich im Ausschuss durchsetzen, weil viele Mitglieder am Tag der Abstimmung nicht anwesend waren. Noch eine Woche zuvor hatten Gegner der Homo-Heilung seinen Antrag abgelehnt. Das Gesetz muss noch von zwei anderen Ausschüssen gebilligt werden, bevor es im Plenum behandelt werden kann. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass es dafür eine Mehrheit gibt.
Erst vergangene Woche hat sich die größte Homo-Heiler-Organisation der Welt aufgelöst: Die amerikanische Gruppe Exodus International entschuldigte sich dabei bei den Menschen, "denen wir geschadet haben" (queer.de berichtete).
Anders als in Brasilien ist in Deutschland die Homo-"Heilung" legal, auch bei Minderjährigen. Eine Initiative der Grünen, Konversionstherapien zumindest von unter 18-Jährigen zu verbieten, scheiterte im April an der schwarz-gelben Regierungskoalition (queer.de berichtete). (dk)















Ich hoffe, es werden von mal zu mal mehr...