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Interview mit Ressortleiter Markus Verbeet
"Der Spiegel" sieht "Kompassnadel" als "große Ehre"
- 29. Juni 2013 3 Min.

Kompassnadel für das Hamburger Nachrichtenmagazin: Als erste Medien werden "Der Spiegel" und "Spiegel Online" gleichzeitig mit dem bekanntesten schwulen Preis ausgezeichnet (Bild: Achim Rosenhagen / flickr / by-sa 2.0)
Beim Kölner CSD-Empfang am 6. Juli nimmt der "Spiegel"-Ressortleiter Deutschland die Auszeichnung des Schwulen Netzwerks NRW entgegen. Ein Interview mit Markus Verbeet.
Von Dietrich Dettmann
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wird am 6. Juli mit der "Kompassnadel" ausgezeichnet. Der Preis des Schwulen Netzwerks NRW wird beim gemeinsamen Empfang mit der Aids-Hilfe NRW im Kölner Gürzenich im Rahmen des Cologne Pride verliehen. Die Laudatio hält der Aktivist Marcel Dams.
Entgegennehmen wird den Preis mit Markus Verbeet der Ressortleiter Deutschland des Magazins. Der promovierte Jurist, Jahrgang 1974, arbeitet seit 2004 für den "Spiegel" und war u.a. Korrespondent in Brüssel. Wir sprachen mit ihm über seine Reaktion auf die Auszeichnung und die teils heftige Kritik aus Reihen der Community und von der Deutschen Aids-Hilfe.

Erst seit 2004 beim "Spiegel": Markus Verbeet, Jahrgang 1974, studierte an der katholischen Journalistenschule "Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses" (Bild: Michael B. Rehders/Der Spiegel)
Herr Verbeet, herzlichen Glückwunsch zur Verleihung der "Kompassnadel" an den "Spiegel". Inwieweit fühlen Sie sich persönlich geehrt?
Vielen Dank für den Glückwunsch! Die "Kompassnadel" wird, wie Sie mit Recht sagen, ja nicht mir verliehen, sondern den Redaktionen von "Spiegel" und "Spiegel Online". Ich werde ihn stellvertretend für beide Redaktionen in Empfang nehmen und fühle mich sehr geehrt – nicht weniger, aber auch nicht mehr als alle meine Kollegen.
Über die Nominierung freuen wir uns sehr, auch weil wir das erste Medium sind, dass mit der "Kompassnadel" ausgezeichnet wird. Eine Jury ist zu dem Schluss gekommen, dass unsere Berichterstattung in den letzten Jahren realistisch, feinfühlig und ausgewogen war – das empfinden wir, wie sollte es anders sein, als große Ehre!
Der "Spiegel" erhält die Auszeichnung aus Sicht des Schwulen Netzwerks NRW für die fortschrittliche Berichterstattung zum Themenfeld Homosexualität und Gesellschaft. Inwieweit haben Sie in den letzten Jahren an diesem Profil mitgewirkt?
Das Ressort, in dem ich tätig bin, hat viele Texte zu unserer Berichterstattung über diese Themen beigesteuert. Mein Beitrag ist schwierig zu messen, aber darauf kommt es auch gar nicht an: Die Auszeichnung gilt ja nicht mir, sondern der gesamten Redaktion.

Versagen in der Aids-Krise: In den 1980er Jahren fiel der "Spiegel" vor allem durch homophobe Berichterstattung auf
Und die hat nicht immer den richtigen Ton getroffen. Ich erinnere z.B. an Ihren damaligen Autor Hans Halter, der in regelmäßigen Abständen übelste Ressentiments gegen Schwule streute und moderne Präventionsansätze, wie sie heute allgemein erfolgreich umgesetzt werden, verteufelte. Bedauert der "Spiegel" diesen Teil der Berichterstattung heute?
Dazu werde ich Stellung nehmen, wenn der Preis in Köln übergeben wird. Dem will ich nicht in einem Interview vorgreifen, bitte haben Sie dafür Verständnis. Seien Sie versichert: Wenn wir Ressentiments verbreitet haben, dann ist das zu kritisieren – und ich werde es kritisieren.
Die Deutsche Aids-Hilfe distanzierte sich öffentlich von der Auszeichnung mit der Begründung, sie sei für die "Aids-Veteranen" ein Schlag ins Gesicht. Auch wenn die Preisverleihung beim "Spiegel" einen Lernprozess initiieren sollte, sei der Preis ungeeignet und vermittle eher die Position "Schwamm drüber". Was sagen Sie dazu?
Man kann und muss den Blick auch in die Vergangenheit richten. Aber die Jury blickt ebenso in die Gegenwart: Wir sind besser geworden, nach Meinung der Jury sogar so gut, dass wir die "Kompassnadel" verdienen. Darauf sind wir stolz. Kritik finde ich berechtigt, die Befürchtung – "Schwamm drüber" – hingegen nicht. Der Preis wird nicht zu einer Verklärung der Vergangenheit führen. Er ist uns vielmehr ein erfreulicher Anlass zu fragen: Was haben wir falsch gemacht? Was machen wir gut? Und vor allem: Was können wir in Zukunft noch besser machen?
Dietrich Dettmann ist Chefredakteur des schwul-lesbischen NRW-Magazins "Fresh". Sein Interview mit Markus Verbeet ist zuerst in der druckfrischen Juli-Ausgabe von "Fresh" erschienen. Wir bedanken uns für die Genehmigung zur Zweitveröffentlichung.














