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  • 02. Juli 2013 68 2 Min.

Plakat zur Veranstaltung: Wer offen schwul oder lesbisch lebt, hat es oft schwer, ein geschätzter Teil eines Glaubenssystems zu sein

queer.de ist Medienpartner der 3. Hirschfeld Lecture am Donnerstag in Köln: Vier hochkarätige Referenten geben Perspektiven auf homo­sexuelle Liebe in Katholizismus, Protestantismus, Judentum und Islam.

An der Uni Köln hat man bereits überlegt, ob man für diese Veranstaltung den Wachschutz verstärken muss. Das Thema Homosexualität und Religion ist nicht nur ein kontroverses, sondern auch ein emotionales. Alle vier monotheistischen Hauptreligionen der Welt stehen der sexuellen Lust am eigenen Geschlecht kritisch gegenüber. Auch in Deutschland fühlen sich manche ihrer Vertreter bereits durch offen gelebte Homosexualität provoziert.

Der Spannungsbogen der religiösen Interpretation der heiligen Schriften reicht dabei von traditionell bis liberal: Während einige wenige, wie beispielsweise das liberale Judentum und Teile des Protestantismus, versuchen, die Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts zu integrieren und tolerieren, lehnen andere monotheistischen Religionen das meist ab. Denn am Ende ist Sexualität zwischen Mann und Frau durchweg nur einem einzigen Zweck untergeordnet – der Fortpflanzung. Wer schwul oder lesbisch ist, hat es daher meist schwer, ein angesehener Teil eines Glaubenssystems zu sein.

Mit dabei: Bertold Höcker, Thomas Bauer, Walter Homolka und Klaus Mertes

Wird es eines Tages mehr als eine vorsichtige Annäherung geben? Dies ist nur eines der Themen der dritten "Hirschfeld-Lecture", die die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Kooperation mit dem Institut für Evangelische Theologie der Universität Köln, am Donnerstag (4. Juli) im Rahmen des Cologne Prides veranstaltet.

Insgesamt werden vier Impulsreferate zum jeweiligen Standpunkt zu "Homosexualität & Religion" gehalten: von Dr. Bertold Höcker (Superintendent Evangelischer Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte), Prof. Dr. Thomas Bauer (Uni Münster: Institut für Arabistik und Islamwissenschaft), Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka (Rektor Abraham Geiger Kolleg) sowie von Jesuitenpater Klaus Mertes (Direktor des katholischen Kollegs St. Blasien).

Im Anschluss wird es eine vom taz-Journalisten Jan Feddersen moderierte Diskussionsrunde geben. Das Publikum ist zum Mitdiskutieren eingeladen. (cw)

Infos zur Veranstaltung

3. Hirschfeld-Lecture: Homosexualität & Religion. Donnerstag, 4. Juli 2013. Beginn: 18 Uhr (Einlass ab 17:30 Uhr). Ort: Universität Köln, Hörsaal B (Gebäude 105), Universitätsstr. 35, 50931 Köln
-w-

#1 ollinaie
  • 02.07.2013, 12:58hSeligenstadt
  • "Wird es eines Tages mehr als eine vorsichtige Annäherung geben?"

    Falsche Frage.

    Wird die Menscheit eines Tages den
    (Aber-) Glauben überwunden haben?!
  • Direktlink »
#2 zaungastAnonym
  • 02.07.2013, 13:16h
  • Irgendetwas emotionales ließ mich ich jetzt -etwas off topic- auch an Carolin Emcke in der ZEIT denken, die sich mal zur betreuten Wahrnehmung der nicht-religiösen Bevölkerungsmehrheit äußerte.

    Auszug:

    "Um den schmucklosen Tisch im Konferenzraum sitzt das Team der Tagesthemen: die Chefin vom Dienst (CvD), eine Co-CvD, zwei Redakteure und ein Redakteur für die Moderation, eine Grafikerin und der Zweite Chefredakteur. Was immer geschieht, muss durch den Filter dieser Menschen. Das Team, das entscheidet, was für unsere demokratische Gesellschaft relevant sein soll, besteht aus einer Mischung aus Jung und Alt, es sind Männer und Frauen zwischen 34 und 62 Jahren, Geisteswissenschaftler und Volkswirte, den exotischsten Migrationshintergrund (wenn man Ostfriesland nicht wertet) hat ein ostdeutscher Kollege. Ihre professionelle und analytische Kompetenz, aber auch ihre ästhetischen, kulturellen und politischen Reflexe gestalten ihre (und unsere) Wahrnehmung der Welt. [...]
    Wer christlich, heterosexuell und bürgerlich ist, neigt dazu (nicht nur im Journalismus, aber auch dort), sich selbst für neutral und den eigenen Blick für verallgemeinerbar zu halten. Das ist keineswegs Bosheit, sondern mangelnde Vertrautheit mit den Weisen des Sehens und Fühlens anderer. Das ist der Grund, warum der fiktive Zuschauer meist verdächtig ähnlich aussieht und denkt wie die realen Journalisten in den Redaktionen, das ist der Grund, warum der ostdeutsche Redakteur im Team wie ein heiter-geduldiger Simultandolmetscher wirkt, wenn er den anderen erläutert, welche Bilder und Begriffe bei einigen Zuschauern ganz andere Assoziationen wecken, als sie ahnen. Immer wieder bemühen sich die historisch sensiblen Kolleginnen und Kollegen dieses Teams, sich den fiktiven Zuschauer weniger ebenbildlich vorzustellen: die nachdenkliche Chefin vom Dienst etwa, wenn sie die ewig gleiche Moschee-Symbolik auf einer der Illustrationen sieht und auf ihre Wirkung befragt aber es bleiben eben bestenfalls erdachte Gegenüber. Das ist der Grund, warum es mehr reale Vielfalt in den bundesdeutschen Redaktionen braucht. Nicht allein weil es politisch gerechter, sondern auch weil es fachlich kompetenter wäre. Dass es im gesamten Komplex von ARD-aktuell zurzeit niemanden gibt, der oder die Türkisch oder Arabisch spricht, ist nicht nur provinziell, sondern in globalisierten, digitalisierten Zeiten auch schlicht unprofessionell.

    www.zeit.de/2013/26/berichterstattung-tagesthemen-emckes-exp
    editionen


    Natürlich sind die vier hochkarätigen Referenten bei Hirschfeld Lecture hochprofessionell und bestimmt hochvertraut mit den "Weisen des Sehens und Fühlens anderer" [Mitbewerber am Markt]. Sogar mit einem Bauer, der Arabisch kann! Der Oberstleutnant vielleicht auch.

    "Wenn Homolka betonte, wie nahe Judentum und Islam einander seien, sobald sie wie etwa in der Bundeswehr, deren Oberstleutnant der Reserve Homolka ist sich in einer mehrheitlich christlichen Großorganisation behaupten müssten,..."

    www.digberlin.de/die-koranforschung-und-die-wissenschaft-des
    -judentums-prof-dr-angelika-neuwirth-und-rabbiner-prof-dr-wa
    lther-homolka-zu-gast-im-judischen-gemeindehaus/
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#3 sperlingAnonym
  • 02.07.2013, 13:39h
  • Antwort auf #1 von ollinaie
  • ja, sowas geht mir auch durch den kopf: viele fragen, die ich dabei eigentlich erst interessant fände, werden dort vermutlich gar nicht gestellt werden.

    wie kann man überhaupt heute noch alte überlieferungen als ethische autoritäten anerkennen?
    wie kann man im 21. jahrhundert ethische autorität "spezialisten" anvertrauen, deren fachgebiete mit der realität ungefähr so viel zu tun haben wie astrologie?
    kann man heute noch eine diskussion über religionen führen, in der fundamentale religionskritik von vornherein gar nicht vorkommen wird?

    das wird eine diskussion innerhalb des tellerrandes. oder von mir innerhalb von VIER tellerrändern. als solche vielleicht nicht mal uninteressant, aber mir fehlt da das produktive zwicken von außen.
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