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Queer.de stellt Strafanzeige
Christliche Mitte: "Homosex ist keine Liebe"
- 07. Juli 2013 3 Min.

Kämpft für einen Gottesstaat: Plakat der Christlichen Mitte zur Europawahl 2009
Der Bundeswahlausschuss hat mit der "Christlichen Mitte" eine Partei zur Bundestagswahl zugelassen, die in ihrer Hetze gegen Lesben und Schwule den Straftatbestand der Volksverhetzung überschritten hat.
Von Micha Schulze
Der Bundeswahlausschuss hat am vergangenen Donnerstag insgesamt 18 "nicht etablierte" Parteien den Antritt bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 erlaubt – eine davon ist die "Christliche Mitte" (CM). Von einer am rechten Rand des Katholizismus agierenden Mini-Partei, die "für ein Deutschland nach Gottes Geboten" kämpft, haben wir von vornherein kein Engagement für LGBT-Rechte erwartet – dennoch überrascht die Schärfe ihrer Hetze gegen Schwule und Lesben.
"Homos haben mehr als sechs Millionen Aids-Tote zu verantworten, die sie ihrer widernatürlichen Lustbefriedigung geopfert haben", heißt es etwa in einem Flyer mit dem Titel "Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Homosexualität", dem man auf der Homepage der Christlichen Mitte als PDF downloaden kann. Laut Zähler ist er mit über 13.000 Downloads die mit Abstand beliebteste Veröffentlichung der Partei.
Die "pathologische Sex-Sucht" der Homosexuellen

Neben Homosexualität bekämpft die Christliche Mitte Abtreibung und den Islam
"Homosex ist keine Liebe", behauptet das Flugblatt, weil er die "Aufgabe der Arterhaltung" nicht erfüllen könne. Lesben und Schwule litten laut CM an einer "naturwidrigen Trieb-Verirrung". Wörtlich heißt es in der Veröffentlichung: "Homosexuelle spüren, dass ihr gleichgeschlechtliches Begehren unvereinbar ist mit moralischer Reinheit. Viele sprechen es nach sexuellen Kontakten aus: Sie empfinden Abscheu vor sich selber. Sexuelle Lust, die für sich selbst gesucht wird, löst negative Gefühle aus. Homos sind deshalb unglückliche und ruhelose Menschen, denen die Einsicht aber oft fehlt. Bei der sog. homosexuellen Liebe handelt es sich um einen egozentrischen Missbrauch des Partners, um Selbstbefriedigung am Partner." Weiter heißt es in dem Flyer: "Es entwickelt sich in der Regel eine pathologische Sex-Sucht, eine Hypersexualität in der ständigen Suche nach neuen Partnern und damit eine Versklavung an den naturwidrigen Sex-Trieb."
Die Antwort der Christlichen Mitte sind so genannte Umpolungs-Therapien: "Homosexualität ist heilbar", heißt es in dem Flyer. "Homosexualität als unheilbar zu proklamieren, ist gezielte Desinformation und zutiefst unchristlich, da jedem Menschen von Gott die notwendigen Gnaden geschenkt werden, sündhafte Neigungen zu überwinden, wenn er darum bittet."
Parteiprogramm fordert "Strafrechtsschutz vor der Homosexualität"

Verantwortlich für das Hetz-Flugblatt: CM-Bundesvorsitzende Adelgunde Mertensacker
Auch in ihrem 2005 verabschiedeten Parteiprogramm, das eine Ausrichtung aller gesellschaftlichen Bereiche "unter dem christlichen Sittengesetz nach Gottes Geboten" fordert und gegen eine angeblich "fortschreitende Islamisierung Deutschlands" wettert, verurteilt die Partei Homosexualität gleich an mehreren Stellen. Tonfall und Wortwahl fallen hier etwas moderater aus als in dem Flugblatt: "Die Christliche Mitte stellt sich ideologischen Strömungen entgegen, welche die Familie als Institution aufzulösen versuchen, wie z.B. der 'Ehe ohne Trauschein', der sog. 'Homo-Ehe' und Adoption von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften." Darüber hinaus will die Kleinpartei mit ihrer Forderung nach einem "Strafrechtsschutz vor der Homosexualität" einvernehmlichen Sex zwischen Menschen des gleichen Geschlechts offensichtlich (wieder) unter Strafe stellen.
Eine Gefahr für die Demokratie ist die 1988 gegründete Christliche Mitte mit Sicherheit nicht. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren machten lediglich 6.826 Bundesbürger ihrer Kreuzchen bei der Fundamentalistentruppe – das entspricht einem Stimmenanteil von 0,02 Prozent. Ihr bestes Wahlergebnis erzielte die Christliche Mitte 1994 bei der Europawahl, als sie 66.755 Stimmen (0,2 Prozent) auf sich vereinen konnte.
Dennoch haben wir heute Strafanzeige gegen die CM-Bundesvorsitzende Adelgunde Mertensacker erstattet, die auf dem Flugblatt als persönlich Verantwortliche genannt ist. Wer Homosexuelle pauschal für sechs Millionen Aids-Tote verantwortlich macht, Lesben und Schwule als kranke, egozentrische, sexsüchtige und unglückliche Menschen verunglimpft, erfüllt unserer Meinung nach den Straftatbestand der Volksverhetzung und muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wenn es sich "nur" um die Vorsitzende einer umbedeutenden Splitterpartei handelt.
Volksverhetzung wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet.














