https://queer.de/?19646
"Nicht nur bunte Partybildchen"
Kölns Stadtmagazin "Flash" sucht Geldgeber
- 16. Juli 2013 6 Min.

Cover der Mai-Ausgabe von "Flash": Mit dem Crowdfunding-Projekt will das Kölner Stadtmagazin in die Digitalsparte investieren - und sich damit zukunftsfähig aufstellen
Crowdfunding soll bis Ende August 10.000 Euro in die Kassen von Kölns schwul-lesbischem Stadtmagazin "Flash" spülen – u.a. zur Entwicklung von Apps. Ein Interview mit Verleger Marc Kersten.
Von Micha Schulze
Crowdfunding für schwul-lesbische Projekte ist nichts völlig Neues, mehrere Filme wurden beispielsweise auf diesem Weg bereits erfolgreich finanziert. Nun versucht mit "Flash" aus Köln zum ersten Mal ein monatlich erscheinendes Stadtmagazin, online an frisches Geld zu kommen. Verleger Marc Kersten hat dafür eine eigene Seite auf dem Crowdfunding-Portal startnext.de eingerichtet und hofft, darüber bis zum 28. August 2013 mindestens 10.000 Euro von Unterstützern zu bekommen – diese erhalten im Gegenzug ein kleines Dankeschön. Im Interview mit queer.de erklärt er seine Motivation.
Wie bist Du aufs Crowdfunding gekommen?
Weil das Bankensystem an dieser Stelle völlig versagt. Selbst mit dem besten Businessplan und Leumund bekommt man als Kleinunternehmer wie "Flash" und sicher auch queer.de kein Bankdarlehen. Die schauen sich nicht mal die Unterlagen an, wenn der Betrag unter 50.000 Euro liegt. Diese Erfahrung habe ich vorher schon mehrmals gemacht und erspare sie mir an dieser Stelle und setze auf die Macht der Masse. Der Schwarm wird schon die richtige Richtung finden anstatt den "rechten" Weg.
Was passiert, wenn die 10.000 Euro innerhalb eines Monats nicht zusammenkommen? Muss "Flash" dann eingestellt werden?
Nein, das Crowdfunding-Projekt bei startnext.de ist ausschließlich für den Ausbau unserer Digitalsparte. Also echtes WYSIWYG (What you spend is what you get). Also für Apps für Android und iOS, Videoberichte, interaktive E-Paper, neue Community- und Mitmachfunktionen, Bürgerjournalismus.

Allter Hase in der schwul-lesbischen Medienwelt: Seit 2009 ist Marc Kersten Verleger von "Flash"
Aber um das Magazin soll es ja auch nicht besonders gut bestellt sein. Du selbst schreibt auf Deiner Homepage: "Wenn bis Ende Juli nicht mindestens 10.000 Euro an verbindlichen Zusagen zusammen kommen, wird es die 'Flash' zum 4-jährigen Jubiläum im September schon nicht mehr geben"…
Damit es die Printausgabe weiter gibt, bieten wir Förderabos an und die Beteiligung als Stiller Gesellschafter an der "Flash". Hierfür haben wir eine eigene Subwebsite angelegt.
Du hast die "Flash" 2009 mit lediglich 5.000 Euro Startkapital gegründet. "Das Wort 'Reserven' gehört genauso wenig zu unserem Wortschatz wie 'Urlaub', 'Luxus' und 'Ausschlafen'", heißt es auf der startnext.de-Seite. Viele fragen sich: Warum tust Du Dir das eigentlich an zusammen mit den finanziellen Problemen?
Gute Frage, die stelle ich mir manchmal auch (lacht). Wahrscheinlich weil es eben doch Spaß macht, man kreativ arbeiten kann und ich es einfach wichtig finde, dass es weiterhin vernünftigen Lokaljournalismus in der schwul-lesbischen Szene gibt, nicht nur in Köln. Und ich möchte die schwul-lesbische Zeitungslandschaft in Deutschland nicht Menschen überlassen, denen es nur um Geld statt um Inhalte geht, die sich so entfremdet haben vom Communitygedanken, dass sie den CSD verächtlich als zweitklassiges Event bezeichnen und sich zu schade sind, dort aufzutauchen. Und die sogar manchmal auf dem rechten Auge blind zu sein scheinen.
Du bist Herausgeber, Chefredakteur und Anzeigenleiter in einer Person, während hinter Deinen beiden Mitbewerbern in Köln überregional agierende Verlage stehen. Wie willst Du da mithalten?
Ich und mein Team haben es geschafft, mit 5.000 Euro ein Magazin zu machen, das sich in Punkto Lokalberichterstattung als klarer Marktführer in Köln etabliert hat. Was könnte ich, was könnte man erst mit 10.000 oder 20.000 Euro machen? Geld ist nicht alles. Man braucht auch gute Kontakte, ein sympathisches Auftreten, eine innere Motivation jenseits des Geldverdienens und gute Ideen. Dann kann man viel wettmachen, was uns unsere Mitbewerber aus Berlin und Hamburg finanziell voraushaben. Wenn unser Aufruf einschlägt, sind wir vielleicht in zwei bis drei Monaten das am besten aufgestellte Magazin in Köln. Die Dinge sind gerade sehr in Bewegung.

Crowdfunding über startnext.de: Sobald ein Projekt 100 Fans hat, kann es mit dem Geldsammeln losgehen
Was macht "Flash" aus Deiner Sicht denn so einzigartig und für Köln unverzichtbar?
Einzigartig und unverzichtbar sind ja so Marketingbegriffe, bei denen viele sofort die Scheuklappen runterlassen. Aber es ist sicher nicht gelogen zu sagen, dass die "Flash" mit ihren zu 100 Prozent auf lokale Berichterstattung ausgelegten Inhalten das wohl einzige Stadtmagazin dieser Art in Deutschland ist, nicht nur im Homo-Markt. Wir machen das, was Stadtmagazine am besten können, nämlich besonders intensiv und kompetent von dem berichten, was unseren Lesern am nächsten liegt. Und wo dpa, Spiegel & Co. nicht konkurrieren können. Und "Flash" ist das einzige schwul-lesbische Stadtmagazin in Köln, das noch in Kölner Hand ist.
"Flash" besticht zweifellos durch die hohe journalistische Qualität. Kann das aber nicht eines der Probleme sein? Bietest Du vielleicht einfach zu viel für ein kostenloses, werbefinanziertes Blatt?
Danke. (lacht) Ich fürchte, da steckt etwas Wahrheit drin. Aber die "Flash" will eben nicht nur bunte Partybildchen, nackte Unterwäschemodels und seitenlange Möbelspecials abdrucken. Wenn wir diesen Pfad verlassen, dann wäre es nicht mehr die "Flash", dann wäre ich auch nicht mehr motiviert, sie zu machen, und dann bräuchte es auch keine "Flash" mehr, weil all das ja schon in Hülle und Fülle bei den Mitbewerbern steht.
Auf Startnext versprichst Du Investitionen – von interaktiven Apps bis zu Videoberichten. So schön das klingt: Ist das denn wirklich realisierbar, wenn schon die Anzeigenerlöse nicht ausreichen, das gedruckte Heft zu finanzieren?
Das ist eine berechtigte Frage, die mir schon ein paar Leute gestellt haben. Die kurze Antwort: Ja, es ist realistisch. Die längere Antwort: Es ist nicht nur realistisch, sondern alternativlos. Die Werbeerlöse verschieben sich immer mehr zu multimedialen Werbeformen, von Online über Apps bis hin zu Trailer-Werbung vor Videos. Unser erster Anlauf mit "Flash TV" war sehr lehrreich. Wir haben den Arbeitsaufwand unterschätzt und uns übertriebene Qualitätsstandards gesetzt. Wenn man unsere damaligen Kurz-Beiträge etwa mit denen heute auf Spiegel Online vergleicht, da käme man auf die Idee, der "Spiegel" und nicht wir wäre die Firma mit den 5.000 Euro Startkapital! Da müssen wir jetzt einen vernünftigen Mittelweg finden, der auch realisierbar ist.
Wenn ich jetzt auf startnext.de 2.500 Euro spende würde, käme ich aufs Cover der "Flash". Was bietest Du Unterstützern an, die sich ganz nicht so viel leisten können?
Man kommt schon für 75 Euro aufs Cover, dann allerdings zusammen mit anderen Unterstützern. Für 150 Euro kommt man in eine Jury, die über die nächsten Cover zumindest entscheidet. Für 25 Euro wird man mit Foto und Namen als Unterstützer in der "Flash" erwähnt und bekommt die Android-App einen Monat vor den anderen. Vom Videoworkshop bis zum Promi-signierten "Flash"-Cover – da ist unter den 28 Dankeschöns für jeden was dabei. Aber zunächst einmal brauchen wir 100 Fans des Projektes. Erst danach kann man auf startnext auch mit Geld helfen.















Es gilt viele solcher Magazine hier bei uns in Köln, das ist ja toll, aber dass die FLASH den anderen um Längen voraus ist, dem würde ich nicht zustimmen.
Auch die angesprochene Sichtbarkeit von uns als lesbischer Teil Bevölkerung ist in der FLASH, wenn man mal ehrlich ist, nicht sonderlich viel zu sehen.
Warum werden die Inhalte nicht in jeder Ausgabe mit 50:50 aufgeteilt? Für uns ist die FLASH ein nahezu rein schwules Magazin und sticht aus der breiten Masse der anderen nicht wirklich hervor. Schade.
Grüße aus Deutz Sandra