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"Homo-Propaganda"
Sechs Homo-Aktivisten in Moskau verhaftet
- 24. Juli 2013 2 Min.

Dieses Plakat macht Homo-Aktivist Alexei Davidow in Russland zum Kriminellen
In Russland wurden wieder sechs Aktivisten festgenommen. Ihr "Vergehen": Sie behaupteten in der Öffentlichkeit, dass Homosexualität "normal" sei.
Sechs Homo-Aktivisten sind am Mittwoch in Moskau wegen "Homo-Propaganda" verhaftet worden. Einer von ihnen hatte vor einer Kinderbibliothek ein Plakat mit der Aufschrift "Homosexuell zu sein, ist normal" gezeigt, die anderen wollten Informationsbroschüren verteilen. Polizisten und Anti-Terror-Einheiten nahmen die Aktivisten daraufhin in wenigen Minuten fest. Ihnen drohen nun Geldstrafen.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax war zuvor ein Antrag der Aktivisten auf eine Demonstration abgelehnt worden, weil diese gegen das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" verstoßen würde. Daraufhin führten sie offiziell unabhängig voneinander sogenannte Ein-Mann-Demos durch, die nach russischem Recht nicht angemeldet werden müssen.
Aktion war "Testballon"
Laut der amerikanisch-russischen Aktivistin Masha Gessen war die Aktion ein "Testballon", um die Reaktion der Justiz zu testen. Damit sollte öffentliche Aufmerksamkeit für diskriminierende Behandlungen von schwulen und lesbischen Jugendlichen erzeugt werden.
Das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" ist in Russland Ende Juni mit der Unterzeichnung durch Präsident Wladimir Putin in Kraft getreten (queer.de berichtete). Damit kann jeder bestraft werden, der "Werbung" für "nicht traditionelle sexuelle Verhältnisse" unter Minderjährigen verbreitet. Das Gesetz hat zur Folge, dass praktisch jegliche öffentliche Diskussion über Homosexualität untersagt wird. Auf Nachrichtenseiten warnen russische Medien nun bei Berichten, in denen es um Homo-Rechte geht: "Dieser Artikel enthält Informationen, die laut russischem Recht nicht für ein Publikum unter 18 Jahren geeignet sind".
Das Gesetz hat auch Auswirkungen auf Ausländer: So sind am Wochenende vier niederländische Filmemacher in Murmansk festgenommen worden, weil sie Interviews mit Homosexuellen durchgeführt hatten. Die russische Regierung hat gegen sie ein dreijähriges Einreiseverbot verhängt (queer.de berichtete). Inzwischen sind die Niederländer wieder in ihrer Heimat.
Homo-Aktivisten befürchten, dass bei internationalen Veranstaltungen in Russland Schwule und Lesben künftig stets ihre Festnahme befürchten müssen. Das nächste Großevent in Russland sind die Olympischen Winterspiele Anfang 2014 in Sotschi. (dk)














