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Reaktion auf Franziskus-Äußerung
Homo-Aktivisten verlangen vom Papst "mehr Mut"
- 30. Juli 2013 3 Min.

Leitet Papst Franziskus einen Paradigmenwechsel ein oder betreibt er einfach nur gute PR? (Bild: paolonuti95 / flickr / by-nd 2.0)
Schwul-lesbische Aktivisten haben weltweit die versöhnlichen Äußerungen des Papstes begrüßt, sehen sie aber höchstens als ersten Schritt an.
Homo-Gruppen haben auf Kommentare des Papstes zu Homosexualität positiv reagiert, mahnten aber grundlegende Veränderungen an. Franziskus hatte am Montag bei seinem Rückflug von Brasilien nach Rom vor Journalisten erklärt, dass Homosexualität für die Kirche "kein Problem" sei und dass Schwule und Lesben in die Gesellschaft integriert werden müssten (queer.de berichtete).
Allerdings kritisierten die Aktivisten, dass sich an der Haltung der Kirche zum Thema Sexualität nichts geändert habe und sie jetzt weitere Schritte vom Anführer der 1,2 Milliarden Katholiken erwarteten. Die deutsche Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) begrüßte etwa die "erfrischende Offenheit", mit der Papst Franziskus über Homosexualität gesprochen habe. "Stagnation und kirchenpolitischer Rückschritt der letzten 35 Jahre brechen langsam auf", erklärte HuK-Sprecher Markus Gutfleisch am Dienstag.
Er forderte aber auch "mehr Mut" vom Oberhaupt der katholischen Kirche und stellte fest, dass "das Kirchenoberhaupt immer noch Lesben, Schwule und Bisexuelle ausgrenzt, die ihre Sexualität in Verantwortung vor Gott leben". Der Haken sei, dass der Papst "gelebte Homosexualität" nicht anerkenne. Daher mahnte Gutfleisch eine "Neuausrichtung der gesamten katholischen Sexualmoral" an.
Kirche hat "ihre Politik nicht geändert"

Der britische Aktivist Peter Tatchell setzt sich seit Jahrzehnten für Homo-Rechte ein
Auch international sorgten die Äußerungen für Aufsehen. So erklärte die Human Rights Campaign, die größte LGBT-Organisation der USA, dass die katholische Kirche zwar "ihre Politik nicht geändert hat, aber immerhin jetzt einen anderen Ton wählt". Der Papst müsse aber anerkennen, dass die Kirche nach wie vor eine "schädliche Botschaft" aussende, wenn gelebte Homosexualität weiterhin verurteilt werde.
Die philippinische Gruppe ProGay nannte die Äußerungen von Franziskus einen "Fortschritt im Vergleich zu den gehässigen Äußerungen" seines Vorgängers Benedikt. Die Organisation erklärte, wenn der Papst in den nächsten Jahren die Philippinen besuchen werde, solle er auch die "arbeitslosen LGBT in urbanen Gegenden" aufsuchen, die einer Mehrfachdiskriminierung ausgesetzt seien.
Der britische Homo-Aktivst Peter Tatchell erklärte, dass die Äußerungen des Papstes die Haltung der Kirche "nicht im Wesentlichen geändert" habe: "Die unbarmherzige Haltung der Kirche bei Fragen der Gleichstellung ist immer noch gültig: Die Kirche lehnt die Ehe-Öffnung ab. Und der Katechismus verdammt homosexuelle Liebe mit schriller, agitatorischer und homophober Sprache."
"Überfällige Äußerung" des Papstes

Patrick Meinhardt (FDP) wünscht sich eine Kirche, in der sich auch Homosexuelle geborgen fühlen können (Bild: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)
Auch aus der deutschen Politik gab es Reaktionen: So begrüßte es der Sprecher der Christen in der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, als ermutigendes Zeichen, "wenn Franziskus einen offeneren Umgang mit Homosexuellen predige. "Ich wäre froh, wenn sich endlich im 21. Jahrhundert Christen in ihrer katholischen Kirche unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung geborgen fühlen könnten", so Meinhardt nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen".
Die SPD-Abgeordneten im Europäischen Parlament sprachen via Twitter von einer "überfälligen Äußerung" des Papstes, dass Homosexuelle nicht an den Rand gedrängt werden sollten.
Konservative innerhalb der Kirche stellten hingegen sofort klar, dass sich die Position der Kirche nach den Äußerungen des Papstes keinen Millimeter geändert hätten. So sagte der amerikanische Kardinal Timothy Dolan, dass "homosexuelle Handlungen" nach wie vor sündhaft seien. "Genauso ist Heterosexualität außerhalb der Ehe eine Sünde", so Dolan gegenüber dem Fernsehsender CBS.
Auf der US-Nachrichtenseite Foxnews.com, die insbesondere unter rechtsgerichteten Christen populär ist, stellte ein Pfarrer in einem Kommentar klar, dass die Kirche Homosexualität nie als Sünde angesehen habe, aber gleichgeschlechtlicher Sex grundsätzlich gegen das göttliche Naturgesetz verstoßen würde. Nichts anderes habe Franziskus in dem Pressegespräch gesagt, auch wenn Medien mehr in die Geschichte hineininterpretierten. (dk)















Franziskus ist liberaler als sein Vorgänger und das sollten wir begrüßen. Mehr können wir (traurigerweise) auch erstmal nicht erwarten.
Ist aber auch kein Weltuntergang, denn der Einfluss der katholischen Kirche im Westen ist sowieso enorm gering geworden. Die Eheöffnung kriegen wir auch ohne die durch.