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Corny Littmann war von 2003 bis 2010 Präsident des Fußballbundesligisten FC St. Pauli. Er war der erste offen schwule Mann in dieser Funktion. (Bild: stero / flickr / by-nc-sa 2.0)

Der ehemalige St.-Pauli-Präsident hat "etliche" homosexuelle Spieler und Trainer in der Bundesliga ausgemacht und kritisiert die neue DFB-Broschüre zum Thema als "absurd und irreal".

Das Thema Homosexualität und Fußball bestimmt auch das Sommerloch in diesem Jahr. Ein beliebter Interviewpartner für die Medien ist dabei der schwule Besitzer des Hamburger Schmidt-Theaters und ehemalige Präsident des FC St. Pauli, Corny Littmann. In der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag erklärte der 60-Jährige nicht nur, dass es "etliche" homosexuelle Spieler und Trainer in der Bundesliga gebe, er gab auch einen Tipp, woran man diese erkennen könne. Littmanns gewagte These: "Wenn Sie nach schwulen Fußballern suchen, dann sehen Sie sich die Spieler an, die viele Gelbe Karten bekommen. Das sind die, die den harten Hund rauskehren und übertrieben männlich agieren."

Gleichzeitig riet der Hamburger Theaterchef jedoch homosexuellen Profispielern – wie zuvor bereits der Vorsitzende der Deutschen Fußball-Liga Reinhard Rauball (queer.de berichtete) -, besser weiterhin im Schrank zu bleiben: "Ich würde keinem Spieler zum Outing raten. Wer will schon sein Leben lang mit dem Etikett des ersten offen schwulen Fußballers rumlaufen", so Littmann gegenüber der "SZ". Er räumte jedoch ein, dass das Versteckspiel unglaublich belastend sei: "24 Stunden am Tag den Verdacht zu vermeiden, man sei schwul", das könne sich ein Heterosexueller gar nicht vorstellen.

Littmann fordert Homo-Beauftragten bei allen 36 Profivereinen


Für Littmann zumindest "nicht schädlich": Broschüre des DFB zum Thema "Fußball und Homosexualität"

Ähnlich hatte sich Corny Littmann bereits eine Woche zuvor in der "Welt am Sonntag" geäußert. In diesem Interview kritisierte er den kürzlich vorgestellten Leitfaden des Deutschen Fußball-Bunds zum Thema Homosexualität als "absurd und irreal". Wörtlich sagte der ehemalige St.-Pauli-Präsident: "Das Absurde an dieser Broschüre ist, dass sie sich an alle Mitglieder im DFB richtet. Das Heikle beim Thema Outing ist aber nicht der Amateurfußballer aus der sechsten Spielklasse, der nebenbei am Wochenende kickt und schwul ist. Tabu sind die, die in einem der 36 Profivereine spielen."

An diesem Punkt werde es in der neuen DFB-Broschüre "völlig obskur", so Littmann: "Wenn ein Spieler sich outen will, soll er sich an die Vereinsverantwortlichen und Sponsoren wenden, ehe er überhaupt an die Öffentlichkeit geht? Das ist fern jeder Realität. Es gibt im Profifußball keine Geheimnisse, der man sich sicher sein kann."

Littmann schlug stattdessen die Einstellung eines hauptamtlichen, professionellen Vertrauten bei allen Bundesligavereinen vor: "So eine Mischung aus Psychologe, Sozialarbeiter und Ombudsmann. Bei dem klar ist, dass das, was ich ihm erzähle, keinen Vereinsfunktionär erreicht, so lange ich das nicht will. Ähnlich einer ärztlichen Schweigepflicht. Das kostet Geld, ganz klar. Und das Vertrauen muss man sich auch erst mal erwerben."

Über die Hälfte der Bundesligatrainer sei homophob


Nimmt in seinen Interviews kein Blatt vor den Mund: Corny Littmann (Bild: Wiki Commons / Udo Grimberg / CC-BY-SA-3.0)

Als Gründe, warum sich bislang kein schwuler Profi-Fußballer geoutet hat, nannte Littmann u.a. die Angst vor dem Ende der Karriere und vor Repressionen durch ausländische Mitspieler. Auch die Trainer hätten einen entscheidenden Anteil an der unbefriedigenden Situation. Nach einer Schätzung des Theaterbesitzers sei "mindestens die Hälfte der deutschen Bundesligatrainer" homophob eingestellt: "Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass der Fußball eine Zwangs-Männergemeinschaft ist, in der gewisse eigene Moralvorstellungen vorherrschen, die eigentlich gar nicht mehr zeitgemäß sind. Das wird sich mit einer jüngeren Trainergeneration ändern, aber es gibt noch genug von der alten Sorte."

Ein weiteres Problem sei, dass ein schwuler Fußballer im Laufe seiner Karriere gar keine Chance habe, wie andere schwule Männer eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit seiner Homosexualität und seiner Identität zu entwickeln, sagte Littmann: "Der Spieler ist ja schon mit 15, 16 Jahren voll in diesem Männerklüngel gefangen." (cw)

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#3 FelixAnonym
  • 03.08.2013, 15:06h
  • "Ich würde keinem Spieler zum Outing raten. Wer will schon sein Leben lang mit dem Etikett des ersten offen schwulen Fußballers rumlaufen"

    1.
    Das Etikett haben schon andere, z.B. in Deutschland Marcus Urban.

    2.
    Außerdem wäre das sicher nicht der erste schwule Spieler, sondern der erste, der dazu steht und sich nicht mehr selbst verleugnet. Und das ist ja etwas durchaus positives.

    3.
    Außerdem tun die das ja auch für sich selbst, weil dieses Versteckspiel und die andauernde Selbstverleugnung langfristig psychische Schäden hervorruft. Herr Urban hat z.B. mal in einem Interview gesagt, dass er erst seit seinem Outing richtig glücklich ist und erst seitdem weiß, wie er vorher gelitten hat, dieses Leid aber unterdrückt hat.

    4.
    Am besten wäre, mehrere outen sich gleichzeitig. Dann wäre das viel unproblematischer als wenn das nur einer alleine tut.

    5.
    Ich hätte als Spieler wahnsinnige Angst, dass es doch mal rauskommt oder von jemandem verraten wird. Man macht sich ja auch erpressbar. Diese ständige Angst muss einen doch fertig machen...

    6.
    Wenn die ersten angefangen haben und andere folgen, ist das alles sehr schnell kein Thema mehr. War doch in der Politik genauso: bei den ersten offen schwulen Politikern war das noch ein Thema, mittlerweile haben wir Wowereit, Westerwelle, von Beust & Co und das interessiert keinen mehr. Wenn sich ein Politiker outet, ist das heute allenfalls noch eine Randnotiz, aber ansonsten kein Thema mehr...

    7.
    Sportler sind auch Vorbilder und sollten mit dieser Vorbildfunktion verantwortlich umgehen und ihre Fans nicht belügen und betrügen. Die meisten Fans wären sicher wütender, wenn sie irgendwann erfahren, dass sie jahrelang belogen wurden als wenn sie erfahren, dass ein Spieler schwul ist.

    Fazit:
    Die Probleme bei Fußballer-Outings gibt es höchstens, weil sie immer wieder herbeigeredet werden. Die Spieler sollten endlich zu sich selbst stehen und diese unwürdige Schmierenkomödie beenden!

    Am besten mehrere zusammen, dann gibt das kein Problem. Und die Solidarität der wahren Fans wäre ihnen sicher! Und was irgendwelche Arschlöcher sagen, sollte ihnen eh egal sein, da stehen andere Schwule doch auch drüber. Das sollte genauso irrelevant wie Rassismus unter Fans sein.
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