https://queer.de/?19864
Leichathletik-WM
Lesbischer Kuss doch kein Protest gegen "Propaganda"-Gesetz
- 20. August 2013 2 Min.

Xenia Ryschowa (l.) und Julia Guschina gaben sich bei der Siegerehrung einen großen Schmatzer auf den Mund - so richtig kann sich Ryschowa aber jetzt nicht mehr dran erinnern
Zwei Mal haben sich russische Sportlerinnen nach ihrem WM-Sieg in Moskau auf den Mund geküsst. Nun erklären die Teamkolleginnen pikiert, dass der Kuss kein Protest gegen homophobe Gesetze gewesen sei.
Am Samstag gingen die Bilder der Sprinterinnen Xenija Ryschowa und Tatjana Firowa um die Welt, die sich nach dem Gewinn der Goldmedaille im 4-mal-400-Staffellauf bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in der russischen Hauptstadt zwei Mal vor laufenden Kameras geküsst hatten (queer.de berichtete). Nun widersprachen die Sportlerinnen Berichten von Zeitungen, wonach die Küsse ein Protest gegen das Verbot von Homo-"Propaganda" in Russland oder gegen Präsident Wladimir Putin gewesen seien.
"Ich war nur glücklich für unser Team", sagte Ryschowa nach Angaben der Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Sie reagierte empört auf das Medieninteresse: "Am Montag wurde ich von 20 Publikationen angerufen. Statt mir zur Goldmedaille zu gratulieren, wurde ich durch Fragen beleidigt", sagte die 26-Jährige. Sie lehnte es ab, eine Position zu LGBT-Rechten zu beziehen.
Ryschkowa betont Heterosexualität
Die Sportlerin betonte, dass sie selbst nicht lesbisch sei: "Ich und Julia Guschina sind mit Männern verheiratet, wir sind nicht in irgendeiner Art von Beziehung." Sie seien nach acht Jahren gemeinsamem Training lediglich "gute Freunde". An den Kuss selbst habe Ryschowa nur vage Erinnerungen. So wisse sie nicht, "ob wir in diesem Moment die Lippen berührt haben". Gushina bestätigte die Aussagen ihrer Teamkollegin.
Mit dem Gesetz gegen Homo-"Propaganda" ist in Russland jede öffentliche positive Darstellung von Homosexualität verboten worden (queer.de berichtete). Es drohen Geldstrafen, außerdem können Ausländer bei einem Verstoß gegen das vage Gesetz für bis zu 15 Tage in Arrest genommen oder ausgewiesen werden.
Während der WM hat die russische Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa bereits mit homophoben Aussagen für Aufregung gesorgt (queer.de berichtete). Nach heftiger Kritik nahm die 31-Jährige, die vom IOC 2010 zur "Botschafterin" für die Olympischen Jugendspiele ernannt worden war, ihre Tirade zurück und erklärte, dass sie wegen ihrer schlechten Englischkenntnisse missverstanden worden sei. (dk)
- Sa., 24.8. Demo "#putinmyass" in Frankfurt
- Sa., 31.8. Großdemo "Enough is enough" in Berlin
- So., 8.9. Weltweiter Aktionstag "To Russia with love" mit Kiss-In vor Botschaften und Konsulaten u.a. in Berlin, Bonn, Frankfurt, Hamburg, Mainz und München















Traurig, dass die beiden sich als lesbisch "beleidigt" fühlen, noch trauriger ist, wie viele Leute bis hin zum LSVD und mehr, falsche Tatsachen behaupten und sich selbst der Lächerlichkeit preis geben. Das beginnt bei dummen Vorschlägen eines Kahrs, die die Spiele nach Vancouver zu verlegen, nimmt gruselige Züge an, wenn ein russischer Teenager für Toten erklärt wird und ist schadhaft für ehrlich gemeinte Proteste pro Menschenrechte, wenn ein traditioneller russischer Kuss fahrlässig und mit Absicht als Protest gegen Homophobie fehlinterpretiert wird.