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"Protest" gegen "Propaganda"-Gesetz

Flop der Woche: Unterwäsche gegen Putin

  • 23. August 2013 10 3 Min.

Jetzt soll man mit Hammer und Sichel auf der Boxershort eine "stille Revolution" beginnen. Und das für nur 65 Euro das Stück.


Bel Ami? Nein, eine "stille Revolution"

Der Aktionismus im Kampf gegen das "Propaganda"-Gesetz in Russland nimmt immere bizarrere Formen an. Was hat es da nicht schon alles gegeben? Der Boykott eines nicht-russischen Wodkas, die hysterische Verbreitung von offensichtlichen Falschmeldungen und gar eine Facebookgruppe für die Freilassung des russischen LGBT-Aktivisten Nikolai Aleksejew; dabei war er nicht entführt oder verhaftet und sein Facebook-Profil nicht wie vermutet gehackt worden – er hatte einfach einige boykottierte Wodkas zuviel genossen und war in Folge auf Facebook gegenüber all dem Aktionismus ausfällig geworden.

Selbst die umstrittene "Demokratische Schwul/Lesbischen Partei" mit ihrem Vorsitzenden mit NPD-Vergangenheit reihte sich in die Reihe der Russland-Kritiker ein und erzielte mit viral verbreiteten Briefen an deutsche Parteien viel gutgläubige Likes auf Facebook.

Sicher, es gab auch zielgerichtete, gute Aktionen, wenngleich man sie sich die meisten ein paar Monate früher gewünscht hätte: Das Coming-out von "Prison Break"-Star Wentworth Miller etwa, die wichtigen Spendenaufrufe für LGBT-Organisationen in Russland, die Vernetzungsarbeit von Quarteera und LSVD Hamburg oder die geplanten Demonstrationen in Berlin und anderen Städten.

Nicht immer scheinen die Motive so uneigennützig wie in diesen Fällen. Ein belgischer Fashion-Designer hat nun eine Boxershorts-Kollektion namens "To Russia with Love" herausgegeben, als angeblichen Protest. Kristof Buntinx will quasi Homo-Propaganda erstellen, indem man die von ihm entworfenen Shorts mit Russland-Motiven trägt.



Die Motive sind schlicht: Zur Auswahl stehen etwa Matrjoschkas, russische Ehrenmedaillen oder Komsomol-Abzeichen. Und auch Hammer und Sichel – welche Symbole wären dem Mann wohl eingefallen, würde Deutschland ein "Propaganda"-Gesetz einführen?

"Das ist wahrhaft eine stille Revolution", sagte Buntinx zu seiner Kampagne. "Denke einfach daran, dass du in Russland lebst, wo du nicht schwul sein kannst, und unter deiner Kleidung ist es dir immer noch möglich, Protest-Shorts zu tragen. Ist das nicht ein schöner Gedanke?"

Äh, Nein. Solch ein stiller, genauer: unsichtbarer Protest ist ja durchaus im Sinne des Regimes: Maul halten! Versteckt bleiben! Es ist auch nicht so, dass der Mann den russischen Jungs die Shorts zur Verfügung stellen würde: Die sollen sie kaufen, wie wir auch. Für 65 Euro das Stück.

Die Models aus dem Video haben sich nach einem Facebook-Aufruf kostenlos zur Verfügung gestellt, um ein Zeichen gegen Russlands Politik zu setzen. Aus dem Shooting entsteht auch ein Jahreskalender, in Bel-Ami-typischer Osteuropa-Optik ("Ich mag den russischen Look und habe daher muskulöse sportliche Models mit blond-braunem Haar ausgewählt", so Buntinx).

Noch fehlt ein Hinweis, wie viel dieser kosten wird. Und der Hinweis, dass auch nur ein kleiner Teil des Gewinnes aus Shorts und Kalendern russischen Schwulen und Lesben zugute kommen könnte. "Chancen auf dem russischen Markt sind bisher an mir vorbei gegangen", schreibt Buntinx noch, dabei gebe es dort so viele reiche Leute. "Aber wenn ich dort nicht der sein kann, der ich bin, bleibe ich da lieber außen vor." Sicher. (nb)

-w-

#1 Kurt-FLAnonym
  • 23.08.2013, 11:12h
  • Absolutes No-Go. Wo sollen die russischen Schwulen 65 Euro für eine Undi hernehmen bei ihrem mickrigen Monatsgehalt - falls sie überhaupt noch eine Arbeit haben?
    Dieser Designer versucht lediglich aus der Not der russischen Homosexuellen und dem weltweiten Aufstand gegen Putins Propagandagesetz Profit für sich heraus zu schlagen. Mit Protest hat das nichts zu tun geschweige denn mit einer Hilfe für die russischen LesBiTransSchwulen.
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#2 Harry1972
  • 23.08.2013, 11:21hBad Oeynhausen
  • Antwort auf #1 von Kurt-FL
  • Der wird es kaum auf russische Kundschaft abgesehen haben sondern vielmehr auf die konsumorientierte Schwuppe, die grundsätzlich jedes überteuerte Fähnchen kauft, solange es ihr nur irgendeinen Prestigegewinn verspricht.
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#3 rama 99 centAnonym
  • 23.08.2013, 12:08h
  • Man sollte mit bestimmten Symbolen nur "laute Revolutionen" beginnen.

    www.workers.org/world/2005/npa_0224/

    ________________

    Er weist auf auf den Paradigmenwechsel der Straßen-Horden-Nazis durch das national-religiöse Großgeläut des Zaren Putin hin.

    "Nicht Deutschland der 30er, nicht UdSSR 2.0, sondern vielmehr Russostan, Kasachstan, Kirgisistan, usw."

    Zur mentalen Verklumpung des multi-reliösen und multi-ethnischen Zarenreiches ertönt, nicht nur bei den aufgehetzten Horden, seltener "Nieder mit den Nicht-Slawen", sondern immer mehr "Nieder mit den ausländischen Agenten", und dem "verderblichen Einfluss des Westens".

    Die Verkörperung des Einflusses wird mit relativ geringem propagandistischem Aufwand, für Konservative oder auch homophobe Liberale aller Ethnien und Religionen im Zarenreich, durch moderierte staatliche Homophobie betrieben.

    ru-antidogma.livejournal.com/1958950.html

    www.sueddeutsche.de/politik/homosexuelle-in-russland-wenn-de
    r-stadtbummel-zur-propaganda-wird-1.1750154
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