Der 1945 geborene Raúl Vera ist seit 1999 Bischof im nordmexikanischen Satillo
Neue Töne aus der katholischen Kirche: Ein mexikanischer Bischof hat erklärt, dass homophobe Menschen "krank im Kopf" sind.
In einem am Dienstag auf Youtube veröffentlichten Interview erklärte Raúl Vera, der Bischof von Satillo, dass Homosexuellenfeindlichkeit unbiblisch und krankhaft sei. "Warum sollte ist direkt denken, dass Schwule oder Lesben pervers oder lasterhaft sind, wenn sie auf mich zukommen? So reagieren homophobe Menschen. Das ist eine Geisteskrankheit, wenn man Schwule generell als lasterhaft oder promisk ansieht. Dafür muss man krank im Kopf sein." Homosexuelle seien "Menschen, die Respekt verdienen".
Vera berichtete auch von einer Frau, die ihn wegen der Homosexualität ihres Sohnes aufesucht hatte und Schwule als "degeneriert" bezeichnete. Er habe ihr dann gesagt, dass ihr Sohn so geboren worden sei. Leider gebe es "viele Mitglieder der Kirche, die die wissenschatlichen Realitäten beim Thema Homosexualität nicht anerkennen" wollten.
Der Bischof gab dann allerdings selbst eine nicht wissenschaftliche Erklärung, warum eine Person homosexuell wird. Das geschehe, wenn "die Anatomie mit den Hormonen nicht zusammenpasst", so Vera.
Anlass für die Aussage war eine Frage eines Reporters nach Veras Ansicht zu einer Äußerung des Papstes von Ende Juli. In einer spontanen Pressekonferenz in einem Flugzeug hatte Franziskus damals erklärt: "Wenn jemand schwul ist und guten Glaubens den Herrn sucht – wer bin ich, über ihn zu urteilen?" (queer.de berichtete).
Youtube | Interview von Bischof Vera mit englischen Untertiteln
Beliebter Bischof mit Sinn für weltliche Gerechtigkeit
Vera gilt in Mexiko als überaus populärer Bischof mit eigenem Kopf. So prangert er soziale Ungerechtigkeiten, Korruption und Menschenhandel an und hat sich auch bereits mit den mächtigen Drogenbossen angelegt. Vor dem Thema Homosexualität ist er auch schon früher nicht zurückgeschreckt. So startete er etwa ein Programm für junge Homosexuelle, für das er sogar in den Vatikan zitiert wurde. Außerdem unterstützt er seit Jahren eingetragene Partnerschaften für Schwule und Lesben und bot verfolgten Homosexuellen den Schutz der Kirche an. Er wurde wiederholt von konservativen Christen für seine "zu weltliche" Haltung kritisiert und erhielt wiederholt Todesdrohungen.
Im augenblicklich gültigen Katechismus der katholischen Kirche wird erklärt, dass Homosexuellen "mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen" sei. Das für Gläubige verbindliche Handbuch stellt auch fest, dass sich Schwule und Lesben immer versündigten, sofern sie nicht abstinent lebten. Homosexuelle Handlungen sind nach Ansicht der katholischen Kirche "in keinem Fall zu billigen". (dk)