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- 18. November 2004 2 Min.
Ein kleiner texanischer Schulbezirk ist in Aufruhr: Ein jährliches Schulfest, bei dem sich Jungs wie Mädchen anziehen und umgekehrt, ist abgesagt worden, weil sich eine Mutter über die "schwulen Andeutungen" des traditionellen Verkleidens beschwerte. An die Stelle des so genannten TWIRP-Days tritt bei den Schulen des Bezirkes Spurger nun der Camo-Day. Hier verkleiden sich die Kinder sehr amerikanisch als Soldaten mit Stiefeln und Tarnuniform.
TWIRP steht für "The Woman is Requested to Pay" ("Die Frau wird aufgefordert zu zahlen") und geht auf das Jahr 1946 zurück. Die jährliche Feier soll Jungen und Mädchen die Chance geben, sich in das andere Geschlecht hineinzufühlen. Ältere Mädchen laden dazu Jungs zu Dates ein und zahlen für die gemeinsame Cola – ein in diesem Teil der USA geradezu radikales Konzept.
Das rief die überzeugte Christin Delana Davies auf den Plan. Die dreifache Mutter sagte, sie sehe die Aktion nicht als karnevaleskes Herumalbern an sondern als etwas, "das mit Homosexualität zusammenhängt": "Das ist wie Experimentieren mit Drogen", so die 33-Jährige. "Man spielt damit, bis es einmal ganz normal erscheint. Wenn es für meinen Sohn in Ordnung ist, sich heute als Mädchen zu kleiden, dann gibt es keine Garantie, dass er es nicht auch in Zukunft macht."
"Es ist empörend, dass in einer Schule in einem kleinen Städtchen in Ost-Texas Vierjährige dazu verleitet werden, Transvestiten zu werden", stimmt Rechtsanwalt Hiram Sasser der aufgebrachten Mutter zu. Er arbeitet für das Liberty Legal Institute – ein Verein, der sich die Verteidigung der "religiösen Freiheit" auf die Fahnen geschrieben hat, jetzt aber "besorgten Eltern" im Kampf gegen die "Homosexuellen-Lobby" beisteht.
Der Anwalt des Schulbezirks, Tanner Hunt, kann die Aufregung jedoch nicht verstehen. Er nennt Sassers Kommentare "aufrüherisch und irreführend": "Im Schulbezirk ist nie jemand darauf gekommen, dass dieses Fest irgendjemanden provozieren könnte. Ich meine, seit Jahren schon, oder besser gesagt seit Generationen, haben wir das gefeiert und noch nie zuvor hat sich jemand darüber aufgeregt."
Trotz der Militarisierung des Schulfestes sahen nicht alle Schüler so aus wie der gemeine amerikanische Soldat, der im Mittleren Osten für Frieden und Demokratie sorgt: "Einige der Jungs sind trotzdem mit rosa Röckchen in die Schule gekommen", erzählt Hunt - und wirkt erleichtert. (dk)
18. November 2004, 16:52 Uhr














