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Wahlhampf von PBC & Co
Volksverhetzung in der Fußgängerzone
- 10. September 2013 2 Min.

In der Doku "Der Kampf der Kleinen" stellte die ARD Kleinstparteien und ihre Weltsicht vor
Auweia. Der durchaus auch zum Amüsement gedachte Film "Der Kampf der Kleinen", den die ARD am Montag abend zum Bundestagswahlkampf ausstrahlte, zeigte, wie vielfältig die Welt der Vorurteile bei einigen Kleinstparteien ist. Auch Homophobie wurde offen gezeigt.
Etwa beim Besuch des TV-Teams in Gifhorn, wo ein Mitglied der Partei Bibeltreuer Christen in die Fußgängerzone predigt: "Gott hat sich das anders gedacht: Dem Adam hat er eine Eve geschaffen, liebe Leute, und nicht einen Steve." Eine Freude über den "originellen" Spruch ist ihm dabei anzumerken.
Dann ist Schluss mit lustig. Detleff Karstens, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei, sagt der ARD über Homosexuelle:
Bei Leuten, die so natürlich veranlagt sind, und nicht nur dafür geworben worden, reingefallen sind, die sind halt in gewisser Weise behindert, in normaler Weise sich sexuell fortzupflanzen. Und mit Behinderten gehen wir grundsätzlich freundlich um.

Detleff Karstens
Dabei hätte das auch noch schlimmer kommen können: Die Partei macht in ihrem TV-Werbespot Stimmung gegen Regenbogenfamilien (queer.de berichtete) und spricht sich in ihrem Grundsatzprogramm für eine "Wiedereinführung der Bestrafung von Kuppelei und von homosexuellen Beziehungen mit Jugendlichen" aus; Karstens sagte dazu einmal, es gehe um den "Missbrauch von Jugendlichen und Kindern durch homosexuelle Männer, im Volksmund bekannt als 'Knabenschändung'".
Szenenwechsel, Bonn: Das Bündnis Innovation und Gerechtigkeit (BIG), eine muslimische Partei, will hingegen kein grundsätzliches Problem mit gleichgeschlechtlichen Paaren haben. Der Parteivorsitzende Haluk Yildiz sagt allerdings in die Kamera: "Man sollte Strukturen nicht vermischen. Deswegen haben wir unseren Slogan gehabt: Apfel ist nicht gleich Birne."
Wie Angela Merkel stört Parteimitglieder vor allem das Adoptionsrecht. Ilhan Ünsal, Schatzmeister der Bundespartei, hat dazu "rustikale Thesen", wie die Stimme aus dem Off das folgende zusammenfasst:
Es gab ja die Debatte, dass man gesagt hat, dass Homosexuelle ihre Kinder dann missbrauchen werden. Ich will mir dass nicht anmaßen, dies zu sagen. Aber auch wenn nur ein Prozent die Wahrscheinlichkeit besteht, dass ein Pädophiler dieses Gesetz missbraucht, zwei Pädophile dieses Gesetz missbrauchen und ein Kind missbrauchen, misshandeln oder vergewaltigen, dann muss man sich überlegen: Lohnt sich das?

Ilhan Ünsal
Immerhin: Im Wahlprogramm des Partei findet sich nichts zu der Ablehnung des Adoptionsrechts, das Thema scheint nicht im Vordergrund zu stehen. Und man muss wohl annehmen, dass viele weitere Parteien aus dieser Sendung ähnliches gesagt haben. Das Rohmaterial etwa zum Gespräch mit der NPD hätte man gerne gesehen.
Wenigstens musste man sich bei der Sendung nicht fremdschämen: Die DSLP tritt ja erst bei den Europawahlen an. (nb)
Links zum Thema:
» "Kampf der Kleinen" in der ARD-Mediathek















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